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PD Daily 

Die Proteste in Hongkong – erklärt von einer, die hautnah dabei ist

Vor 3 Monaten haben wir mit einer Aktivistin in Hongkong gesprochen. Inzwischen hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Zeit für ein Update!

22. November 2019  4 Minuten

Die Bilder aus Hongkong erinnern in diesen Tagen an düstere Science-Fiction-Filme: Mitglieder der Demokratiebewegung aus dem studentischen Milieu halten die Polytechnische Hochschule (PolyU) besetzt, verteidigen sie mit Pfeil und Bogen, Brandsätzen, selbstgebauten Katapulten. Auf der anderen Seite steht die Polizei in schwerer Kampfmontur, ausgerüstet mit Wasserwerfern, Tränengas und Schusswaffen, mit denen sie Gummigeschosse und als Ultima Ratio scharfe Munition abfeuern.

Die Polytechnische Hochschule ist der jüngste Schauplatz des zu Beginn so friedlichen und kreativen Protests, mit dem ein überwältigend großer Anteil der 7 Millionen Hongkonger seit Juni gegen die Beschneidung ihrer Bürgerrechte demonstriert. Bei mehreren Protestmärschen im Sommer überschritt die Teilnehmerzahl die Schwelle von einer Million. Selbst wenn es immer genau dieselben Menschen wären – das wäre 1/7 der Stadtbevölkerung! Die chinesische Regierung, gegen die sich die Proteste richtet, gibt sich unnachgiebig. Polizeigewalt und zunehmend auch subtile Drohgebärden der chinesischen Volksbefreiungsarmee verschärften die Lage zusehends, auch aufseiten der Demonstranten wählten manche zunehmend radikalere Mittel. Vor 2 Wochen starb ein 22-jähriger Demonstrant, kurz darauf steckten Demonstranten einen Unterstützer der chinesischen Regierung in Brand und verletzten ihn schwer.