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Kann diese App deinen Arzt ersetzen?

Die Ada-Gesundheitsapp verspricht schnelle Hilfe bei medizinischen Fragen. Wir haben sie getestet.

6. Dezember 2019  4 Minuten

Es ist Sonntagabend und ein stechender Schmerz durchzuckt meinen Rücken. Erst mal hinlegen. Minuten später merke ich, dass ich kaum noch aufstehen kann. Und nun?

Ärztlicher Rat am Wochenende oder am späten Abend ist schwierig. Die deutschen Notaufnahmen sind chronisch überlastet. Da liegt erst mal eine Suche im Internet nahe – einfach mal die eigenen Symptome in ein Suchfenster eingeben. Doch genau das ist meist die falsche Lösung. Denn viele Gesundheitsportale im Netz verbreiten vor allem Unsicherheit. Zu häufig kommt am Ende »Krebs« als Ergebnis heraus, obwohl das in der Regel völliger Unsinn ist.

Bessere Informationen für Patienten versprechen diverse Gesundheits-Apps, allen voran »Ada – deine Gesundheitshelferin«. Die ist nicht umsonst eine der beliebtesten Health-Anwendungen für das Smartphone und gewann 2019 sogar den German Innovation Award. Sie verspricht, mit Künstlicher Intelligenz Symptome zu interpretieren und damit sogar Ärzten zu helfen. Doch ebenfalls dieses Jahr stand sie mit einem großen Datenskandal in der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Kann ich ihr trauen?

So gut ist der KI-Doktor wirklich

Ada wurde von der Ada Health GmbH mit Hauptsitz in Berlin entwickelt, die dafür mit Ärzten, Wissenschaftlern sowie Ingenieuren und der Techniker Krankenkasse zusammengearbeitet hat. 2016 wurde die App veröffentlicht und wird heute in 7 Sprachen international angeboten. Nach eigenen Angaben des Unternehmens führte sie bisher über 15 Millionen Symptombefragungen durch.

Und genau das ist es, was die App leistet. Sie ist ein sogenannter »Chatbot«, der in einem Gespräch den Nutzer nach seinen Symptomen befragt, am Ende eine Wahrscheinlichkeit für mögliche Krankheiten angibt und eventuell einen Arztbesuch empfiehlt. Auf manche Fragen wie »Befinden sich die Symptome im unteren Bereich des Rückens?« lassen sich sogar Grafiken anzeigen, die genauer erklären, welche Körperregion gemeint ist.

Bei meinen Rückenschmerzen lag die App übrigens goldrichtig. Die Lösung – wie mir später ein Arzt bestätigte – war Lumbago, besser bekannt als »Hexenschuss«. Ich hatte es beim Rudern im Fitnessstudio einfach gehörig übertrieben.

Das Ergebnis wird in der App nicht als Diagnose präsentiert, sondern als Liste mit wahrscheinlichen Krankheitsbildern: »5 von 10 Personen mit den gleichen Symptomen haben diese Erkrankung«. Dazu gibt es ausführlichere Erstinformationen und Ada bietet sogar an, Symptome zu verfolgen, um Veränderungen bei langfristigen Krankheiten zu beobachten.

Mit Illustrationen von Tobias Kaiser für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Psychologie   Gesundheit   Internet  

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