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Streamst du noch oder stiehlst du schon? Warum Raubkopieren wieder in Mode kommt

Online Serien und Filme zu stehlen ist nach Jahren des Rückgangs wieder im Kommen. Das hat auch etwas mit »Netflix«, »Star Wars« und dem Konkurrenzkampf der Unterhaltungsindustrie zu tun. Was dagegen hilft und was dabei meist vergessen wird.

20. Januar 2020  11 Minuten

Die Piraten sind wieder da! Nein, nicht die Kleinpartei mit den Internet-Themen, die immer dann in den Medien auftaucht, wenn die Bundesregierung versucht, den Überwachungsstaat auszubauen.

Ganz andere Piraten sind gerade weltweit wieder im Kommen, nämlich diejenigen, die Inhalte illegal aus dem Internet beziehen. Seit 2018 wächst etwa die Nutzerschaft von Der »Global Internet Report« (englisch, 2018, PDF) BitTorrent, des meistverbreiteten Filesharing-Protokolls, mit denen sich auch größere Dateien wie Filme, Dokus oder Serien im Internet weitgehend heimlich »Heimlich« ist hierbei relativ. Mit »BitTorrent« baut ein Nutzer für eine Datei ein Verteilernetz auf, das über die eigene IP-Adresse gesteuert wird. Diese Adresse kann aber der eigenen Person zugeordnet werden. Deshalb nutzen viele Teilnehmer an solchen Filesharing-Netzwerken zusätzliche Anonymisierungsdienste wie Proxy-Server und VPNs, um diese Adresse zu verschleiern. Damit ist eine Rückverfolgung auch für Ermittlungsbehörden nicht mehr so einfach möglich. Wie »BitTorrent« genau funktioniert, kannst du hier nachlesen (englisch, 2019) teilen und kopieren lassen.

Und weltweit sprießen illegale Anbieter wie Pilze aus dem Boden und versorgen Nutzer kostenlos mit den neuesten Blockbustern und Serienhits – bis sie eben erwischt werden. So etwa Ende vergangenen Jahres ein 36-jähriger Programmierer aus Las Vegas, der die Website iStreamItAll betrieben hatte. Daran lässt sich das Ausmaß solcher Dienste erahnen: Die Meldung zur Schließung von »iStreamItAll« bei »USA Today« (englisch, 2019) iStreamItAll hatte 118.500 Serienepisoden und rund 11.000 Filme im Angebot.

Und während iStreamItAll mittlerweile Die abgeschaltete Streaming-Website »iStreamItAll« abgeschaltet ist, haben andere Plattformen wie Kinox.to oder die deutsche Variante ddl.me weiter Hochkonjunktur. Kein Wunder, dass die Unterhaltungsindustrie über Der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland benennt Schadenssummen für das Jahr 2014 (2019, PDF) Schäden in Milliardenhöhe klagt.

Dabei hatte sie bereits eine effektive Lösung gegen die Piraten. Bis sie anfing, selbst an ihr zu sägen. Aber der Reihe nach.

Warum Menschen online Inhalte stehlen

Natürlich ist es einfach, den Online-Piraten allein alle Schuld für die Online-Piraterie zu geben. Doch es ist ein wenig komplizierter als das – und hat direkt etwas mit zentralen Eigenschaften der digitalen Welt zu tun:

  • Kopierbarkeit von Daten: Mit nur einem Klick lassen sich aus jeder Datei 2 machen und die Kopie mit anderen teilen. Und genau diese Copy-Arbeitsweise sind wir aus unserem Alltag etwa mit Texten, Fotos oder Excel-Dateien gewohnt.
  • Freie Verfügbarkeit vieler Daten: Wikipedia und Youtube machen es vor. Dort sind Inhalte jederzeit verfügbar und zwar kostenlos, in hoher Qualität und von jedem Gerät aus. Und weil Plattformen wie Youtube bei der Masse an täglich hochgeladenen Inhalten mit der Prüfung nicht hinterherkommen, Beliebte Tricks der Raubkopierer sind dabei, die Filme innerhalb einer Bildmaske zu verstecken, sodass sie nur einen kleinen Ausschnitt des gesamten Bildschirms einnehmen. So verwirren sie den »Youtube«-Algorithmus, der die Filme und Serien dann nicht mehr erkennt. Menschen würden das natürlich schon erkennen, aber selbst ein Unternehmen wie »Youtube« besitzt nicht ansatzweise die Kapazität, ausreichend menschliche Moderatoren zu engagieren, die alle Inhalte regelmäßig durchsuchen. landen auch immer wieder ganze Serien und Spielfilme dort.

Doch es gibt eben auch Dateien, die nicht jederzeit kostenlos abrufbar sind und nicht vervielfältigt werden dürfen – nämlich wenn es sich um digitale Güter handelt, die unter das Urheberrecht fallen. Und wenn diese dann auch noch schwer auf legalem Weg zu beschaffen sind, entsteht ein Anreiz dazu, nach Alternativen im Netz zu suchen.

Und dieser Anreiz war Ende der 90er-Jahre und Anfang des Jahrtausends stark, als BitTorrent und andere Filesharing-Dienste wie die MP3-Tauschbörse Napster erste Erfolge feierten. Diese illegalen Dienste sind auch ein Eigentor einer Unterhaltungsindustrie, die den Schritt in die digitale Welt verschlafen und zu lange auf gepresste Silberscheiben gesetzt hat, anstatt gute digitale Angebote zu schaffen. Anders gesagt: Online zu stehlen war nicht nur günstiger als zu kaufen (weil kostenlos), es war – nach etwas Einarbeitungszeit in die Technik – auch viel bequemer.

Warum sich Piraterie im Netz nicht grundlegend technisch verhindern lässt

Im Netz kann jeder Inhalte hochladen. Um zu verhindern, dass diese Raubkopien sind, müssten sogenannte Uploadfilter alle Inhalte präventiv überprüfen. Versuche, diese zu installieren, gab es: etwa den stark umstrittenen »Stop Online Piracy Act« (SOPA) der US-Unterhaltungsindustrie. Das Problem dabei steckt in der Technik: Uploadfilter könnten zu Zensur führen und eventuell auch legale Meinungsäußerungen blockieren. Das bedroht die Meinungs- und Pressefreiheit im Netz.

Die Risiken von Piraterie im Netz

Und dieser Anreiz scheint so stark zu sein, dass Piraten im Netz die bekannten Risiken einfach ignorieren:

  • Viren und Schadsoftware: Download-Dateien auf legalen Plattformen werden gründlich auf Viren sowie auf andere schädliche Software überprüft und das Unternehmen dahinter steht dafür gerade. Bei illegalen Online-Tauschbörsen ist das nicht der Fall; deshalb sind sie ein beliebtes Mittel, um schädliche Programme an ahnungslose Nutzer zu verteilen. Gerade digitale Spiele erfordern fast immer einen sogenannten »Crack«, also eine illegale ausführbare Datei, die den eingebauten Kopierschutz ausschaltet. Darin lassen sich besonders leicht Schadprogramme verstecken.
  • Betrügerische Absichten: Manche Portale für Raubkopien verlangen vom Nutzer das Hinterlegen von Daten wie Name, E-Mail-Adresse oder sogar Kreditkarteninformationen. Eine Garantie, dass diese sensiblen Angaben nicht in falsche Hände gelangen, gibt es natürlich nicht – die Portale sind schließlich illegal. Da ist die Hürde, die gesammelten Daten weiterzuverkaufen oder gleich selbst für betrügerische Zwecke zu verwenden, eher niedrig.
  • Juristische Konsequenzen: Strafrechtlich verfolgt werden nicht die Nutzer, sondern vor allem die Anbieter illegaler Tauschbörsen und Plattformen, wie auch der Fall von iStreamItAll zeigt. Das erzeugt leicht ein falsches Gefühl von Sicherheit, dass einzelne Online-Piraten, die Inhalte nur für den Eigengebrauch nutzen, straffrei davonkommen. Das ist nicht der Fall, denn auch ihre Urheberrechtsverletzungen sind sowohl strafbar als auch vor Zivilgerichten verfolgbar – zum Beispiel durch Abmahn-Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben und daraus ein gutes Geschäft machen.

Wie finden Anwälte die Online-Piraten?

Abmahn-Anwälte holen sich dafür eine richterliche Genehmigung und ermitteln die IP-Adresse des Anschlussinhabers (die digitale Adresse seines Computers im Netz) – und identifizieren ihn damit. Weil notorische Online-Piraten das aber wissen, verschleiern diese ihre eigene IP-Adresse über sogenannte virtuelle private Netzwerke (VPNs).

»Du möchtest genau wissen, welche Vergehen bei Online-Piraterie begangen werden und welche Strafen drohen? Dann klicke hier!«

  • Herunterladen: Nach § 106 Urheberrechtsgesetz (UrhG) droht bei einer unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder eine Geldstrafe.
  • Gewerbliche Verwertung: Nutzen Täter Raubkopien gewerblich, drohen nach § 108a UrhG für (gewerbsmäßige) unerlaubte Verwertung sogar bis zu 5 Jahren Gefängnis.
  • Infrastruktur bereitstellen: Wer eine Urheberrechtsverletzung nicht selbst begeht, sondern zum Beispiel als Plattform die Infrastruktur dafür bereithält – in dem Wissen, wie sie genutzt wird – kann wegen Beihilfe bestraft werden.
  • Hochladen: Das unerlaubte Kopieren und Hochladen urheberrechtlich geschützter Werke ins Internet kann zivilrechtlich verfolgt werden. Hierbei kann eine Abmahnung (§ 97a UrhG) erfolgen und Schadensersatz gefordert werden – der je nach anwaltlichem Ermessen zusammen mit den Aufwendungen für die Abmahnung in die Tausende Euro gehen kann.

Manche Online-Piraten rechtfertigen das eigene Verhalten sogar, so wie der Nutzer, der sich »Umaxx« nennt, den ich während meiner Recherche in einem Onlineforum zu Tauschbörsen traf: »Ich habe schon Hunderte Gigabyte aus dem Internet geladen. Schließlich scheffelt die Unterhaltungsindustrie sowieso genug Kohle.«

Illustration: Mirella Kahnert

Wer sich hinter »Umaxx« verbirgt, ist kaum auszumachen, denn er wird von seinem Pseudonym geschützt. Meine Einschätzung nach einem längeren Gespräch in einem privaten Chat: männlich, unter 30, solides Einkommen, absoluter Film- und Serienfan mit leicht kapitalismuskritischen Ansichten.

Ob er auch für digitale Inhalte zahlen würde? »Klar«, sagt er. »Ich kaufe ja auch zum Beispiel immer wieder Filme oder Games für meine DVD-Privatsammlung und habe auch einige Accounts bei legalen Sachen. Aber da gibt es halt nicht alles und manches ist in Deutschland auch echt schwer online zu kriegen, wie etwa Animes Unter Animes versteht man sehr vereinfacht Zeichentrickserien aus Japan, wo diese einen hohen Stellenwert in der Kultur des Landes einnehmen. Zu unterscheiden sind Anime-Filme von Manga, den Comicbüchern aus Japan, die oft dieselben Geschichten und Figuren wie Animes behandeln. Seit den 90er-Jahren sind Animes auch in der westlichen Welt sehr beliebt und auf großen Messen vertreten. Einflüsse von Animes finden sich seitdem auch in populären Filmen, Büchern und westlichem Zeichentrick. Um die beliebtesten Serien hat sich auch in Deutschland eine große Fankultur aufgebaut. Dabei schaut »der echte Fan« seine Serien natürlich im japanischen Original mit Untertiteln. im Originalton. Die besorg’ ich mir dann eben so.«

Auch Untersuchungen bestätigen, dass Raubkopierer nicht grundsätzlich abgeneigt sind, Geld für Medien auszugeben, wie mehrere Marktforschungsstudien aus den Jahren »Heise« berichtet über die viel zitierte Studie des Marktforschungsunternehmens »Ipsos Mori« im Auftrag der britischen Denkfabrik »Demos« (2009) 2009 und »Vice« berichtet über die aktuellste Studie zum Konsumverhalten von Online-Piraten (englisch, 2018) 2018 zeigen. Teilnehmer von illegalen Tauschbörsen gaben laut den Ergebnissen mehr Geld für legale Musik aus als die Nutzer ausschließlich legaler Quellen. Und ein Bewusstsein für das eigene Tun scheint ebenfalls vorhanden zu sein, belegt die erste Studie: Nur 28% der illegalen Filesharer hielten ihr Tun selbst für »fair«.

Wie aber überzeugt man solche Raubkopierer davon, komplett legal zu handeln? Eine mögliche Antwort: Netflix.

Streaming hätte das Ende der Online-Piraterie sein können. Bis die Konkurrenten von Netflix gierig wurden

Warum Kopierschutzsoftware nicht funktioniert

Der Versuch der Unterhaltungsindustrie, Raubkopien mit eigener Schutzsoftware zu verhindern, schlägt seit Jahren fehl. Jeder erdachte Kopierschutz wurde kurze Zeit darauf von findigen Programmierern geknackt – beispielsweise die österreichische Kopierschutzlösung »Denuvo« im Jahr 2017 innerhalb von nur 24 Stunden. Im Nachgang entstehen online genügend Anleitungen und Foren, die auch Laien erklären, wie das geht. Damit lohnt es sich für Anbieter kaum noch, diese Kopierschutzsoftware weiterzuentwickeln.

Weder Klagewellen noch Kopierschutzsoftware der Konzerne haben Online-Piraten bisher vom Stehlen abgehalten. Eine Studie des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) beziffert den Schaden durch illegale Musikdownloads auf 170 Millionen Euro pro Jahr. Ein Bericht (englisch, 2016) Auch nicht der potentielle Schaden für Kreative und Künstler, die hinter den digitalen Gütern stehen. Das änderte sich erst, als die Unterhaltungsindustrie endlich auf die Idee kam, besseren Service zu bieten. Auftritt: Streaming. Hinter dem Begriff Streaming verbergen sich diverse Dienste, die eine jederzeit verfügbare Online-Bibliothek anbieten, aus der digitale Güter abgespielt werden. Dabei werden die Dateien nicht permanent auf dem PC oder Smartphone gespeichert und Nutzer kommen gar nicht mehr in die Verlegenheit, über das Kopieren nachzudenken.

Mit Netflix entstand ein Service, der dem Nutzer für einen geringen monatlichen Beitrag legal einen riesigen Schatz an Filmen und Serien bietet. Und die Zahlen zeigen: Die »Global Online Piracy Study« der Universität von Amsterdam (englisch, 2018, PDF) Viele Piraten ließen sich davon überzeugen, ehrlich zu konsumieren.

Die »New York Post« schreibt über den Erfolg von Netflix (englisch, 2017) Dabei waren nahezu alle Inhalte von Netflix auch auf illegalen Portalen verfügbar; aber bei Netflix waren sie eben jederzeit abrufbar, kostengünstig und absolut legal. Das wirksame Mittel gegen Online-Piraterie scheint also eine Kombination aus einem breiten Angebot, gutem Service und akzeptablem Preis zu sein.

Mit Spotify hat sich im Bereich Musik längst eine ähnliche Streaming-Plattform etabliert. Und obwohl sehr viele Musikstücke teilweise illegal auf Youtube verfügbar sind, zahlen immerhin Aktuellste Nutzerzahlen von »Spotify« bei »BusinessofApps« (englisch, 2019) 96 Millionen Menschen für Spotifys Premiumservice. Und auch für digitale Spiele arbeiten Anbieter an vergleichbaren Lösungen, etwa mit dem Bei »The Verge« findest du alle Informationen zum Start von »Stadia« (englisch, 2019) Streamingdienst Stadia, der Ende 2019 live ging.

Doch an Netflix zeigt sich, wie die Unterhaltungsindustrie die Lösung gegen Online-Piraterie untergräbt: mit härterer Konkurrenz. Im Jahr 2020 wollen viele Unternehmen ein Stück vom Video-Streaming-Kuchen abhaben und bauen ihre Konkurrenzprodukte am Markt aus. So buhlen heute etwa Amazon Prime, Maxdome, Apple TV+, Hulu und brandneu Disney+ um Filmliebhaber im Netz. Und das mit harten Bandagen und exklusiven Titeln: So lief die Erfolgsserie Game of Thrones exklusiv auf HBO, die neue Star-Wars-Serie The Mandalorian exklusiv auf Disney+ und die viel diskutierte Fantasy-Serie The Witcher nur bei Netflix. Die Liste ließe sich lange fortführen.

Illustration: Mirella Kahnert

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von »Streaming Observer« zum Filmangebot auf »Netflix« (englisch, 2019) So schrumpfte die Filmbibliothek von Netflix seit 2014 um volle 40%, weil andere Rechteinhaber bestehende Lizenzverträge auslaufen ließen, um die Stücke auf eigenen Plattformen anzubieten. Noch scheint das Unternehmen die Gunst der Nutzer zu besitzen. »Netflix« wuchs in Europa, Asien und Afrika im vergangenen Jahr um etwa 40% auf 47,4 Millionen Nutzer. Dazu gehören zum Beispiel »Business Insider« schreibt über die Gründe für die verschwindenden »Marvel«-Filme auf »Netflix« (englisch, 2019) viele Superhelden-Filme der Marvel-Reihe, die nun exklusiv auf Disney+ gezeigt werden. Oder die beliebte Comedy-Serie The Office, über deren absehbaren Verlust Netflix sogar öffentlich auf Twitter klagt:

Das Problem dabei: Je mehr Titel sich exklusiv auf verschiedene Plattformen verteilen, die ja einzeln bezahlt werden wollen und eigene Software erfordern, desto unbequemer wird Streaming als Ganzes für die Nutzer.

Und es ist schlichtweg ärgerlich, »Vice« analysiert den Fall und Wiederaufstieg von Online-Piraterie (englisch, 2018) wenn die eigene Lieblingsserie von einem Tag auf den anderen vom abonnierten Streaming-Anbieter verschwindet und bei einem anderen auftaucht. Den Überblick darüber zu behalten ist ebenfalls verwirrend – deshalb gibt es mittlerweile Die deutsche Website »WerStreamt.es« schlüsselt auf, welche Serien und Filme von welchen Anbietern angeboten werden ganze Websites, die sich nur dieser Aufschlüsselung widmen und auf denen Nutzer dann recherchieren müssen. Kleine Ärgernisse? Vielleicht.

Klar hab ich The Mandaloran gesehen. Das ist für echte Star-Wars-Fans einfach Pflicht! Aber der Disney-Konzern kriegt dafür keinen Cent von mir. – Online-Pirat »Umaxx«

Doch so wird erkennbar, was eben auch hinter der bequemen Streaming-Welt steckt: eine Veränderung der Besitzverhältnisse weg vom Nutzer und hin zu den Plattformen. Der Einzelne besitzt nichts mehr, kann nichts mehr verleihen, keine eigene Bibliothek nach seinem Geschmack mehr aufbauen. Er ist auf den guten Willen seiner Anbieter angewiesen – und dem von dessen Konkurrenten.

Und so drohen illegale Piraten-Websites wie iStreamItAll wieder zu den bequemsten und zentralsten Orten im Netz zu werden, um digitale Güter zu beziehen. Der Online-Piraterie im Bereich Filme und Serien blüht ein zweiter Frühling.

Doch Konkurrenz ist im Kapitalismus normal und lässt sich kaum verhindern. Das gilt wohl auch für illegale Angebote. Vielleicht sind diese gar ein Übel, das am Ende positive Auswirkungen hat, wenn die Abwanderung von Nutzern Unternehmen dazu bringt, die eigenen Rechte wieder an Konkurrenten zu verleihen und den Kampf mit exklusiven Titeln einzustellen.

Notwendig erscheint, dass die Unterhaltungsindustrie hier umdenkt und illegale Anbieter als das begreift, was diese für viele Nutzer gerade wieder werden – echte Alternativen und damit direkte Konkurrenz. Und anstatt darauf zu warten, dass die Behörden diese Konkurrenz dichtmachen, sollten Unternehmen wie Disney, Netflix und Co. genauer bei den illegalen Plattformen hinschauen. So könnten sie besser verstehen, warum diese Nutzer anziehen und wie der eigene Service verbessert werden kann, um Nutzer dauerhaft legal zu binden.

Was in der ganzen Debatte zu kurz kommt …

Was in der Debatte über Online-Piraterie und Streaming leider meist zu kurz kommt, ist das Urheberrecht sowie die Künstler und Kreativen, deren geistige Schöpfungen dadurch geschützt werden sollen. Die Vielfalt von kostenlosen legalen wie illegalen Angeboten im Internet spielt nämlich auch einer grassierenden »Gratismentalität« in die Hände. Das im echten Leben selbstverständliche Bezahlen für Inhalte wird im Netz (»paid content«) als nervig empfunden.

Höchste Zeit, dass wir uns wieder ins Gedächtnis rufen, dass Inhalte nicht kostenlos produziert werden und die Schaffenden dafür entlohnt gehören. Und da auch online der freie Markt regiert, kann dazu jeder Nutzer mit seinem Onlineverhalten und Geldbeutel ein kleines Zeichen setzen. Hier sind 4 ganz unterschiedliche Wege dazu:

  • Freiwillig Künstler direkt bezahlen Die Website »Patreon« (Patreon): Die Website Patreon ist ein Dienst, der Kreative für ihre Arbeit im Internet direkt bezahlt – zum Beispiel Youtuber oder Podcaster, die ihre Inhalte regelmäßig kostenlos senden. Mitglieder bei Patreon können ihnen gezielt kleinere Spenden zukommen lassen, die dann jeden Monat abgebucht werden. Aus der Summe entsteht für die Kreativen so ein monatliches Einkommen.
  • Gemeinsam Projekte aus der Taufe heben Die Website »Kickstarter« (Kickstarter): Gerade die Startfinanzierung ist für viele Kreative ein Problem, wenn es um Großprojekte wie digitale Spiele oder Filme geht. Warum nicht also solchen Projekten einen Vorschuss geben? »Crowdfunding« heißt die Idee, etwa über die Website Kickstarter – dort können Nutzer Produkte schon vor der Produktion kaufen. Dabei bleibt natürlich ein Risiko, doch am Ende kann vielleicht etwas stehen, was über normales Investment sonst nie finanziert worden wäre.

    Auch Perspective Daily hätte es ohne Crowdfunding nie gegeben

  • Digitale Güter direkt von den Künstlern kaufen und behalten Die Website »Bandcamp« (Bandcamp): Die Diskussion um Urheberrecht in der Musikindustrie hat zu einigen innovativen Lösungen geführt. Eine davon ist Bandcamp, eine Website für unabhängige Künstler, die dort ihre Musik zum Reinhören und MP3-Download anbieten können. Auch viele namhafte Künstler sind dabei, wie der Folksänger Bon Iver, der Filmmusikkomponist John Carpenter oder die Musiklegende Peter Gabriel. Wer Musikalben hier kauft, kann den Preis (über ein niedriges Minimum hinaus) frei wählen – und die Künstler selbst bestimmen alle Konditionen.
  • Öffentliche Mediatheken besser nutzen Die Website »Mediasteak« (Mediasteak): Einen Streaming-Dienst bezahlen alle Deutschen sowieso mit den Rundfunkgebühren – die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. Doch die sind für Netflix-gewohnte Nutzer eher unübersichtlich. Hier kommt Mediasteak ins Spiel. Die Website durchsucht alle deutschen Mediatheken nach den besten frei verfügbaren Inhalten, sortiert diese nach Kategorien und verpackt sie in eine Netflix-ähnliche Aufmachung – oder schickt Empfehlungen direkt per Newsletter.



Kennst du jemanden, der schon einmal raubkopiert oder illegal gestreamt hat? Erzähle mir in den Kommentaren über seine Gründe.

Mit Illustrationen von Tobias Kaiser für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

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