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4 Anzeichen dafür, dass der Finanzmarkt endlich grüner wird

Du willst nicht, dass mit deinem Geld Kinderarbeit oder Kohlekraft finanziert wird? Dann dürfte dir gefallen, was Deutschland und die EU für dieses Jahr so alles geplant haben.

21. Januar 2020  5 Minuten

Es gibt da ein Wort, das seit Kurzem ziemlich angesagt ist: Der »Deutschlandfunk« berichtet über das psychologische Phänomen der Ambiguitätstoleranz (2019) Ambiguitätstoleranz. Aus der Psychologie stammend bedeutet es so viel wie das »Ertragenkönnen von Widersprüchlichkeiten«. Obwohl schon in den 70er-Jahren geprägt, wird der Begriff erst jetzt bekannt, weil mangelnde Ambiguitätstoleranz gern herangezogen wird, um das Aufstreben populistischer Bewegungen zu erklären. Deren Anhänger kämen mit den Widersprüchen der Welt schlecht klar, so erklären es Psychologen – und flüchteten sich in einfache, wenn auch falsche Erklärmuster. Also dass man zum Beispiel gleichzeitig an die Wissenschaft und die Schöpfungsgeschichte glaubt, oder dass man nicht alle Politiker für korrupt hält, auch wenn es Dinge gibt, die haarsträubend falsch laufen im Staate.

Eine besonders hohe Ambiguitätstoleranz legen wir auch bei unserem Umgang mit dem Geld an den Tag. Krasse Widersprüche sind hier die Regel: Einerseits verurteilen wir Kinderarbeit, Krieg, Artensterben und den Klimawandel. Doch andererseits verdienen und profitieren wir alle finanziell von diesen dunklen Kapiteln der Gegenwart.

Zwar haben wir nicht alle persönlich Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit CO2-hustenden SUVs oder Kohlekraftwerken verdienen. Doch öffentliche Einrichtungen, Städte und Länder, Hier sind ein paar Beispiele, wie das aussehen kann: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der in und um Münster herum unter anderem Schulen, Psychiatrien und inklusive und altersgerechte Wohnheime betreibt, hält millionenschwere Anteile an RWE – genau wie die Städte Essen und Dortmund. Dem Land Niedersachsen zum Beispiel gehört knapp 12% von Volkswagen. in denen und von deren Dienstleistungen die meisten von uns leben, eben schon.

All das ist natürlich nicht erst seit gestern bekannt. Organisationen wie das Hier geht es zur Website des »Forum Nachhaltige Geldanlage« »Forum Nachhaltige Geldanlagen« oder die Hier geht es zur Website des Vereins »Bürgerbewegung Finanzwende« »Bürgerbewegung Finanzwende« setzen sich seit Jahren für höhere Sozial- und Umweltstandards in der Welt des Geldes ein. Und das mit Erfolg: Von knapp 310 Milliarden Euro im Jahr 2014 ist die Summe der »nachhaltigen Investments« weltweit bereits auf fast 1,308 Billionen Euro im Jahr 2018 gestiegen.

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Jetzt sieht es so aus, als könne die Bewegung in diesem Jahr einen regelrechten Schub bekommen und die Finanzwelt im Jahr 2020 ergrünen lassen. Diese 4 Anzeichen sprechen dafür:

  1. Deutschland führt grüne Staatsanleihen ein: Bundesfinanzminister Hier informiert das Bundesfinanzministerium über die kommenden Umweltanleihen (2019) Olaf Scholz kündigte im Herbst an, worüber schon vorher spekuliert worden war: Deutschland wird künftig auch Umweltanleihen Was war noch mal eine Staatsanleihe? Eine Staatsanleihe ist ein Schuldschein, den ein Staat ausgibt, wenn er Geld braucht. Diese Anleihen kann im Prinzip jeder kaufen, sie gelten als relativ sichere Geldanlagen. Für Anleihen gibt es in der Regel Zinsen (oder wie zuletzt auch Negativzinsen). herausgeben. Wer der Bundesrepublik in Zukunft Geld leiht, indem er eine solche Anleihe kauft, könne damit sicher sein, dass sein Geld »ausschließlich in ökologisch ausgerichtete Projekte« investiert werde. Das könnten zum Beispiel energetische Gebäudesanierungen oder die Entwicklung klimafreundlicher Technologien sein. Obwohl andere EU-Länder solche Anleihen schon länger anbieten, könnte Deutschland, so Scholz’ Hoffnung, als größte Volkswirtschaft Europas andere Staaten dazu bringen, das ebenfalls zu tun.

    Höhere Zinsen soll es auf die grünen Staatsanleihen allerdings nicht geben. Das hatte die CSU vergangenen Sommer ins Spiel gebracht, um die Umweltanleihen attraktiver gegenüber herkömmlichen Anleihen zu machen.
  2. Bessere Beratung und mehr Transparenz in der EU: Der Hier gibt es Fakten zum »EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums« »EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums« nimmt Form an. In diesem Aktionsplan hat die EU im Jahr 2018 beschlossen, die Investmentbranche nachhaltiger zu machen. Ein Teil des Aktionsplans: Finanzberater sollen künftig dazu verpflichtet sein, ihre Kunden in Beratungsgesprächen über die sozialen und Umweltstandards der Investments zu informieren.

    Seit Dezember 2019 ist nun auch Im EU-Amtsblatt findet sich der komplette Rechtstext für die »Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungs-Sektor« (2019) das erste EU-Gesetz öffentlich, das aus dem Aktionsplan folgt: Es verpflichtet Banken, Versicherungen und alle anderen Unternehmen, die Finanzprodukte verkaufen, dazu, transparent darzustellen, wie es um die Nachhaltigkeit ihrer Produkte steht. So wie ein Autohändler angeben muss, wie viel CO2 ein Auto ausstößt, so muss eine Investmentfirma künftig eben angeben, wie viel Kinderarbeit und wie viele CO2-Emissionen in einem Aktienfonds stecken. Spätestens bis März 2021 müssen die Informationen überall, wo die Produkte beworben werden, sichtbar sein. Das ist wichtig, denn bisher scheitern grüne Investments häufig an mangelnder Aufklärung.

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    Quelle: NKI-Research
    Noch einfacher könnte das Ecolabel die Suche nach sauberen Finanzprodukten machen: Noch ist zwar nicht klar, ob es schon in diesem oder erst in den kommenden Jahren eingeführt wird. Doch wenn das europäische Biolabel, das bisher auf Waschpulver und Leuchtmitteln prangt, erst einmal für Finanzprodukte da ist, dann können wir nachhaltige von nicht nachhaltigen Geldanlagen hoffentlich so einfach unterscheiden wie den Was unterscheidet eigentlich Bio und Nicht-Bio? Hier sind die Fakten Bio-Apfel vom konventionellen.
  3. Der Bankenkontrolleur zieht die grüne Brille auf: Der deutsche Staat sieht Banken in der Regel sehr gründlich auf die Finger und beobachtet, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Zuständig dafür ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Und dieser Bankenwächter hat Ende des letzten Jahres Hier geht es zum »Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken« der BaFin (2019) ein Dokument herausgegeben, das einen unscheinbaren Titel trägt: Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. Zwar sind keine der darin enthaltenen Ratschläge bindend. Doch die BaFin macht sehr deutlich, wie wichtig es für Finanzunternehmen aus ihrer Sicht heute ist, Nachhaltigkeit mitzudenken. Und zwar nicht nur aus ethischen Beweggründen, sondern auch, weil Banken und Versicherungen, die den Klimawandel und Ressourcenknappheit nicht einrechnen, ein erhebliches Risiko eingehen.

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    Quelle: NKI-Research
    Gleichzeitig gibt die BaFin Hilfestellungen, wie Finanzunternehmen Sozial- und Umweltstandards mitberücksichtigen können. In dieser Pressemitteilung äußert sich ein Entscheidungsträger der Finanzbranche zum Merkblatt der BaFin (2019) Experten gehen davon aus, dass sich die Banken den Inhalt der Merkblatts in der Tat gut einprägen werden. Denn schon heute flössen Nachhaltigkeitskriterien in den Prüfungsprozess mit ein – und einige davon könnten künftig doch noch verbindlich werden.
  4. Die EZB druckt grünes Geld: Nachdem Hier erklärt Katharina Wiegmann, wie die EU-Kommission der Bundesregierung jetzt Dampf in Sachen Klimaschutz macht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Herbst ihren Informationen zum »Green Deal« der EU (2019) »Green Deal« vorgestellt hatte, zog Christine Lagarde im Dezember nach. Als Chefin der Europäischen Zentralbank Unter anderem der »Tagesspiegel« berichtete (2019) erwäge sie, ihr Institut künftig auch voll dem Klimaschutz zu verschreiben. Schon zuvor war ihre Haltung zum Klimawandel klar: »Wenn wir nichts unternehmen, werden wir in 50 Jahren getoastet, geröstet und gegrillt.«

    Mit Zinsen und Geldleihgeschäften wolle sie die Klimaziele der EU unterstützen, auch die Finanzierung der billionenschweren Investitionspläne von von der Leyens »Green Deal« sollten damit gesichert sein. Eine weitere Maßnahme: Christine Lagarde ziehe es in Betracht, nur noch grüne Staatsanleihen In den vergangenen Jahren war es gängige Praxis der EZB, europäische Staatsanleihen aufzukaufen, um die betroffenen Länder zu stabilisieren. Bisher hat die EZB dafür rund 2,6 Billionen Euro ausgegeben, aktuell kauft sie diese für rund 20 Milliarden Euro pro Monat ein. aufzukaufen. Praktisch, dass es die auch bald von Deutschland zu kaufen gibt.

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Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily - copyright

von Felix Austen 

Der Physiker Felix begrüßt den Trend zu Hafermilch und fährt gern Rad. Er weiß aber auch, dass das nicht genügen wird, um die Welt vor der Klimakatastrophe und dem Ökokollaps zu bewahren. Deshalb schreibt er über Menschen, Ideen und Technik, die eine Zukunft ermöglichen. Davon gibt es zum Glück jede Menge!

Themen:  Klima   Nachhaltigkeit   Geld  

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