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Warum verschreibt mir niemand das Wundermittel?

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Maren Urner

Warum verschreibt mir niemand das Wundermittel?

2. November 2016

Es verlängert unser Leben, schützt vor Depressionen, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bringt schwerkranke Patienten wieder auf die Beine. Jetzt müssen die Ärzte es nur noch verschreiben.

Mit zittrigen Knien sitze ich im Wartezimmer. »Frau Urner, bitte.« In meinem Kopf wummert der Schmerz; als ich mich erhebe, muss ich mich am Blumentopf neben mir festhalten. Ich bin müde und ausgelaugt, doch mein Körper scheint mir den Schlaf in letzter Zeit nicht zu gönnen.

7 Minuten später verlasse ich die Praxis mit einem Stück Papier, auf dem Medikamentennamen und das Wort »Ruhe« gekritzelt sind. Ich bin verwirrt und verzweifelt.

Schon lange wissen wir, dass Bewegung gesund ist – daran bestehen keine wissenschaftlichen Zweifel. Doch laut ärztlicher Empfehlung soll ich jetzt die Beine hochlegen, um wieder gesund zu werden? Und das, obwohl mittlerweile auch bekannt ist, dass

  1. regelmäßige Bewegung als Universalmittel sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflussen kann und
  2. schon sehr wenig Großes bewirken kann. Für Jung und Alt, für Gesunde und Schwerkranke.

Diese Erkenntnisse haben wir einem Wandel in der Wissenschaft zu verdanken. Lange Zeit galt: Die Wirkung von Bewegung zu untersuchen, ist Zeitverschwendung! Viel zu komplex! Jetzt zeigt eine Studie nach der anderen, dass Bewegung tatsächlich der wirksamste Weg ist, um Lebensqualität und -länge zu verbessern.

Bewegungsmangel ist global einer der wichtigsten Gründe für schlechte Gesundheit. Das proklamiert die Globaler Zustandsbericht der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten (englisch, 2011) Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren.

Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten. – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Wieso verschreibt mir der Arzt also noch immer Tabletten statt Bewegung? Und wie können wir das ändern? Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Gilt dabei auch: »Mit Risiken und Nebenwirkungen«? Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Packungsbeilage des Wundermittels »Bewegung«.

Bevor du die die einzelnen Abschnitte der Packungsbeilage lesen kannst, folgt jeweils eine kleine Übung. Die 1. lautet:

Fertig? Dann klicke hier, um eine Belohnung zu erhalten und weiter zu lesen:
Ich habe die Übung gemacht!

Mit zittrigen Knien sitze ich im Wartezimmer. »Frau Urner, bitte.« In meinem Kopf wummert der Schmerz; als ich mich erhebe, muss ich mich am Blumentopf neben mir festhalten. Ich bin müde und ausgelaugt, doch mein Körper scheint mir den Schlaf in letzter Zeit nicht zu gönnen.

7 Minuten später verlasse ich die Praxis mit einem Stück Papier, auf dem Medikamentennamen und das Wort »Ruhe« gekritzelt sind. Ich bin verwirrt und verzweifelt.

Schon lange wissen wir, dass Bewegung gesund ist – daran bestehen keine wissenschaftlichen Zweifel. Doch laut ärztlicher Empfehlung soll ich jetzt die Beine hochlegen, um wieder gesund zu werden? Und das, obwohl mittlerweile auch bekannt ist, dass

  1. regelmäßige Bewegung als Universalmittel sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflussen kann und
  2. schon sehr wenig Großes bewirken kann. Für Jung und Alt, für Gesunde und Schwerkranke.

Diese Erkenntnisse haben wir einem Wandel in der Wissenschaft zu verdanken. Lange Zeit galt: Die Wirkung von Bewegung zu untersuchen, ist Zeitverschwendung! Viel zu komplex! Jetzt zeigt eine Studie nach der anderen, dass Bewegung tatsächlich der wirksamste Weg ist, um Lebensqualität und -länge zu verbessern.

Bewegungsmangel ist global einer der wichtigsten Gründe für schlechte Gesundheit. Das proklamiert die Globaler Zustandsbericht der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten (englisch, 2011) Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren.

Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten. – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Wieso verschreibt mir der Arzt also noch immer Tabletten statt Bewegung? Und wie können wir das ändern? Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Gilt dabei auch: »Mit Risiken und Nebenwirkungen«? Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Packungsbeilage des Wundermittels »Bewegung«.

Bevor du die die einzelnen Abschnitte der Packungsbeilage lesen kannst, folgt jeweils eine kleine Übung: Die 1. lautet:

Quelle: Anthony Bond CC BY

Die Dosierung und Darreichungsform

»Bewegungsmangel zerstört die gute Verfassung eines jeden Menschen, während Bewegung und methodische Leibesübungen diese erhalten.« – Plato

Tatsächlich empfehlen Mediziner und Gelehrte bereits seit Jahrtausenden Kranken und Gesunden vor allem eins: Bewegung. Auch ohne die wissenschaftliche Basis war ihnen die scheinbar wundersame Wirkung von Bewegung bewusst. Mittlerweile müssen wir Diese Review-Studie beschreibt Bewegung als »Polypill« (englisch, 2013) nicht mehr an Wunder glauben: Die umfassende Wirkung ist nachgewiesen.

Während ich mit hängendem Kopf die Arztpraxis verlasse, mache ich mich auf den Heimweg. 25 Minuten Fußweg liegen vor mir und ich frage mich: Was genau zählt eigentlich als Bewegung? Zählt mein Spaziergang als körperliche Aktivität? Wo hört Bewegung auf und wann fängt Sport an?

Häufig werden »Bewegung« und »körperliche Aktivität«, so wie hier, synonym verwendet. So definiert im Bericht »Gesundheit in Deutschland« vom Bund, dem Robert-Koch-Institut und Destatis (2015) Technisch gesehen sind wir körperlich aktiv, wenn wir uns so bewegen, dass der Energieverbrauch den Grundumsatz Also die Energiemenge, die unser Körper bei Ruhe und mit leerem Magen zur Aufrechterhaltung der körperlichen Funktion verbraucht. Er hängt von Geschlecht, Größe, Alter und Konstitution ab. Die Organe, die den höchsten Grundumsatz haben, sind in dieser Reihenfolge Leber, Gehirn, Herz, Nieren und Skelettmuskeln. übersteigt – egal ob bei der Gartenarbeit, im Fitnessstudio oder auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Sport – oder sportliche Aktivität – ist eine Untergruppe von körperlicher Aktivität. Geprägt durch unsere Geschichte und Kultur geht es dabei vor allem um Spaß an der Bewegung, aber auch um Leistung und Wettkämpfe. Nicht jede Bewegung ist Sport, aber jeder Sport ist Bewegung – ausgenommen Denksportarten wie Schach. Beim Schach werden in etwa so viele Kalorien verbrannt wie bei anderen »leichten körperlichen Aktivitäten« wie zum Beispiel Büroarbeit.

»Essen allein erhält den Menschen nicht. Er muss sich auch körperlich betätigen.« – Hippocrates (»Vater der Medizin«)

Bestimmt fallen dir jetzt 1.001 Möglichkeiten ein, bei denen du ins Schwitzen kommst. Alle diese Aktivitäten lassen sich in genau 2 Kategorien einteilen: aerob und anaerob. Aerobe Aktivität ist das, was wir meist als Ausdauersport bezeichnen: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Wandern. Zu den anaeroben Aktivitäten gehören Krafttraining, aber auch Sprints und Intervalltraining mit Wiederholungen, die nicht länger als 2 Minuten dauern. Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem darin, wie die nötige Energie gewonnen wird und welche Muskeln diese bereitstellen. Alle Tätigkeiten sind immer aerob und anaerob; bei der Benennung geht es darum, welche Form der Energiegewinnung wichtiger ist: mit oder ohne Sauerstoff. Aerob bedeutet wörtlich »unter Einbezug von Sauerstoff oder Sauerstoff-benötigend« und bezieht sich auf die Nutzung von Sauerstoff, um den Energiebedarf während körperlicher Aktivitäten zu decken. Der amerikanische Sportmediziner Kenneth Cooper hat den Begriff in den 1960er-Jahren eingeführt und begann, die präventive Wirkung von Bewegung zu untersuchen. Er gilt als der Erfinder von Aerobic, des Bewegungstrainings, bei dem viele unweigerlich an knallige Leggins, Stirnbänder und wilde Frisuren denken.

Viele Menschen bewegen sich zu wenig Bei all diesen Statistiken ist natürlich Vorsicht geboten, was die Genauigkeit angeht. Viele Faktoren können die Ergebnisse, gerade zwischen verschiedenen Ländern und Altersgruppen, beeinflussen. Die Ergebnisse hier wurden daher für die wichtigsten Verzerrungen korrigiert. Dazu gehört der gut dokumentierte Effekt, dass Menschen häufig mehr Bewegung angeben, als tatsächlich der Fall ist. Außerdem wurden die Daten für Alter und Region (Stadt vs. Land) korrigiert. Darüber hinaus ist es vor allem in Ländern mit einem durchschnittlich geringeren Einkommen schwierig, Bewegung, Fortbewegung und Haushaltstätigkeiten auseinander zu halten. Wie kompliziert die Auswertungen sind, zeigt auch die reine Betrachtung des Begriffs: »Bewegung« (»physical activity«), dessen Bedeutung von Alter, Geschlecht und Herkunft des Befragten abhängt. – aber: Wie viel ist eigentlich »genug«? Die Hier geht es zu den aktuellen Empfehlungen der WHO (englisch, 2010) Empfehlung der WHO lautet: 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität, plus 2 Mal Kräftigungsübungen. Die 150 und 75 Minuten gelten für alle ab 18 Jahren. Für Kinder von 5–17 Jahren lautet die Empfehlung: 60 Minuten pro Tag plus 3 Mal Kräftigung der Muskulatur. Die Kräftigungsübungen sollten bei allen Altersgruppen die großen Muskelgruppen einbeziehen. Nicht pro Tag, sondern pro Woche! Aufgeteilt in Einheiten von mindestens 10 Minuten.

Und die Darreichungsform?

Die Bewegung kann entweder während der Arbeit, beim Transport oder in der Freizeit stattfinden. Heute schon Wäsche gewaschen oder das Bad geputzt? In der Mittagspause zum Bäcker gegangen – also nicht motorisiert? Am Abend mit einem Kind gekabbelt? All das zählt als Bewegung. Anstrengende Gartenarbeiten wie Harken und Graben gehen sogar als »starke körperliche Aktivität« durch.

Und für ganz Hartgesottene gilt die alte Weisheit »Kleinvieh macht auch Mist«. Wer mehr steht und weniger sitzt, verringert sein Risiko, an Krebs oder Diabetes zu erkranken und frühzeitig zu sterben. Mancherorts wird Sitzen auch als das neue Rauchen bezeichnet. Höhenverstellbare Schreibtische erleben aktuell einen Boom. Wer Studie zu den positiven Effekten von »mit den Füßen scharren« (englisch, 2016) öfter mal auf dem Bürostuhl hin und her wackelt, beschert sich dadurch einen messbaren, positiven Effekt auf die eigene Gesundheit.

Das letzte Wort zur Frage, wie viel Bewegung von welcher Art optimal ist, steht noch aus. Einige Wissenschaftler erforschen aktuell die bestmögliche Dosierung und untersuchen, ab welcher Dauer gesundheitsfördernde Wirkungen messbar sind. Die vorläufige Antwort lautet: Ab einer ziemlich kurzen Dauer!

Damit ist auch das häufigste Argument von Bewegungsmuffeln unwirksam: »Keine Zeit!« Hoch intensives Intervalltraining (also High-Intensity Interval Training, HIIT) ist der neueste Schrei: 10 Minuten sehr intensives Training haben den Martin Gibala beschreibt in dieser Review-Studie die Effekte von HIIT (englisch, 2013) gleichen Effekt auf unser Herz und unsere Blutzuckerwerte wie 50 Minuten moderates Training. Selbst noch kürzere Work-Outs von unter 1 Minute bewirken Erstaunliches in unserem Körper.

»Die effektivste Therapie, die meinen Patienten aktuell zur Verfügung steht, ist Bewegung.« – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Es muss also nicht immer gleich der 10-Stunden-Wochen-Trainingsplan, eine Mitgliedschaft im hippen Fitnessstudio der Stadt oder der nächste Ultramarathon sein.

Auch wer auf der Suche nach der maximalen Wirkung ist, findet mittlerweile erste Antworten. Gerade bei den präventiven Effekten durch Bewegung zeigen viele Studien einen linearen Zusammenhang. Sprich: Je mehr Bewegung, desto höher die positiven Wirkungen. Das bedeutet aber nicht: maximaler Effekt bei 24 Stunden Dauerbewegung. Jeder Sportler weiß: Die Regeneration ist die halbe Miete. Eine Hier geht es zur Meta-Studie, die die optimale »Dosierung« von Bewegung untersucht (englisch, 2015) Meta-Studie aus dem Jahr 2015 mit mehr als 650.000 Amerikanern legt nahe, dass bei 3–5facher Dauer der empfohlenen 150 Minuten pro Woche eine Schwelle erreicht ist. Was darüber hinaus geht, hat keine zusätzlichen Vorteile – schadet aber auch nicht. Natürlich ist auch hier irgendwo eine Grenze erreicht, denn Übertraining führt weder zu besserer sportlicher Leistung noch zu mehr Fitness und Gesundheit. Die maximale Dauer, die in der Meta-Studie untersucht wurde und keine Schäden verursachte, ging über das 10fache der minimalen Empfehlung der WHO hinaus.

Erste Schweißperlen auf meiner Stirn, meine Lunge hat sich geweitet, mein Herz pumpt schnell. Spontan habe ich ein paar Sprints auf dem Heimweg vom Arzt eingebaut. Der Wind bläst mir um den Kopf, als ich mit den Händen in den Hüften am Hafen zum Stehen komme.

Herzschlag, Stoffwechsel, Muskelaufbau – was kann das Wundermittel denn nun genau? Welche Leiden und Beschwerden können wir mit Bewegung tatsächlich vermeiden?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Fertig? Dann klicke hier, um eine Belohnung zu erhalten und weiter zu lesen:
Ich habe die Übung gemacht!

Mit zittrigen Knien sitze ich im Wartezimmer. »Frau Urner, bitte.« In meinem Kopf wummert der Schmerz; als ich mich erhebe, muss ich mich am Blumentopf neben mir festhalten. Ich bin müde und ausgelaugt, doch mein Körper scheint mir den Schlaf in letzter Zeit nicht zu gönnen.

7 Minuten später verlasse ich die Praxis mit einem Stück Papier, auf dem Medikamentennamen und das Wort »Ruhe« gekritzelt sind. Ich bin verwirrt und verzweifelt.

Schon lange wissen wir, dass Bewegung gesund ist – daran bestehen keine wissenschaftlichen Zweifel. Doch laut ärztlicher Empfehlung soll ich jetzt die Beine hochlegen, um wieder gesund zu werden? Und das, obwohl mittlerweile auch bekannt ist, dass

  1. regelmäßige Bewegung als Universalmittel sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflussen kann und
  2. schon sehr wenig Großes bewirken kann. Für Jung und Alt, für Gesunde und Schwerkranke.

Diese Erkenntnisse haben wir einem Wandel in der Wissenschaft zu verdanken. Lange Zeit galt: Die Wirkung von Bewegung zu untersuchen, ist Zeitverschwendung! Viel zu komplex! Jetzt zeigt eine Studie nach der anderen, dass Bewegung tatsächlich der wirksamste Weg ist, um Lebensqualität und -länge zu verbessern.

Bewegungsmangel ist global einer der wichtigsten Gründe für schlechte Gesundheit. Das proklamiert die Globaler Zustandsbericht der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten (englisch, 2011) Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren.

Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten. – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Wieso verschreibt mir der Arzt also noch immer Tabletten statt Bewegung? Und wie können wir das ändern? Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Gilt dabei auch: »Mit Risiken und Nebenwirkungen«? Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Packungsbeilage des Wundermittels »Bewegung«.

Bevor du die die einzelnen Abschnitte der Packungsbeilage lesen kannst, folgt jeweils eine kleine Übung: Die 1. lautet:

Quelle: Anthony Bond CC BY

Die Dosierung und Darreichungsform

»Bewegungsmangel zerstört die gute Verfassung eines jeden Menschen, während Bewegung und methodische Leibesübungen diese erhalten.« – Plato

Tatsächlich empfehlen Mediziner und Gelehrte bereits seit Jahrtausenden Kranken und Gesunden vor allem eins: Bewegung. Auch ohne die wissenschaftliche Basis war ihnen die scheinbar wundersame Wirkung von Bewegung bewusst. Mittlerweile müssen wir Diese Review-Studie beschreibt Bewegung als »Polypill« (englisch, 2013) nicht mehr an Wunder glauben: Die umfassende Wirkung ist nachgewiesen.

Während ich mit hängendem Kopf die Arztpraxis verlasse, mache ich mich auf den Heimweg. 25 Minuten Fußweg liegen vor mir und ich frage mich: Was genau zählt eigentlich als Bewegung? Zählt mein Spaziergang als körperliche Aktivität? Wo hört Bewegung auf und wann fängt Sport an?

Häufig werden »Bewegung« und »körperliche Aktivität«, so wie hier, synonym verwendet. So definiert im Bericht »Gesundheit in Deutschland« vom Bund, dem Robert-Koch-Institut und Destatis (2015) Technisch gesehen sind wir körperlich aktiv, wenn wir uns so bewegen, dass der Energieverbrauch den Grundumsatz Also die Energiemenge, die unser Körper bei Ruhe und mit leerem Magen zur Aufrechterhaltung der körperlichen Funktion verbraucht. Er hängt von Geschlecht, Größe, Alter und Konstitution ab. Die Organe, die den höchsten Grundumsatz haben, sind in dieser Reihenfolge Leber, Gehirn, Herz, Nieren und Skelettmuskeln. übersteigt – egal ob bei der Gartenarbeit, im Fitnessstudio oder auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Sport – oder sportliche Aktivität – ist eine Untergruppe von körperlicher Aktivität. Geprägt durch unsere Geschichte und Kultur geht es dabei vor allem um Spaß an der Bewegung, aber auch um Leistung und Wettkämpfe. Nicht jede Bewegung ist Sport, aber jeder Sport ist Bewegung – ausgenommen Denksportarten wie Schach. Beim Schach werden in etwa so viele Kalorien verbrannt wie bei anderen »leichten körperlichen Aktivitäten« wie zum Beispiel Büroarbeit.

»Essen allein erhält den Menschen nicht. Er muss sich auch körperlich betätigen.« – Hippocrates (»Vater der Medizin«)

Bestimmt fallen dir jetzt 1.001 Möglichkeiten ein, bei denen du ins Schwitzen kommst. Alle diese Aktivitäten lassen sich in genau 2 Kategorien einteilen: aerob und anaerob. Aerobe Aktivität ist das, was wir meist als Ausdauersport bezeichnen: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Wandern. Zu den anaeroben Aktivitäten gehören Krafttraining, aber auch Sprints und Intervalltraining mit Wiederholungen, die nicht länger als 2 Minuten dauern. Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem darin, wie die nötige Energie gewonnen wird und welche Muskeln diese bereitstellen. Alle Tätigkeiten sind immer aerob und anaerob; bei der Benennung geht es darum, welche Form der Energiegewinnung wichtiger ist: mit oder ohne Sauerstoff. Aerob bedeutet wörtlich »unter Einbezug von Sauerstoff oder Sauerstoff-benötigend« und bezieht sich auf die Nutzung von Sauerstoff, um den Energiebedarf während körperlicher Aktivitäten zu decken. Der amerikanische Sportmediziner Kenneth Cooper hat den Begriff in den 1960er-Jahren eingeführt und begann, die präventive Wirkung von Bewegung zu untersuchen. Er gilt als der Erfinder von Aerobic, des Bewegungstrainings, bei dem viele unweigerlich an knallige Leggins, Stirnbänder und wilde Frisuren denken.

Viele Menschen bewegen sich zu wenig Bei all diesen Statistiken ist natürlich Vorsicht geboten, was die Genauigkeit angeht. Viele Faktoren können die Ergebnisse, gerade zwischen verschiedenen Ländern und Altersgruppen, beeinflussen. Die Ergebnisse hier wurden daher für die wichtigsten Verzerrungen korrigiert. Dazu gehört der gut dokumentierte Effekt, dass Menschen häufig mehr Bewegung angeben, als tatsächlich der Fall ist. Außerdem wurden die Daten für Alter und Region (Stadt vs. Land) korrigiert. Darüber hinaus ist es vor allem in Ländern mit einem durchschnittlich geringeren Einkommen schwierig, Bewegung, Fortbewegung und Haushaltstätigkeiten auseinander zu halten. Wie kompliziert die Auswertungen sind, zeigt auch die reine Betrachtung des Begriffs: »Bewegung« (»physical activity«), dessen Bedeutung von Alter, Geschlecht und Herkunft des Befragten abhängt. – aber: Wie viel ist eigentlich »genug«? Die Hier geht es zu den aktuellen Empfehlungen der WHO (englisch, 2010) Empfehlung der WHO lautet: 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität, plus 2 Mal Kräftigungsübungen. Die 150 und 75 Minuten gelten für alle ab 18 Jahren. Für Kinder von 5–17 Jahren lautet die Empfehlung: 60 Minuten pro Tag plus 3 Mal Kräftigung der Muskulatur. Die Kräftigungsübungen sollten bei allen Altersgruppen die großen Muskelgruppen einbeziehen. Nicht pro Tag, sondern pro Woche! Aufgeteilt in Einheiten von mindestens 10 Minuten.

Und die Darreichungsform?

Die Bewegung kann entweder während der Arbeit, beim Transport oder in der Freizeit stattfinden. Heute schon Wäsche gewaschen oder das Bad geputzt? In der Mittagspause zum Bäcker gegangen – also nicht motorisiert? Am Abend mit einem Kind gekabbelt? All das zählt als Bewegung. Anstrengende Gartenarbeiten wie Harken und Graben gehen sogar als »starke körperliche Aktivität« durch.

Und für ganz Hartgesottene gilt die alte Weisheit »Kleinvieh macht auch Mist«. Wer mehr steht und weniger sitzt, verringert sein Risiko, an Krebs oder Diabetes zu erkranken und frühzeitig zu sterben. Mancherorts wird Sitzen auch als das neue Rauchen bezeichnet. Höhenverstellbare Schreibtische erleben aktuell einen Boom. Wer Studie zu den positiven Effekten von »mit den Füßen scharren« (englisch, 2016) öfter mal auf dem Bürostuhl hin und her wackelt, beschert sich dadurch einen messbaren, positiven Effekt auf die eigene Gesundheit.

Das letzte Wort zur Frage, wie viel Bewegung von welcher Art optimal ist, steht noch aus. Einige Wissenschaftler erforschen aktuell die bestmögliche Dosierung und untersuchen, ab welcher Dauer gesundheitsfördernde Wirkungen messbar sind. Die vorläufige Antwort lautet: Ab einer ziemlich kurzen Dauer!

Damit ist auch das häufigste Argument von Bewegungsmuffeln unwirksam: »Keine Zeit!« Hoch intensives Intervalltraining (also High-Intensity Interval Training, HIIT) ist der neueste Schrei: 10 Minuten sehr intensives Training haben den Martin Gibala beschreibt in dieser Review-Studie die Effekte von HIIT (englisch, 2013) gleichen Effekt auf unser Herz und unsere Blutzuckerwerte wie 50 Minuten moderates Training. Selbst noch kürzere Work-Outs von unter 1 Minute bewirken Erstaunliches in unserem Körper.

»Die effektivste Therapie, die meinen Patienten aktuell zur Verfügung steht, ist Bewegung.« – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Es muss also nicht immer gleich der 10-Stunden-Wochen-Trainingsplan, eine Mitgliedschaft im hippen Fitnessstudio der Stadt oder der nächste Ultramarathon sein.

Auch wer auf der Suche nach der maximalen Wirkung ist, findet mittlerweile erste Antworten. Gerade bei den präventiven Effekten durch Bewegung zeigen viele Studien einen linearen Zusammenhang. Sprich: Je mehr Bewegung, desto höher die positiven Wirkungen. Das bedeutet aber nicht: maximaler Effekt bei 24 Stunden Dauerbewegung. Jeder Sportler weiß: Die Regeneration ist die halbe Miete. Eine Hier geht es zur Meta-Studie, die die optimale »Dosierung« von Bewegung untersucht (englisch, 2015) Meta-Studie aus dem Jahr 2015 mit mehr als 650.000 Amerikanern legt nahe, dass bei 3–5facher Dauer der empfohlenen 150 Minuten pro Woche eine Schwelle erreicht ist. Was darüber hinaus geht, hat keine zusätzlichen Vorteile – schadet aber auch nicht. Natürlich ist auch hier irgendwo eine Grenze erreicht, denn Übertraining führt weder zu besserer sportlicher Leistung noch zu mehr Fitness und Gesundheit. Die maximale Dauer, die in der Meta-Studie untersucht wurde und keine Schäden verursachte, ging über das 10fache der minimalen Empfehlung der WHO hinaus.

Erste Schweißperlen auf meiner Stirn, meine Lunge hat sich geweitet, mein Herz pumpt schnell. Spontan habe ich ein paar Sprints auf dem Heimweg vom Arzt eingebaut. Der Wind bläst mir um den Kopf, als ich mit den Händen in den Hüften am Hafen zum Stehen komme.

Herzschlag, Stoffwechsel, Muskelaufbau – was kann das Wundermittel denn nun genau? Welche Leiden und Beschwerden können wir mit Bewegung tatsächlich vermeiden?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Quelle: Nina Stawski CC BY

Die Anwendungsgebiete

»Ruhe«, hatte der Arzt auf mein Rezept geschrieben, um meiner Erschöpfung und den Schlafstörungen beizukommen. Wie altmodisch.

»Bewegung galt [1950] nicht als Teil der medizinischen Versorgung. Nach einem Herzinfarkt lautete die Empfehlung, die nächsten 6 Wochen im Bett liegend zu verbringen.« – Kenneth Cooper (Sportmediziner und Erfinder des Aerobic)

Bewegung ist nicht nur für die Gesunden. In der Rehabilitation wird mittlerweile empfohlen: So früh und viel wie möglich bewegen – egal ob Hüft-OP, Diese Studie zeigt die positiven Auswirkungen von Bewegung nach traumatischen Hirnschäden (englisch, 2012) traumatischer Hirnschaden oder Diese Meta-Studie zeigt, dass Bewegungsprogramme nach einem Herzinfarkt förderlich sind (englisch, 2016) Herzinfarkt. Das gleiche gilt für zahlreiche Krankheiten wie Diabetes Typ 2 und Herzversagen, bei denen Patienten lange Zeit Schonung verordnet wurde Der Großteil der Bewegungs-Empfehlungen bezieht sich auf aerobe Tätigkeiten wie Laufen, Gehen und Radfahren; gerade im Bereich der Rehabilitation und bei älteren Menschen zeigen aber auch alternative körperliche Aktivitäten wie Tai Chi und einige Yogaformen beeindruckende Ergebnisse. – und andere Schwangere profitieren von Bewegung, indem sie z.B. weniger zunehmen und weniger depressiv sind (englisch, 2011) »Umstände« wie Schwangerschaften.

Die folgende Liste konzentriert sich auf erhaltende und präventive Effekte durch Bewegung – und ist natürlich nur ein Ausschnitt.

»Wenn ich sie dazu bekäme, das regelmäßig zu machen – und wenn es nur ein Spaziergang wäre, etwas, dass ihren Puls ein wenig hochtriebe – würden sich ihre chronischen Krankheiten dramatisch verbessern. Ganz zu schweigen von all den anderen Dingen, wie der Depression, Angstzuständen, Stimmung und Energie.« – Robert Sallis (Arzt, der seit mehr als 25 Jahren Bewegung verschreibt)

Während die eher klassischen »Fitnesseffekte« auf Herz, Muskeln und Knochen schon viel länger untersucht werden, steht der Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewegung erst seit einem guten Jahrzehnt bei Wissenschaftlern hoch im Kurs.

Als ich zuhause ankomme, pulsiert mein Herz noch immer spürbar in meiner Brust. Ein leicht salziger Geschmack auf den Lippen. All das kann ich zwar fühlen, frage mich aber dennoch: Wie wirkt das Wundermittel Bewegung eigentlich genau?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

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Ich habe die Übung gemacht!

Mit zittrigen Knien sitze ich im Wartezimmer. »Frau Urner, bitte.« In meinem Kopf wummert der Schmerz; als ich mich erhebe, muss ich mich am Blumentopf neben mir festhalten. Ich bin müde und ausgelaugt, doch mein Körper scheint mir den Schlaf in letzter Zeit nicht zu gönnen.

7 Minuten später verlasse ich die Praxis mit einem Stück Papier, auf dem Medikamentennamen und das Wort »Ruhe« gekritzelt sind. Ich bin verwirrt und verzweifelt.

Schon lange wissen wir, dass Bewegung gesund ist – daran bestehen keine wissenschaftlichen Zweifel. Doch laut ärztlicher Empfehlung soll ich jetzt die Beine hochlegen, um wieder gesund zu werden? Und das, obwohl mittlerweile auch bekannt ist, dass

  1. regelmäßige Bewegung als Universalmittel sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflussen kann und
  2. schon sehr wenig Großes bewirken kann. Für Jung und Alt, für Gesunde und Schwerkranke.

Diese Erkenntnisse haben wir einem Wandel in der Wissenschaft zu verdanken. Lange Zeit galt: Die Wirkung von Bewegung zu untersuchen, ist Zeitverschwendung! Viel zu komplex! Jetzt zeigt eine Studie nach der anderen, dass Bewegung tatsächlich der wirksamste Weg ist, um Lebensqualität und -länge zu verbessern.

Bewegungsmangel ist global einer der wichtigsten Gründe für schlechte Gesundheit. Das proklamiert die Globaler Zustandsbericht der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten (englisch, 2011) Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren.

Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten. – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Wieso verschreibt mir der Arzt also noch immer Tabletten statt Bewegung? Und wie können wir das ändern? Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Gilt dabei auch: »Mit Risiken und Nebenwirkungen«? Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Packungsbeilage des Wundermittels »Bewegung«.

Bevor du die die einzelnen Abschnitte der Packungsbeilage lesen kannst, folgt jeweils eine kleine Übung: Die 1. lautet:

Quelle: Anthony Bond CC BY

Die Dosierung und Darreichungsform

»Bewegungsmangel zerstört die gute Verfassung eines jeden Menschen, während Bewegung und methodische Leibesübungen diese erhalten.« – Plato

Tatsächlich empfehlen Mediziner und Gelehrte bereits seit Jahrtausenden Kranken und Gesunden vor allem eins: Bewegung. Auch ohne die wissenschaftliche Basis war ihnen die scheinbar wundersame Wirkung von Bewegung bewusst. Mittlerweile müssen wir Diese Review-Studie beschreibt Bewegung als »Polypill« (englisch, 2013) nicht mehr an Wunder glauben: Die umfassende Wirkung ist nachgewiesen.

Während ich mit hängendem Kopf die Arztpraxis verlasse, mache ich mich auf den Heimweg. 25 Minuten Fußweg liegen vor mir und ich frage mich: Was genau zählt eigentlich als Bewegung? Zählt mein Spaziergang als körperliche Aktivität? Wo hört Bewegung auf und wann fängt Sport an?

Häufig werden »Bewegung« und »körperliche Aktivität«, so wie hier, synonym verwendet. So definiert im Bericht »Gesundheit in Deutschland« vom Bund, dem Robert-Koch-Institut und Destatis (2015) Technisch gesehen sind wir körperlich aktiv, wenn wir uns so bewegen, dass der Energieverbrauch den Grundumsatz Also die Energiemenge, die unser Körper bei Ruhe und mit leerem Magen zur Aufrechterhaltung der körperlichen Funktion verbraucht. Er hängt von Geschlecht, Größe, Alter und Konstitution ab. Die Organe, die den höchsten Grundumsatz haben, sind in dieser Reihenfolge Leber, Gehirn, Herz, Nieren und Skelettmuskeln. übersteigt – egal ob bei der Gartenarbeit, im Fitnessstudio oder auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Sport – oder sportliche Aktivität – ist eine Untergruppe von körperlicher Aktivität. Geprägt durch unsere Geschichte und Kultur geht es dabei vor allem um Spaß an der Bewegung, aber auch um Leistung und Wettkämpfe. Nicht jede Bewegung ist Sport, aber jeder Sport ist Bewegung – ausgenommen Denksportarten wie Schach. Beim Schach werden in etwa so viele Kalorien verbrannt wie bei anderen »leichten körperlichen Aktivitäten« wie zum Beispiel Büroarbeit.

»Essen allein erhält den Menschen nicht. Er muss sich auch körperlich betätigen.« – Hippocrates (»Vater der Medizin«)

Bestimmt fallen dir jetzt 1.001 Möglichkeiten ein, bei denen du ins Schwitzen kommst. Alle diese Aktivitäten lassen sich in genau 2 Kategorien einteilen: aerob und anaerob. Aerobe Aktivität ist das, was wir meist als Ausdauersport bezeichnen: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Wandern. Zu den anaeroben Aktivitäten gehören Krafttraining, aber auch Sprints und Intervalltraining mit Wiederholungen, die nicht länger als 2 Minuten dauern. Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem darin, wie die nötige Energie gewonnen wird und welche Muskeln diese bereitstellen. Alle Tätigkeiten sind immer aerob und anaerob; bei der Benennung geht es darum, welche Form der Energiegewinnung wichtiger ist: mit oder ohne Sauerstoff. Aerob bedeutet wörtlich »unter Einbezug von Sauerstoff oder Sauerstoff-benötigend« und bezieht sich auf die Nutzung von Sauerstoff, um den Energiebedarf während körperlicher Aktivitäten zu decken. Der amerikanische Sportmediziner Kenneth Cooper hat den Begriff in den 1960er-Jahren eingeführt und begann, die präventive Wirkung von Bewegung zu untersuchen. Er gilt als der Erfinder von Aerobic, des Bewegungstrainings, bei dem viele unweigerlich an knallige Leggins, Stirnbänder und wilde Frisuren denken.

Viele Menschen bewegen sich zu wenig Bei all diesen Statistiken ist natürlich Vorsicht geboten, was die Genauigkeit angeht. Viele Faktoren können die Ergebnisse, gerade zwischen verschiedenen Ländern und Altersgruppen, beeinflussen. Die Ergebnisse hier wurden daher für die wichtigsten Verzerrungen korrigiert. Dazu gehört der gut dokumentierte Effekt, dass Menschen häufig mehr Bewegung angeben, als tatsächlich der Fall ist. Außerdem wurden die Daten für Alter und Region (Stadt vs. Land) korrigiert. Darüber hinaus ist es vor allem in Ländern mit einem durchschnittlich geringeren Einkommen schwierig, Bewegung, Fortbewegung und Haushaltstätigkeiten auseinander zu halten. Wie kompliziert die Auswertungen sind, zeigt auch die reine Betrachtung des Begriffs: »Bewegung« (»physical activity«), dessen Bedeutung von Alter, Geschlecht und Herkunft des Befragten abhängt. – aber: Wie viel ist eigentlich »genug«? Die Hier geht es zu den aktuellen Empfehlungen der WHO (englisch, 2010) Empfehlung der WHO lautet: 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität, plus 2 Mal Kräftigungsübungen. Die 150 und 75 Minuten gelten für alle ab 18 Jahren. Für Kinder von 5–17 Jahren lautet die Empfehlung: 60 Minuten pro Tag plus 3 Mal Kräftigung der Muskulatur. Die Kräftigungsübungen sollten bei allen Altersgruppen die großen Muskelgruppen einbeziehen. Nicht pro Tag, sondern pro Woche! Aufgeteilt in Einheiten von mindestens 10 Minuten.

Und die Darreichungsform?

Die Bewegung kann entweder während der Arbeit, beim Transport oder in der Freizeit stattfinden. Heute schon Wäsche gewaschen oder das Bad geputzt? In der Mittagspause zum Bäcker gegangen – also nicht motorisiert? Am Abend mit einem Kind gekabbelt? All das zählt als Bewegung. Anstrengende Gartenarbeiten wie Harken und Graben gehen sogar als »starke körperliche Aktivität« durch.

Und für ganz Hartgesottene gilt die alte Weisheit »Kleinvieh macht auch Mist«. Wer mehr steht und weniger sitzt, verringert sein Risiko, an Krebs oder Diabetes zu erkranken und frühzeitig zu sterben. Mancherorts wird Sitzen auch als das neue Rauchen bezeichnet. Höhenverstellbare Schreibtische erleben aktuell einen Boom. Wer Studie zu den positiven Effekten von »mit den Füßen scharren« (englisch, 2016) öfter mal auf dem Bürostuhl hin und her wackelt, beschert sich dadurch einen messbaren, positiven Effekt auf die eigene Gesundheit.

Das letzte Wort zur Frage, wie viel Bewegung von welcher Art optimal ist, steht noch aus. Einige Wissenschaftler erforschen aktuell die bestmögliche Dosierung und untersuchen, ab welcher Dauer gesundheitsfördernde Wirkungen messbar sind. Die vorläufige Antwort lautet: Ab einer ziemlich kurzen Dauer!

Damit ist auch das häufigste Argument von Bewegungsmuffeln unwirksam: »Keine Zeit!« Hoch intensives Intervalltraining (also High-Intensity Interval Training, HIIT) ist der neueste Schrei: 10 Minuten sehr intensives Training haben den Martin Gibala beschreibt in dieser Review-Studie die Effekte von HIIT (englisch, 2013) gleichen Effekt auf unser Herz und unsere Blutzuckerwerte wie 50 Minuten moderates Training. Selbst noch kürzere Work-Outs von unter 1 Minute bewirken Erstaunliches in unserem Körper.

»Die effektivste Therapie, die meinen Patienten aktuell zur Verfügung steht, ist Bewegung.« – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Es muss also nicht immer gleich der 10-Stunden-Wochen-Trainingsplan, eine Mitgliedschaft im hippen Fitnessstudio der Stadt oder der nächste Ultramarathon sein.

Auch wer auf der Suche nach der maximalen Wirkung ist, findet mittlerweile erste Antworten. Gerade bei den präventiven Effekten durch Bewegung zeigen viele Studien einen linearen Zusammenhang. Sprich: Je mehr Bewegung, desto höher die positiven Wirkungen. Das bedeutet aber nicht: maximaler Effekt bei 24 Stunden Dauerbewegung. Jeder Sportler weiß: Die Regeneration ist die halbe Miete. Eine Hier geht es zur Meta-Studie, die die optimale »Dosierung« von Bewegung untersucht (englisch, 2015) Meta-Studie aus dem Jahr 2015 mit mehr als 650.000 Amerikanern legt nahe, dass bei 3–5facher Dauer der empfohlenen 150 Minuten pro Woche eine Schwelle erreicht ist. Was darüber hinaus geht, hat keine zusätzlichen Vorteile – schadet aber auch nicht. Natürlich ist auch hier irgendwo eine Grenze erreicht, denn Übertraining führt weder zu besserer sportlicher Leistung noch zu mehr Fitness und Gesundheit. Die maximale Dauer, die in der Meta-Studie untersucht wurde und keine Schäden verursachte, ging über das 10fache der minimalen Empfehlung der WHO hinaus.

Erste Schweißperlen auf meiner Stirn, meine Lunge hat sich geweitet, mein Herz pumpt schnell. Spontan habe ich ein paar Sprints auf dem Heimweg vom Arzt eingebaut. Der Wind bläst mir um den Kopf, als ich mit den Händen in den Hüften am Hafen zum Stehen komme.

Herzschlag, Stoffwechsel, Muskelaufbau – was kann das Wundermittel denn nun genau? Welche Leiden und Beschwerden können wir mit Bewegung tatsächlich vermeiden?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Quelle: Nina Stawski CC BY

Die Anwendungsgebiete

»Ruhe«, hatte der Arzt auf mein Rezept geschrieben, um meiner Erschöpfung und den Schlafstörungen beizukommen. Wie altmodisch.

»Bewegung galt [1950] nicht als Teil der medizinischen Versorgung. Nach einem Herzinfarkt lautete die Empfehlung, die nächsten 6 Wochen im Bett liegend zu verbringen.« – Kenneth Cooper (Sportmediziner und Erfinder des Aerobic)

Bewegung ist nicht nur für die Gesunden. In der Rehabilitation wird mittlerweile empfohlen: So früh und viel wie möglich bewegen – egal ob Hüft-OP, Diese Studie zeigt die positiven Auswirkungen von Bewegung nach traumatischen Hirnschäden (englisch, 2012) traumatischer Hirnschaden oder Diese Meta-Studie zeigt, dass Bewegungsprogramme nach einem Herzinfarkt förderlich sind (englisch, 2016) Herzinfarkt. Das gleiche gilt für zahlreiche Krankheiten wie Diabetes Typ 2 und Herzversagen, bei denen Patienten lange Zeit Schonung verordnet wurde Der Großteil der Bewegungs-Empfehlungen bezieht sich auf aerobe Tätigkeiten wie Laufen, Gehen und Radfahren; gerade im Bereich der Rehabilitation und bei älteren Menschen zeigen aber auch alternative körperliche Aktivitäten wie Tai Chi und einige Yogaformen beeindruckende Ergebnisse. – und andere Schwangere profitieren von Bewegung, indem sie z.B. weniger zunehmen und weniger depressiv sind (englisch, 2011) »Umstände« wie Schwangerschaften.

Die folgende Liste konzentriert sich auf erhaltende und präventive Effekte durch Bewegung – und ist natürlich nur ein Ausschnitt.

»Wenn ich sie dazu bekäme, das regelmäßig zu machen – und wenn es nur ein Spaziergang wäre, etwas, dass ihren Puls ein wenig hochtriebe – würden sich ihre chronischen Krankheiten dramatisch verbessern. Ganz zu schweigen von all den anderen Dingen, wie der Depression, Angstzuständen, Stimmung und Energie.« – Robert Sallis (Arzt, der seit mehr als 25 Jahren Bewegung verschreibt)

Während die eher klassischen »Fitnesseffekte« auf Herz, Muskeln und Knochen schon viel länger untersucht werden, steht der Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewegung erst seit einem guten Jahrzehnt bei Wissenschaftlern hoch im Kurs.

Als ich zuhause ankomme, pulsiert mein Herz noch immer spürbar in meiner Brust. Ein leicht salziger Geschmack auf den Lippen. All das kann ich zwar fühlen, frage mich aber dennoch: Wie wirkt das Wundermittel Bewegung eigentlich genau?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Quelle: Petr Kratochvil CC Mark

Die Wirkungsweise

Eines ist sicher: Bewegung setzt nicht nur einen Wirkstoff, Kurz-Übersicht zu den direkten Auswirkungen von Bewegung auf unseren Körper in der Huffington Post (englisch, 2013) sondern eine ganze Reihe von ihnen frei. Sind wir aktiv, steigern wir automatisch den Blutfluss zum Gehirn und stimulieren so das Wachstum neuer Blutgefäße und Hirnzellen.

Um den einzelnen Wirkstoffen auf die Spur zu kommen, entnehmen Forscher während und direkt nach körperlicher Aktivität Blutproben – und sind Ausdauersport führt z.B. zur Ausschüttung von bestimmten Proteinen und Aminosäuren (englisch, 2016) immer wieder beeindruckt, was sie darin alles finden. Auch der lebenserhaltenden Wirkung sind sie auf der Spur. Ähnlich wie die Zeitlupen-Funktion in Filmen verlangsamt Bewegung die Zellalterung im Körper. Bereits nach 45 Minuten Radfahren schwimmen in unserem Blut mehr Moleküle, die dabei helfen. Das betrifft z.B. Moleküle, die die Länge der sogenannten Telomere beeinflussen. Telomere sind die Enden der Chromosomen, also der Strukturen, die unsere Erbinformation tragen. Im Alter verkürzen sich die Telomere. Schon nach 45 Minuten Radfahren finden sich im Blut mehr Moleküle, die die Telomere schützen und so den Alterungsprozess verlangsamen.

»Es gibt 33 chronische Krankheiten, die durch die Medizin der Bewegung beeinflusst werden. Mobilität als Medizin verändert uns bis hin zu unseren Stammzellen.« – Vonda Wright (Chirurgin, Wissenschaftlerin und Autorin)

Aktuell planen die amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) In diesem Artikel der TIME wird die geplante Studie der NIH beschrieben (englisch, 2016) eine gewaltige Studie: 6 Jahre Forschungsdauer, 170 Millionen US-Dollar, 3.000 Menschen von jung bis alt, die verschiedene Sportprogramme absolvieren, plus Kontrollgruppen und Untersuchungen mit Tieren. Um invasive Messungen vornehmen zu können. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie bestimmte körperliche Aktivitäten in unserem Körper im Detail wirken. So soll Ärzten die notwendige Grundlage verschafft werden, um uns konkrete Bewegungsprogramme inklusive Dosierung zu verschreiben.

Die letzte Übung:

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Ich habe die Übung gemacht!

Mit zittrigen Knien sitze ich im Wartezimmer. »Frau Urner, bitte.« In meinem Kopf wummert der Schmerz; als ich mich erhebe, muss ich mich am Blumentopf neben mir festhalten. Ich bin müde und ausgelaugt, doch mein Körper scheint mir den Schlaf in letzter Zeit nicht zu gönnen.

7 Minuten später verlasse ich die Praxis mit einem Stück Papier, auf dem Medikamentennamen und das Wort »Ruhe« gekritzelt sind. Ich bin verwirrt und verzweifelt.

Schon lange wissen wir, dass Bewegung gesund ist – daran bestehen keine wissenschaftlichen Zweifel. Doch laut ärztlicher Empfehlung soll ich jetzt die Beine hochlegen, um wieder gesund zu werden? Und das, obwohl mittlerweile auch bekannt ist, dass

  1. regelmäßige Bewegung als Universalmittel sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflussen kann und
  2. schon sehr wenig Großes bewirken kann. Für Jung und Alt, für Gesunde und Schwerkranke.

Diese Erkenntnisse haben wir einem Wandel in der Wissenschaft zu verdanken. Lange Zeit galt: Die Wirkung von Bewegung zu untersuchen, ist Zeitverschwendung! Viel zu komplex! Jetzt zeigt eine Studie nach der anderen, dass Bewegung tatsächlich der wirksamste Weg ist, um Lebensqualität und -länge zu verbessern.

Bewegungsmangel ist global einer der wichtigsten Gründe für schlechte Gesundheit. Das proklamiert die Globaler Zustandsbericht der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten (englisch, 2011) Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahren.

Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten. – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Wieso verschreibt mir der Arzt also noch immer Tabletten statt Bewegung? Und wie können wir das ändern? Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Gilt dabei auch: »Mit Risiken und Nebenwirkungen«? Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Packungsbeilage des Wundermittels »Bewegung«.

Bevor du die die einzelnen Abschnitte der Packungsbeilage lesen kannst, folgt jeweils eine kleine Übung: Die 1. lautet:

Quelle: Anthony Bond CC BY

Die Dosierung und Darreichungsform

»Bewegungsmangel zerstört die gute Verfassung eines jeden Menschen, während Bewegung und methodische Leibesübungen diese erhalten.« – Plato

Tatsächlich empfehlen Mediziner und Gelehrte bereits seit Jahrtausenden Kranken und Gesunden vor allem eins: Bewegung. Auch ohne die wissenschaftliche Basis war ihnen die scheinbar wundersame Wirkung von Bewegung bewusst. Mittlerweile müssen wir Diese Review-Studie beschreibt Bewegung als »Polypill« (englisch, 2013) nicht mehr an Wunder glauben: Die umfassende Wirkung ist nachgewiesen.

Während ich mit hängendem Kopf die Arztpraxis verlasse, mache ich mich auf den Heimweg. 25 Minuten Fußweg liegen vor mir und ich frage mich: Was genau zählt eigentlich als Bewegung? Zählt mein Spaziergang als körperliche Aktivität? Wo hört Bewegung auf und wann fängt Sport an?

Häufig werden »Bewegung« und »körperliche Aktivität«, so wie hier, synonym verwendet. So definiert im Bericht »Gesundheit in Deutschland« vom Bund, dem Robert-Koch-Institut und Destatis (2015) Technisch gesehen sind wir körperlich aktiv, wenn wir uns so bewegen, dass der Energieverbrauch den Grundumsatz Also die Energiemenge, die unser Körper bei Ruhe und mit leerem Magen zur Aufrechterhaltung der körperlichen Funktion verbraucht. Er hängt von Geschlecht, Größe, Alter und Konstitution ab. Die Organe, die den höchsten Grundumsatz haben, sind in dieser Reihenfolge Leber, Gehirn, Herz, Nieren und Skelettmuskeln. übersteigt – egal ob bei der Gartenarbeit, im Fitnessstudio oder auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Sport – oder sportliche Aktivität – ist eine Untergruppe von körperlicher Aktivität. Geprägt durch unsere Geschichte und Kultur geht es dabei vor allem um Spaß an der Bewegung, aber auch um Leistung und Wettkämpfe. Nicht jede Bewegung ist Sport, aber jeder Sport ist Bewegung – ausgenommen Denksportarten wie Schach. Beim Schach werden in etwa so viele Kalorien verbrannt wie bei anderen »leichten körperlichen Aktivitäten« wie zum Beispiel Büroarbeit.

»Essen allein erhält den Menschen nicht. Er muss sich auch körperlich betätigen.« – Hippocrates (»Vater der Medizin«)

Bestimmt fallen dir jetzt 1.001 Möglichkeiten ein, bei denen du ins Schwitzen kommst. Alle diese Aktivitäten lassen sich in genau 2 Kategorien einteilen: aerob und anaerob. Aerobe Aktivität ist das, was wir meist als Ausdauersport bezeichnen: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Wandern. Zu den anaeroben Aktivitäten gehören Krafttraining, aber auch Sprints und Intervalltraining mit Wiederholungen, die nicht länger als 2 Minuten dauern. Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem darin, wie die nötige Energie gewonnen wird und welche Muskeln diese bereitstellen. Alle Tätigkeiten sind immer aerob und anaerob; bei der Benennung geht es darum, welche Form der Energiegewinnung wichtiger ist: mit oder ohne Sauerstoff. Aerob bedeutet wörtlich »unter Einbezug von Sauerstoff oder Sauerstoff-benötigend« und bezieht sich auf die Nutzung von Sauerstoff, um den Energiebedarf während körperlicher Aktivitäten zu decken. Der amerikanische Sportmediziner Kenneth Cooper hat den Begriff in den 1960er-Jahren eingeführt und begann, die präventive Wirkung von Bewegung zu untersuchen. Er gilt als der Erfinder von Aerobic, des Bewegungstrainings, bei dem viele unweigerlich an knallige Leggins, Stirnbänder und wilde Frisuren denken.

Viele Menschen bewegen sich zu wenig Bei all diesen Statistiken ist natürlich Vorsicht geboten, was die Genauigkeit angeht. Viele Faktoren können die Ergebnisse, gerade zwischen verschiedenen Ländern und Altersgruppen, beeinflussen. Die Ergebnisse hier wurden daher für die wichtigsten Verzerrungen korrigiert. Dazu gehört der gut dokumentierte Effekt, dass Menschen häufig mehr Bewegung angeben, als tatsächlich der Fall ist. Außerdem wurden die Daten für Alter und Region (Stadt vs. Land) korrigiert. Darüber hinaus ist es vor allem in Ländern mit einem durchschnittlich geringeren Einkommen schwierig, Bewegung, Fortbewegung und Haushaltstätigkeiten auseinander zu halten. Wie kompliziert die Auswertungen sind, zeigt auch die reine Betrachtung des Begriffs: »Bewegung« (»physical activity«), dessen Bedeutung von Alter, Geschlecht und Herkunft des Befragten abhängt. – aber: Wie viel ist eigentlich »genug«? Die Hier geht es zu den aktuellen Empfehlungen der WHO (englisch, 2010) Empfehlung der WHO lautet: 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität, plus 2 Mal Kräftigungsübungen. Die 150 und 75 Minuten gelten für alle ab 18 Jahren. Für Kinder von 5–17 Jahren lautet die Empfehlung: 60 Minuten pro Tag plus 3 Mal Kräftigung der Muskulatur. Die Kräftigungsübungen sollten bei allen Altersgruppen die großen Muskelgruppen einbeziehen. Nicht pro Tag, sondern pro Woche! Aufgeteilt in Einheiten von mindestens 10 Minuten.

Und die Darreichungsform?

Die Bewegung kann entweder während der Arbeit, beim Transport oder in der Freizeit stattfinden. Heute schon Wäsche gewaschen oder das Bad geputzt? In der Mittagspause zum Bäcker gegangen – also nicht motorisiert? Am Abend mit einem Kind gekabbelt? All das zählt als Bewegung. Anstrengende Gartenarbeiten wie Harken und Graben gehen sogar als »starke körperliche Aktivität« durch.

Und für ganz Hartgesottene gilt die alte Weisheit »Kleinvieh macht auch Mist«. Wer mehr steht und weniger sitzt, verringert sein Risiko, an Krebs oder Diabetes zu erkranken und frühzeitig zu sterben. Mancherorts wird Sitzen auch als das neue Rauchen bezeichnet. Höhenverstellbare Schreibtische erleben aktuell einen Boom. Wer Studie zu den positiven Effekten von »mit den Füßen scharren« (englisch, 2016) öfter mal auf dem Bürostuhl hin und her wackelt, beschert sich dadurch einen messbaren, positiven Effekt auf die eigene Gesundheit.

Das letzte Wort zur Frage, wie viel Bewegung von welcher Art optimal ist, steht noch aus. Einige Wissenschaftler erforschen aktuell die bestmögliche Dosierung und untersuchen, ab welcher Dauer gesundheitsfördernde Wirkungen messbar sind. Die vorläufige Antwort lautet: Ab einer ziemlich kurzen Dauer!

Damit ist auch das häufigste Argument von Bewegungsmuffeln unwirksam: »Keine Zeit!« Hoch intensives Intervalltraining (also High-Intensity Interval Training, HIIT) ist der neueste Schrei: 10 Minuten sehr intensives Training haben den Martin Gibala beschreibt in dieser Review-Studie die Effekte von HIIT (englisch, 2013) gleichen Effekt auf unser Herz und unsere Blutzuckerwerte wie 50 Minuten moderates Training. Selbst noch kürzere Work-Outs von unter 1 Minute bewirken Erstaunliches in unserem Körper.

»Die effektivste Therapie, die meinen Patienten aktuell zur Verfügung steht, ist Bewegung.« – Mark Tarnopolsky (Neurowissenschaftler)

Es muss also nicht immer gleich der 10-Stunden-Wochen-Trainingsplan, eine Mitgliedschaft im hippen Fitnessstudio der Stadt oder der nächste Ultramarathon sein.

Auch wer auf der Suche nach der maximalen Wirkung ist, findet mittlerweile erste Antworten. Gerade bei den präventiven Effekten durch Bewegung zeigen viele Studien einen linearen Zusammenhang. Sprich: Je mehr Bewegung, desto höher die positiven Wirkungen. Das bedeutet aber nicht: maximaler Effekt bei 24 Stunden Dauerbewegung. Jeder Sportler weiß: Die Regeneration ist die halbe Miete. Eine Hier geht es zur Meta-Studie, die die optimale »Dosierung« von Bewegung untersucht (englisch, 2015) Meta-Studie aus dem Jahr 2015 mit mehr als 650.000 Amerikanern legt nahe, dass bei 3–5facher Dauer der empfohlenen 150 Minuten pro Woche eine Schwelle erreicht ist. Was darüber hinaus geht, hat keine zusätzlichen Vorteile – schadet aber auch nicht. Natürlich ist auch hier irgendwo eine Grenze erreicht, denn Übertraining führt weder zu besserer sportlicher Leistung noch zu mehr Fitness und Gesundheit. Die maximale Dauer, die in der Meta-Studie untersucht wurde und keine Schäden verursachte, ging über das 10fache der minimalen Empfehlung der WHO hinaus.

Erste Schweißperlen auf meiner Stirn, meine Lunge hat sich geweitet, mein Herz pumpt schnell. Spontan habe ich ein paar Sprints auf dem Heimweg vom Arzt eingebaut. Der Wind bläst mir um den Kopf, als ich mit den Händen in den Hüften am Hafen zum Stehen komme.

Herzschlag, Stoffwechsel, Muskelaufbau – was kann das Wundermittel denn nun genau? Welche Leiden und Beschwerden können wir mit Bewegung tatsächlich vermeiden?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Quelle: Nina Stawski CC BY

Die Anwendungsgebiete

»Ruhe«, hatte der Arzt auf mein Rezept geschrieben, um meiner Erschöpfung und den Schlafstörungen beizukommen. Wie altmodisch.

»Bewegung galt [1950] nicht als Teil der medizinischen Versorgung. Nach einem Herzinfarkt lautete die Empfehlung, die nächsten 6 Wochen im Bett liegend zu verbringen.« – Kenneth Cooper (Sportmediziner und Erfinder des Aerobic)

Bewegung ist nicht nur für die Gesunden. In der Rehabilitation wird mittlerweile empfohlen: So früh und viel wie möglich bewegen – egal ob Hüft-OP, Diese Studie zeigt die positiven Auswirkungen von Bewegung nach traumatischen Hirnschäden (englisch, 2012) traumatischer Hirnschaden oder Diese Meta-Studie zeigt, dass Bewegungsprogramme nach einem Herzinfarkt förderlich sind (englisch, 2016) Herzinfarkt. Das gleiche gilt für zahlreiche Krankheiten wie Diabetes Typ 2 und Herzversagen, bei denen Patienten lange Zeit Schonung verordnet wurde Der Großteil der Bewegungs-Empfehlungen bezieht sich auf aerobe Tätigkeiten wie Laufen, Gehen und Radfahren; gerade im Bereich der Rehabilitation und bei älteren Menschen zeigen aber auch alternative körperliche Aktivitäten wie Tai Chi und einige Yogaformen beeindruckende Ergebnisse. – und andere Schwangere profitieren von Bewegung, indem sie z.B. weniger zunehmen und weniger depressiv sind (englisch, 2011) »Umstände« wie Schwangerschaften.

Die folgende Liste konzentriert sich auf erhaltende und präventive Effekte durch Bewegung – und ist natürlich nur ein Ausschnitt.

»Wenn ich sie dazu bekäme, das regelmäßig zu machen – und wenn es nur ein Spaziergang wäre, etwas, dass ihren Puls ein wenig hochtriebe – würden sich ihre chronischen Krankheiten dramatisch verbessern. Ganz zu schweigen von all den anderen Dingen, wie der Depression, Angstzuständen, Stimmung und Energie.« – Robert Sallis (Arzt, der seit mehr als 25 Jahren Bewegung verschreibt)

Während die eher klassischen »Fitnesseffekte« auf Herz, Muskeln und Knochen schon viel länger untersucht werden, steht der Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewegung erst seit einem guten Jahrzehnt bei Wissenschaftlern hoch im Kurs.

Als ich zuhause ankomme, pulsiert mein Herz noch immer spürbar in meiner Brust. Ein leicht salziger Geschmack auf den Lippen. All das kann ich zwar fühlen, frage mich aber dennoch: Wie wirkt das Wundermittel Bewegung eigentlich genau?

Bevor es weitergeht, hier die nächste Übung:

Quelle: Petr Kratochvil CC Mark

Die Wirkungsweise

Eines ist sicher: Bewegung setzt nicht nur einen Wirkstoff, Kurz-Übersicht zu den direkten Auswirkungen von Bewegung auf unseren Körper in der Huffington Post (englisch, 2013) sondern eine ganze Reihe von ihnen frei. Sind wir aktiv, steigern wir automatisch den Blutfluss zum Gehirn und stimulieren so das Wachstum neuer Blutgefäße und Hirnzellen.

Um den einzelnen Wirkstoffen auf die Spur zu kommen, entnehmen Forscher während und direkt nach körperlicher Aktivität Blutproben – und sind Ausdauersport führt z.B. zur Ausschüttung von bestimmten Proteinen und Aminosäuren (englisch, 2016) immer wieder beeindruckt, was sie alles darin finden. Auch der lebenserhaltenden Wirkung sind sie auf der Spur. Ähnlich wie die Zeitlupen-Funktion in Filmen verlangsamt Bewegung die Zellalterung im Körper. Bereits nach 45 Minuten Radfahren schwimmen in unserem Blut mehr Moleküle, die dabei helfen. Das betrifft z.B. Moleküle, die die Länge der sogenannten Telomere beeinflussen. Telomere sind die Enden der Chromosomen, also der Strukturen, die unsere Erbinformation tragen. Im Alter verkürzen sich die Telomere. Schon nach 45 Minuten Radfahren finden sich im Blut mehr Moleküle, die die Telomere schützen und so den Alterungsprozess verlangsamen.

»Es gibt 33 chronische Krankheiten, die durch die Medizin der Bewegung beeinflusst werden. Mobilität als Medizin verändert uns bis hin zu unseren Stammzellen.« – Vonda Wright (Chirurgin, Wissenschaftlerin und Autorin)

Aktuell planen die amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) In diesem Artikel der TIME wird die geplante Studie der NIH beschrieben (englisch, 2016) eine gewaltige Studie: 6 Jahre Forschungsdauer, 170 Millionen US-Dollar, 3.000 Menschen von jung bis alt, die verschiedene Sportprogramme absolvieren, plus Kontrollgruppen und Untersuchungen mit Tieren. Um invasive Messungen vornehmen zu können. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie bestimmte körperliche Aktivitäten in unserem Körper im Detail wirken. So soll Ärzten die notwendige Grundlage verschafft werden, um uns konkrete Bewegungsprogramme inklusive Dosierung zu verschreiben.

Die letzte Übung:

Quelle: Susan CC BY

Das Zulassungsverfahren

Ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Menschen eine Art der Bewegung gibt, die gleichzeitig Spaß macht und die positive gesundheitliche Auswirkungen mit sich bringt. An dieser Stelle »oute« ich mich kurz: Ich bin Lauf-Junkie und Ausdauersportlerin. Seitdem ich vor 15 Jahren meinen ersten 10-Kilomenter-Lauf bestritten habe, bin ich »infiziert«. »Ein Spaziergang in der Mittagspause, Treppen statt Fahrstuhl. Du brauchst keine Spezialkleidung, keine Spezialschuhe, keinen bestimmten Ort, um dich zu bewegen, um Bewegung Teil deines Alltags werden zu lassen.« – Beth Prairie (Gynäkologin) Das einzige Paradox, mit dem wir als Menschen zu kämpfen haben: Einerseits sind unsere Körper für Bewegung konzipiert, andererseits versuchen sie, möglichst viel Energie zu sparen – für härtere Zeiten. Nur: Diese härteren Zeiten treten im Alltag des 21. Jahrhunderts immer seltener ein. Wir sind also darauf »programmiert«, den einfachen, bequemen Weg des geringsten Widerstands zu nehmen. Am Fahrstuhl Schlange stehen, statt die Treppen zu nehmen, ins Auto, statt aufs Fahrrad zu steigen. Auch wenn die Bewegung in vielen Fällen am Ende mehr Freude bereitet, kostet es zunächst mehr Kraft, die anfängliche Trägheit zu überwinden und im wahrsten Sinne des Wortes den ersten Schritt zu machen. Unsere Gewohnheiten stehen uns dabei gern im Weg. Die gute Nachricht: Die können wir ändern. Über die »Macht der Gewohnheiten« und Methoden, Mein Artikel zur Frage, wie wir schlechte Gewohnheiten brechen können wie wir die schlechten brechen können, habe ich bereits geschrieben.

Rahmenbedingungen können dabei helfen. Vor allem solche, die direkte Verbindungen zwischen Bewegung und unserer Gesundheit demonstrieren. Generell sind wir schlecht darin, langfristig zu denken und langfristige Vorteile und Risiken unserer Alltagsentscheidungen abzuschätzen. Vage Aussagen und Versprechen wie »Ein bisschen mehr Bewegung würde nicht schaden« oder »Bewegung ist gut fürs Herz« helfen da weniger. Schließlich bekommen wir die Tablettenschachtel ja auch nicht mit den Worten »Nimm davon mal welche« überreicht.

Dabei ist wichtig, zu wissen, dass wir uns über Belohnungen motivieren lassen: Medikamente sind meist an ein konkretes Versprechen der Besserung gekoppelt. »Wenn ich das Wort »Bewegung« nutze, werden die Augen meiner »Patienten« glasig. Sie wollen einen schnelleren Fix.« – Vonda Wright (Chirurgin, Wissenschaftlerin und Autorin) Dieses Versprechen allein Hier habe ich über die faszinierende Welt der Placebo-Effekte geschrieben aktiviert Placebo-Effekte, die die Wirkung erhöhen und teilweise sogar erst ermöglichen. Die Wirkungen körperlicher Aktivität müssen genauso messbar und unmittelbar vom medizinischen Personal beschrieben werden. Sei es das gute Gefühl nach dem Radfahren oder die unmittelbar messbaren Veränderungen körperlicher Funktionen wie der niedrigere Blutdruck. Dann kann unser Belohnungssystem – getrieben durch unsere intrinsische Motivation, ein bestimmtes Ziel zu erreichen – in Gang gesetzt werden.

Mit anderen Worten: Es ist an der Zeit, »Bewegung auf Rezept« einzuführen! Und zwar inklusive individualisierter Darreichungsform und Dosierung. An einigen Orten und Stellen wird mit dieser Idee bereits fleißig experimentiert:

  1. Neuseeland: »Green Prescription«

    Die »Grüne Verordnung« ist Der »Green Prescription«-Prozess als Erklär-Poster (englisch) mehr als eine Empfehlung oder ein Rezept. Sie richtet sich an Menschen, die sich zu wenig bewegen und bereit sind, dies zu ändern. Der Hausarzt stellt dem Patienten eine »Green Prescription« aus und vermittelt ihn so an einen »Unterstützer«. Dieser telefoniert oder trifft sich monatlich mit dem Patienten, um einen konkreten Bewegungsplan zu erarbeiten und zu verfolgen. Er motiviert, informiert und ermutigt. Nach 3–6 Monaten werden die Ergebnisse zum Hausarzt zurückgespielt und abgewogen, ob die »Green Prescription« erfolgreich war. Wenn nein, kann eine weitere Verordnung ausgehändigt werden. Wenn ja, kann der Patient selbst zum »Unterstützer« werden und dem nächsten Patienten unter die Arme greifen.

    Das System funktioniert: Übersicht der wichtigsten Studien zur Wirksamkeit der Green Prescription (englisch, 2003–2016) Mehrere wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die »Grüne Verordnung« in Neuseeland eine kostengünstige Methode ist, um die Lebensqualität und Gesundheit langfristig Auch nach 2–3 Jahren sind die Erfolge noch messbar. zu verbessern. Gruppenaktivitäten und die Beratungsgespräche, egal ob telefonisch, per E-Mail oder persönlich, scheinen erfolgreicher als betreute Fitness-Kurse. Das Neuseeländische Gesundheitsministerium, das hinter der Initiative steht, nutzt die wissenschaftlichen Ergebnisse, um die Erfolgsquote weiter zu erhöhen.

  2. Amerika und Europa: »Exercise is Medicine«

    Die Initiative »Bewegung ist Medizin« will körperliche Aktivität als Standardmaßnahme im Gesundheitswesen institutionalisieren und so körperliche Aktivität fördern. Um die nötigen Strukturen aufzubauen, müssen Übersicht der »Exercise is Medicine«-Initiative inklusive Daten (englisch) Gesundheitssystem, Gesellschaft (»Community«) und Technologie aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist es, dass kein Patient die Arztpraxis ohne die Bewertung seiner körperlichen Aktivitäten verlässt und – wenn nötig – ein Rezept für bestimmte Bewegungsübungen und eine Überweisung für weitere Beratung in den Händen hält. Lokale Einrichtungen und Netzwerke helfen bei der Umsetzung – ähnlich wie in Neuseeland. Um die Ergebnisse zu bewerten, kommt die Technologie zum Einsatz: Computerprogramme und Analysetools helfen dabei.

    Wichtig ist den Menschen hinter »Exercise is Medicine«, dass die Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen und langfristig zu einer gesunderen Gesellschaft führen. Daher schauen sie ganz genau, welche Maßnahmen langfristig erfolgreich sind, und Studie, die Erkenntnisse und den Stand der Initiative »Exercise is Medicine« beschreibt (englisch, 2014) nutzen auch die Erkenntnisse aus Neuseeland. Regionale Unterschiede spielen dabei eine wichtige Rolle, denn mittlerweile ist die Initiative ein globales Netzwerk mit Stationen auf allen 7 Kontinenten. Sitz der Website der »European Initiative for Exercise is Medicince« mit Sitz in Ulm (englisch) Europäischen Initiative ist in Ulm.

  3. Deutschland: »Rezept für Bewegung«

    In 12 Bundesländern Es fehlen das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. der Republik können Ärzte ein Das »Rezept für Bewegung« haben der DOSB, die Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin gemeinsam entwickelt »Rezept für Bewegung« ausstellen. Es sieht aus wie eine ärztliche Verordnung, kann aber nicht abgerechnet werden. Viele Krankenkassen haben das Siegel als qualifizierte Maßnahme zur Primärprävention anerkannt. In diesen Fällen haben die Versicherten die Möglichkeit, sich einen Teil der Kurskosten erstatten zu lassen. Angebote von »Sport pro Gesundheit« sind von einigen Kassen auch in ihre Bonusprogramme aufgenommen worden. Auf dem Rezept gibt der Arzt eine allgemeine Bewegungsberatung und empfiehlt die Teilnahme an bestimmten Kursen. Eine Maßnahme, die laut der Ergebnisse aus Neuseeland nicht so ergiebig ist wie eine direkte persönliche Betreuung. Zur Auswahl stehen ca. 20.000 Kurse, die mit dem Qualitätssiegel »Sport pro Gesundheit« vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgezeichnet sind.

    Obwohl das Rezept in einigen Bundesländern bereits seit 10 Jahren verschrieben werden kann, gibt es keine Evaluationen zur Wirksamkeit. Der DOSB konnte mir lediglich kleinere Auswertungen aus 5 Bundesländern Aus Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Berlin. weiterleiten. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Das »Rezept für Bewegung« genießt unter Ärzten keine große Bekanntheit In NRW kannten 2013 beispielsweise nur 26% der 93 befragten Ärzte das »Rezept für Bewegung« und 16% verordneten so Bewegung im Sportverein. Die Daten aus Berlin wurden nicht veröffentlicht. Die Wirksamkeit für die Gesundheit wurde noch nicht untersucht. Lediglich in Hessen wurde eine Umfrage mit 56 Patienten durchgeführt. Gut die Hälfte der Befragten gab an, nun mehr Sport zu treiben und den eigenen Alltag aktiver zu gestalten. Der zeitliche Rahmen geht aus den Daten jedoch nicht hervor. Bleibt zu hoffen, dass das im Juli 2015 verabschiedete Website zum am 18.06.2105 verabschiedeten Präventionsgesetz Präventionsgesetz das Thema stärker fokussieren wird.

Ich freue mich auf den Tag, an dem ich das Behandlungszimmer nicht nur mit einem Stück Papier verlasse, auf dem Medikamentennamen und die Empfehlung für eine paar Sportkurse gekritzelt sind. Ungefähr so: »Frau Urner, Sie arbeiten zu viel. [Folgende Informationen sind aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht ausgegraut.] Ich verschreibe Ihnen 2 Mal täglich 20 Minuten Radfahren, 5 wöchentliche Laufeinheiten von mindestens 40 Minuten und 2 Mal pro Woche die Kraftübungen, die Sie in diesem YouTube-Kanal [Link ausgegraut] anschauen können. In 4 Wochen sehen wir uns wieder und werten den Erfolg aus.«

Das Wundermittel »Bewegung« ist dann das Normalste der Welt geworden.

PS: Liebe Leser, ihr braucht euch übrigens keine Sorgen um mich zu machen. Meine Arzt-Geschichte ist frei erfunden.

Titelbild: Bryancalabro - CC BY-SA

 

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