Klar atmen, klar denken? Wie deine Atmung dein Denken beeinflusst

Glaubt man den Versprechungen von Yogis, Meditationsgurus und Atemtherapeut:innen, dann scheint richtiges Atmen der Schlüssel zu einem guten Leben zu sein. Was sagt die Wissenschaft dazu?

17. Februar 2020  9 Minuten

Einatmen.

Ausatmen.

Das ist das Erste, was wir machen, wenn wir auf die Welt kommen. Doch im Alltag nehmen wir unsere Atmung kaum noch wahr. Immerhin funktioniert sie vollkommen automatisch. Zum Glück! Denn sie ist enorm wichtig für unseren Körper: Atmen bringt Sauerstoff ins Blut – täglich etwa 500–2.000 Liter bei einem Erwachsenen. Wer aber falsch, zu flach oder verkrampft atmet, reduziert diese Menge deutlich.

Kein Wunder, dass sich mittlerweile Gesundheitsratgeber häufen, die das Thema Atmen neu entdecken. Sie versprechen Hilfe bei zahlreichen Krankheiten wie Asthma oder Diabetes, weniger Alltagsstress und bessere Konzentration. Was ist da dran? Und wie kannst du dir die positiven Aspekte des Atmens zunutze machen – ganz ohne teuren Ratgeber oder Atemkurs?

»Und je freier man atmet, je mehr lebt man.« – Theodor Fontane

Wie wir verlernten, gut zu atmen

Halte an dieser Stelle beim Lesen kurz inne und überlege einen Moment: Wie atmest du gerade? Bewegt sich dein Bauch beim Atmen oder nur dein Brustkorb, sitzt du aufrecht oder gebeugt? Eine aufrechte Haltung ist sehr wichtig, um frei atmen zu können – nur dann kannst du deine Lungenkapazität ausschöpfen. Dann nimm einen tiefen Atemzug, tief in den Bauch hinein. Merkst du etwas?

Atmen ist eng mit unserem Gehirn, unserem Denken und Bewusstsein verknüpft. Das kann jede:r beim Durchatmen spüren. Denn tiefes Atmen beruhigt – nicht umsonst gibt es das Sprichwort »Erst mal tief durchatmen!« für Situationen, in denen Menschen aufgeregt sind, ob aus Wut, Stress, Frustration oder Schmerz. Konzentrierst du dich auf tiefes Atmen, fällt es dir leichter, klar zu denken und Abstand zu dem zu gewinnen, was dich gerade beschäftigt.

Kinder machen dies übrigens noch ganz automatisch. Sie atmen tief über den Bauchraum, weswegen sich dieser bei Babys sichtbar hebt und senkt. Doch im Laufe des Erwachsenwerdens verlernen wir diese ganz natürliche, beruhigende Atmung. Das ständige Sitzen in Büros und das Arbeiten an Laptops mit gerundetem Rücken lassen kaum tiefe Atemzüge zu. Und je mehr sich der Alltagsstress auf Körper und Geist niederschlägt, desto

Titelbild: unsplash/ Xevi Casanovas - CC0

von Anne Lang 

Anne fragt sich: Wie können wir in Zukunft leben, ohne dabei unserem Planeten zu schaden? Und wie kann uns die Wissenschaft dabei helfen? Ihr Studium der Kognitionswissenschaften ermöglicht ihr, Chancen und Grenzen der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zu verstehen. Von Anfang August bis Ende Oktober 2019 unterstützt sie PD als Praktikantin.

Themen:  Psychologie   Gesundheit  

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