Wie dieser Mann die Psychologie dazu nutzte, dir buchstäblich alles zu verkaufen

Edward Bernays war der Neffe von Sigmund Freud und gilt als »Vater der Public Relations«. Seine Propaganda beeinflusst bis heute, was wir denken, wen wir wählen und was wir kaufen.

19. Februar 2020  11 Minuten

Es ist das Jahr 1929 in New York City, als sich die American Tobacco Company mit einem scheinbar unlösbaren Problem an einen jungen Mann namens Edward Bernays wendet. Sein Auftrag: in kürzester Zeit Millionen von Amerikanerinnen dazu zu bringen, mit dem Rauchen anzufangen.

Alle Bemühungen des mächtigen Tabakkonzerns, das gesellschaftliche Tabu rauchender Frauen durch Werbung abzubauen und sich so einen riesigen neuen Absatzmarkt zu erschließen, hatten nicht zum Erfolg geführt. Daher schlägt der junge Berater eine äußerst ungewöhnliche Strategie vor: Er konsultiert einen Mann, der sich in einem neuen Berufsfeld betätigt, das sein Onkel, Sigmund Freud, erst wenige Jahre zuvor entwickelt hatte – der Psychoanalytik. In diesem Clip erklärt Bernays selbst, wie er Frauen zum Rauchen gebracht hat (englisch) So will er erfahren, was Rauchen für Frauen bedeutet.

Mithilfe der so gewonnenen Erkenntnisse gelingt Bernays im April 1929 schließlich der große Coup. Er rekrutiert einige junge Frauen und trägt ihnen auf, bei der großen Osterparade öffentlichkeitswirksam »Fackeln der Freiheit« zu entzünden – die nichts anderes sind als Zigaretten. Die eigens dafür informierte Presse, die er vorab über eine Protestaktion am Ostersonntag gegen die Unterdrückung der Frau informiert hatte, stürzt sich auf diese Sensation.

Die Bilder der rauchenden Frauen gehen um die Welt, und der junge Werbeberater namens Edward Bernays, der später einmal als »Vater der Public Relations« bezeichnet werden wird, hat endgültig seinen Durchbruch geschafft.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Psychologie   Konsum   Gesellschaft  

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