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Corona in Deutschland: So viel Vorsicht ist angebracht

Wer Meldungen zu Corona liest, hat die Wahl zwischen Weltuntergang und gesunder Vorsicht. Was ist wirklich angemessen?

3. März 2020  5 Minuten

Als chinesische Behörden am 31. Dezember 2019 erstmals über eine mysteriöse Lungenkrankheit berichteten, schien das Virus, das heute SARS-CoV-2 Der Fachausdruck für das neue Coronavirus lautet seit dem 11. Februar SARS-CoV-2. Das Akronym SARS steht dabei für »Schweres Akutes Atemwegssyndrom«. Der Name weist auf die enge Verwandtschaft zum SARS-Virus hin, das 2002/2003 eine Epidemie ausgelöst hatte. Die Lungenkrankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann, wird Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) genannt. heißt, noch sehr weit weg. In den letzten Tagen änderte sich das jedoch rasant: Mittlerweile nimmt die Zahl der Fälle in Deutschland jeden Tag weiter zu – und mit ihnen auch die Berichterstattung über das Virus.

Doch welche Nachrichten sind wirklich verlässlich? Wenn du Nachrichten über SARS-CoV-2 liest, solltest du Folgendes im Hinterkopf behalten:

1. Vieles, was wir über SARS-CoV-2 wissen, ist vorläufig

»Corona ist tödlicher als die Grippe«, schrieben verschiedene Medien in der letzten Woche – Vertreter:innen des Robert-Koch-Instituts (RKI) Das Robert-Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung sowie -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung. Die Kernaufgaben des RKI sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere von Infektionskrankheiten. sagten auf einer Hier kommst du zur Pressekonferenz vom RKI am 28.02.2020 Pressekonferenz tatsächlich, dass das Risiko, an einer Corona-Erkrankung zu sterben, wenn man sie erst einmal hat, bei etwa 2–3 Prozent liegen könnte – und damit 10-mal höher als bei einer Grippe-Erkrankung. Nach allem, was Forschende bisher wissen! Und genau dieser Nachsatz ist wichtig, denn bei allen derzeitigen Angaben handelt es sich um vorläufige Werte. Besonders 2 Faktoren machen die Schätzungen schwierig:

  • Viele Fälle sind unerkannt: Nimmt die Infektion einen leichten Verlauf, ähnelt sie einer Erkältung. Dass Patient:innen damit überhaupt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, ist unwahrscheinlich, folglich bleiben die leichten Erkrankungen unerkannt, während die schweren Verläufe registriert werden – das führt dazu, dass auch der Prozentsatz der Menschen größer ist, die an der erkannten Erkrankung sterben. Dieser Fakt führt auch dazu, dass scheinbar weniger Kinder an dem neuen Coronavirus erkranken. Ganz genau wissen Forscher es noch nicht, aber wahrscheinlich ist, dass sich das Immunsystem der Kinder besser auf das Virus einstellen kann – ähnlich wie es bei Windpocken der Fall ist. Weil die Erkrankungen weniger schwer verlaufen, werden sie hier auch seltener bemerkt.
  • Noch nicht alle erkannten Erkrankungen sind auskuriert: Wie diese Fälle verlaufen, ist noch unklar – auch das erhöht die Unsicherheit der Daten.

Wie macht sich das Coronavirus bemerkbar?

Die Symptome für eine Erkrankung an Covid-19 ähneln denen einer Erkältung. Fieber, Husten oder Kratzen im Hals, Atembeschwerden und Muskel- und Kopfschmerzen sind Anzeichen dafür. Selten kommt auch Durchfall vor. Das Virus wird per Tröpfchen etwa beim Niesen oder Husten übertragen, wobei die Tröpfchen nicht in der Luft schweben sondern aus 1 bis 2 Metern Entfernung ins Gesicht gelangen müssen. Eine andere Möglichkeit: Tröpfchen geraten über die Hände an die Schleimhäute.

Wer Daten zur Verbreitung des neuen Coronavirus betrachtet, sollte also im Hinterkopf behalten, dass alle Zahlen vorläufig sind. Das gilt sowohl für die Verbreitung als auch für einen tödlichen Verlauf der Krankheit.

Die Daten zur Grippe werden dagegen schon seit vielen Jahren systematisch erhoben und sind demnach viel genauer. Mit der Zeit werden auch die Daten zu Corona exakter werden, doch bis dahin dauert es noch etwas. Um eine größere Datenbasis zu schaffen, wird in Deutschland derzeit beispielsweise jeder, der mit Verdacht auf Grippe getestet wird, auch automatisch auf das neue Coronavirus geprüft.

Hier findest du die weltweiten Fallzahlen, die der WHO vorliegen

Hier findest du die aktuellen Fallzahlen aus Deutschland

2. Panik ist unnötig, Vorsicht wichtig

Ist das ganze Aufsehen um SARS-CoV-2 übertrieben, wenn man doch noch gar nicht so genau über das Virus Bescheid weiß? Auf diese Frage antwortet auch Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag auf der Bundespressekonferenz:

Keiner wusste: Was ist das jetzt für ein Virus? Was hat es für eine Symptomatik? Und soweit ich das richtig sehe, wissen wir das immer noch nicht abschließend, sondern wir lernen jeden Tag. Aber wir wissen schon deutlich mehr als vor 6 Wochen. Und aus dieser Unsicherheit heraus haben wir alle das Vorsichtsprinzip vorangestellt. – Gesundheitsminister Jens Spahn auf der Bundespressekonferenz

Die Herausforderung: Ein Bewusstsein für das Virus in der Bevölkerung schaffen und vorsichtig sein, ohne Panik zu verbreiten. Nicht gesicherte Mutmaßungen über die Krankheit zu verbreiten hilft dabei nicht gerade weiter. Deshalb soll es im Folgenden vor allem Was ein Ausbruch in Afrika bedeuten würde, liest du hier darum gehen, was sicher nützt.

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist wahrscheinlich. – Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts am 02.03.2020

Mittlerweile sind 150 Menschen in Deutschland erkrankt und das Virus wird sich weiter ausbreiten, so viel ist klar.

Jetzt ist es wichtig, die Verbreitung des Virus so gut es geht Hier findest du die aktuelle Risikoeinschätzung zur Ausbreitung des neuen Coronabirus des RKI abzubremsen. Wird ein Corona-Fall nachgewiesen, versuchen die zuständigen Behörden Der Plan des RKI, um Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen die Personen ausfindig zu machen, die mit der oder dem Infizierten in Kontakt waren. Zwar werden so nicht alle Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden können, doch auch wenn nur ein paar der Leute aus dem Verkehr gezogen werden, die das Virus verbreiten, verlangsamt das die weitere Ausbreitung.

Das wiederum verschafft den Forschenden wichtige Zeit, an Heilmitteln und Impfungen zu arbeiten und sich noch besser auf die Krankheit vorzubereiten. Aktuelle Daten zur Verbreitung der Influenza findest du hier Hinzu kommt, dass die Grippesaison gerade ihren Höhepunkt hat. Das lastet Krankenhäuser sowieso schon mehr aus als sonst. Und auch deshalb ist aktuell wirklich jeder gefragt, SARS-CoV-2 auszubremsen!

3. Diese Vorsichtsmaßnahmen helfen wirklich

Neben den Maßnahmen, die von offiziellen Stellen getroffen werden, gibt es Viele dieser Maßnahmen helfen auch gegen Grippe und Erkältung, lies hier mehr dazu ein paar Dinge, die auch du tun kannst:

  • Dich mit aktuellen Informationen versorgen! Unten haben wir eine Liste mit verlässlichen Quellen zusammengestellt.
  • Regelmäßig die Hände waschen: 30 Sekunden oder länger mit Seife – Kurze Erinnerung: 30 Sekunden lang mit herkömmlicher Seife unter lauwarmen Wasser die Hände waschen. Seifen enthalten Tenside, die das Fett von der Haut lösen. Eine empfohlene Richtlinie, um die Zeit richtig abzuschätzen: 2-mal im Kopf das Lied »Happy Birthday« singen. Beim Waschen Fingerspitzen, Handoberflächen und die Zwischenräume der Finger nicht vergessen. Auch das Abtrocknen ist wichtig, am besten mit dem eigenen Handtuch! das macht den Viren den Garaus. Desinfektionsmittel wird vom Robert-Koch-Institut explizit nicht empfohlen. Vielen ist das allerdings egal, vielerorts sind die Mittel bereits ausverkauft. Das verursacht ein neues Problem: Immunschwachen und Kranken, die auf Desinfektionsmittel angewiesen sind, fehlen diese.
  • Niesetikette einhalten: Wegdrehen, in den Ellbogen niesen, Einmal-Taschentücher verwenden. Auch wer wahrscheinlich nicht den Virus hat, erspart anderen Menschen damit Erkältungen und entlastet die Praxen.
  • Weniger persönlichen Kontakt: 1–2 Meter Abstand zu anderen halten, wenn möglich. Außerdem weniger umarmen, weniger Händeschütteln und große Menschenmassen meiden, so gut es geht.
  • Nicht (oder zumindest weniger) ins Gesicht fassen. Denn das Virus dringt vor allem durch Mund, Nase und Augen ein.
  • Gegen die Grippe impfen: Wer zu Risikogruppen zählt, also beispielsweise über 60 ist, Vorerkrankungen oder ein schwaches Immunsystem hat, sollte sich impfen. So wird es unwahrscheinlicher, dass 2 Infektionen auf einmal auftreten oder Fragen und Antworten zur Grippeimpfung findest du hier das Immunsystem durch andere Krankheiten geschwächt und dann für Corona leichter angreifbar wird. Auch eine Pneumokokken-Impfung wird empfohlen.
  • Bei Krankheitszeichen: Zu Hause bleiben. Auch wenn es wahrscheinlich nicht Corona ist, könntest du andere Menschen anstecken. Hier ist falsches Pflichtbewusstsein von Arbeitnehmer:innen ein Risiko für die Kolleg:innen. Wer sich unwohl fühlt, sollte aktuell lieber früher daheimbleiben.

Diese Regeln sollten eigentlich auch während normaler Grippewellen gelten. Das ist einer der wenigen guten Effekte des Coronavirus: Wir alle machen gerade einen Crashkurs in Virusvermeidung.

4. Das hilft nicht

  • Hamsterkäufe: Der Einzelhandel betont, dass keine Engpässe in der Versorgung drohen. Trotzdem decken sich viele mit haltbaren Lebensmitteln ein und auf Twitter kursieren Fotos von zeitweise leeren Supermarktregalen. Die Supermärkte freuen sich über den zusätzlichen Umsatz. Lebensmittel zu horten ist zwar nicht wirklich nötig, schadet in Maßen aber auch niemandem – und ein paar Reserven daheim zu haben ist gar nicht so verkehrt.
  • Atemmasken: Mundschutz und Desinfektionsmittel sind bereits vielerorts ausverkauft. Dabei brauchen gesunde Menschen sie nicht. Tragen Infizierte den Schutz, kann er zwar verhindern, dass diese beim Husten oder Niesen andere anstecken – allerdings kann er Gesunde nicht vor einer Infektion schützen.
  • Direkt zum Hausarzt rennen: Wenn du einen begründeten Verdacht hast, dich mit Corona angesteckt zu haben, etwa weil du mit jemandem Kontakt hattest, bei dem das Coronavirus nachgewiesen wurde, oder du in einem Risikogebiet warst, ruf deinen Hausarzt, deine Hausärztin oder die Gesundheitsbehörde an! Sie können dir weiterhelfen. Wichtig: Nicht rausgehen und dabei weitere Menschen anstecken. Schätzungsweise verlaufen zwar 80% der Fälle leicht und ähneln einer Erkältung, doch für manche Menschen kann das Virus zum Problem werden. Hausärzten wird unter anderem empfohlen, Patienten mit Atemwegserkrankungen zu gesonderten Sprechzeiten einzuladen, Diesen Handlungsleitfaden zum Umgang mit Corona-Verdachtsfällen hat das RKI für Hausärzte herausgegeben um Ansteckungen zu vermeiden.
  • Präventive Isolation: Wer aus übertriebener Angst vor einer Infektion andere Menschen meidet, kann vereinsamen. Natürlich kann es sinnvoll sein, ein paar Treffen mit schniefenden Freunden abzusagen und aufs Telefon auszuweichen, vor allem, wenn man selbst Lungenvorerkrankungen hat, die das Immunsystem schwächen. Doch der Mensch braucht auch sozialen Kontakt, Welche Zutaten für ein langes, gesundes Leben nötig sind, liest du hier um glücklich, aktiv und gesund zu bleiben.
  • Menschen nach ihrem Aussehen bewerten: Zwar ist das Virus in China, Italien und dem Iran ausgebrochen, doch das darf kein Anlass sein, Menschen mit einem bestimmten Aussehen generell mit Angst oder Ablehnung zu begegnen. Nicht jeder mit asiatisch klingendem Namen war vor Kurzem in China! Das führt zu Rassismus – und kann auch gesundheitliche Folgen haben: Aus Angst vor Stigmatisierung verschweigen Betroffene vielleicht eher, dass sie krank sind.

Hier findest du eine Liste mit Links zu verlässlichen Informationen:

Die Bundespressekonferenz zum aktuellen Stand der Corona-Infektion

Das RKI informiert fortlaufend über den aktuellen Stand, jeden Morgen unter der Woche gibt es eine Pressekonferenz, die live übertragen wird und für alle einsehbar ist

Beim RKI findest du auch eine Liste mit den häufigsten Fragen zum Thema

Hier findest du die Risikogebiete für Corona-Infektionen

Auch auf Twitter informiert das RKI

Bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung findest du mehr Infos dazu, wie du dich vor Ansteckungen schützen kannst

Warnapp NINA vom Bundesamt für Katastrophenschutz schickt wichtige Meldungen direkt aufs Smartphone

Hier findest du dein zuständiges Gesundheitsamt – dort kannst du anrufen, wenn du den Verdacht hast, unter Corona zu leiden

Informationen zum Virus vom NRW-Gesundheitsministerium in einfacher Sprache

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Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Lara Malberger 

Das Netz ist voller Tipps und Ratschläge – und Menschen, die damit ihre Probleme lösen wollen. Doch meistens gibt es nicht »die« eine richtige Lösung. Aber was ist sinnvoll? Und was kann weg? Um so nah wie möglich an eine Antwort heranzukommen, hat Lara Wissenschaftsjournalismus mit Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und Digital Journalism in Hamburg studiert.

Themen:  Gesellschaft   Gesundheit  

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