Alte, Migranten und Behinderte kommen hier nicht rein!

Seit 10 Jahren darf es so etwas nicht mehr geben – weder in Läden noch am Arbeitsplatz. Doch sich gegen Diskriminierung zu wehren, ist immer noch schwer. Das muss doch besser gehen.

10. November 2016  10 Minuten

Es gibt 2 verschiedene Arten von Schuhen: Die einen passen auf den linken Fuß, die anderen auf den rechten. Niemand würde auf die Idee kommen, für den einen Schuh mehr Geld zu zahlen als für den anderen, denn für beide ist die Herstellung gleich aufwendig. Ein Schuhhersteller aus Rheinland-Pfalz kam hingegen auf die Idee, seinen Mitarbeitern unterschiedlich viel Lohn zu zahlen – bei gleicher Arbeit. Er zahlte unter den einfachen Produktionsmitarbeitern Männern 13% mehr als den Frauen – nicht, weil sie unterschiedlich gut arbeiteten oder ausgebildet waren, sondern allein aufgrund ihres Geschlechts, das gab er offen zu. Dies wollten 2 Mitarbeiterinnen nicht auf sich sitzen lassen und klagten die Differenz ein. Das Ergebnis: Je einige Tausend Euro Lohn und 6.000 Euro Entschädigung wegen der »eklatant rechtswidrigen« Diskriminierung. Zu den Urteilen des Landesarbeitsgerichts geht es hier und hier.

Die Grundlage der Entscheidung: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das im September dieses Jahres seinen 10. Geburtstag feierte.

Ein Gesetz gegen Diskriminierung

Anlässlich dieses Jahrestags ließ die Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Gesetz evaluieren und lud vor 2 Wochen zu einer Fachveranstaltung, um Reformvorschläge zu diskutieren. Der große Saal im Tagungshaus war beinahe voll: Betroffene und Berater waren gekommen, Wissenschaftler, Interessenvertreter und Journalisten wie ich.

Doch was genau ist denn eigentlich dieses AGG und wofür ist es gut?

Das AGG soll Diskriminierungen im Geschäftsverkehr und auf dem Arbeitsmarkt verhindern. Wer von einem (möglichen) Vertragspartner diskriminiert wird – sei es der Vermieter oder Arbeitgeber, Restaurantbetreiber oder Versicherer –, der kann ihn auf Entschädigung verklagen. So wie die Arbeiterinnen aus der Schuhfabrik. Neben geschlechtsspezifischer Diskriminierung schützt

Titelbild: istolethetv - copyright

von Nikola Schmidt 

Nikola beschäftigt sich mit den Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens. Mit Schwerpunkt im Internationalen und Europäischen Recht hat sie in Berlin und Istanbul Jura studiert. Sie fragt: Wie kann man Recht so gestalten, dass alle möglichst selbstbestimmt und frei leben können?

Nikola war bis Dezember 2016 Stammautorin bei Perspective Daily und ist seitdem Gastautorin.

Themen:  Gerechtigkeit   Gesellschaft  

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