Corona weltweit: Menschen aus 11 Ländern berichten, wie das Virus ihr Leben beeinflusst

Von »business as usual« bis zum totalen Lockdown: Freunde und Kollegen von 5 Kontinenten berichten aus ihrem Alltag in Zeiten der Pandemie.

19. März 2020  11 Minuten

Wie die Menschen in Deutschland mit dem neuen Coronavirus Der Fachausdruck für das neue Coronavirus lautet seit dem 11. Februar SARS-CoV-2. Die Lungenkrankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann, wird Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) genannt. umgehen, erleben wir jeden Tag vor unseren eigenen Haustüren. Aber was passiert eigentlich in anderen Ländern?

Die Perspective-Daily -Redaktion hat Kollegen, Freunde und Bekannte auf der ganzen Welt genau das gefragt. Hier erzählen sie von ihrem Alltag, ihren Sorgen – und von den Dingen, die ihnen gerade Mut machen. Denn eine Gemeinsamkeit lässt sich in allen Ländern erkennen: Das Virus schafft nicht nur Unsicherheit, sondern hat auch eine große Welle an Solidarität ausgelöst!

»Die Menschen in Taiwan haben aus SARS gelernt«

Graeme, 59, Taipeh, Taiwan

Viele haben in Taiwan wegen der sehr engen Bindung zu China mit hohen Ansteckungsraten gerechnet. Doch jetzt, fast 3 Monate nachdem das Virus in Wuhan das erste Mal aufgetreten ist, ist das Leben hier fast genau wie davor. Derzeit werden noch knapp 40 Menschen aus einer Bevölkerung von 23 Millionen wegen Covid-19 behandelt, wobei fast jeder neue Fall auf Menschen zurückgeht, die gerade aus Europa heimkehren.

Fallzahlen in Taiwan

108 bestätigte Fälle gesamt, 1 Toter, 26 Genesene
Stand: 19.03.2020
Alle Fallzahlen stammen von der Website der Johns-Hopkins-Universität.

Die U-Bahn fährt normal, genau wie Busse und Bahnen. Restaurants sind geöffnet und die Supermärkte gut bestückt. Auf den Straßen sind weniger Menschen, und weil die Touristen ausbleiben, haben Hotels und Fluggesellschaften zu kämpfen. Aber abgesehen davon, dass wir einen Mundschutz tragen, wenn wir das Haus verlassen, uns die Hände desinfizieren, wenn wir ein Gebäude betreten, und nicht das Land verlassen können, ohne Gefahr zu laufen, bei der Rückkehr in der Quarantäne zu landen, ist das Leben in Taipeh nahezu unverändert.

Wir kamen vor einem Jahr aus Europa hierher und hatten eine 18-monatige Auszeit geplant. Jetzt wirkt diese Entscheidung wie ein komischer Zufall. Warum ist es hier in Taiwan so anders? Die Taiwaner haben aus SARS Das »Schwere Akute Respiratorische Syndrom« (SARS) ist eine Infektionskrankheit, die 2002 in China ausbrach und etwa 1.000 Todesopfer forderte. Der Erreger von SARS ist ein Coronavirus, das vor dem Ausbruch unbekannt war und heute als SARS-CoV bezeichnet wird. SARS-CoV ist eng mit dem neuen Coronavirus verwandt, das den Namen SARS-CoV-2 trägt und die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst. gelernt, sich auf eine Pandemie vorzubereiten, deshalb wurden Mehr über die aktuelle Situation in Taiwan schreibt der »Deutschlandfunk« Infektionen früh nachverfolgt und gezählt.

Die Leute hier sind insgesamt sehr rücksichtsvoll und achten auf ihre Mitmenschen. Vor ein paar Wochen suchte meine Frau Unterschlupf in einem Türeingang, um dem tropischen Regen zu entkommen. Eine kleine, grauhaarige Frau kam über die Straße zu ihr geeilt, um ihr anzubieten, gemeinsam mit ihr unter dem Regenschirm bis zur nächsten U-Bahn-Haltestelle zu gelangen. Genau diese Einstellung macht einen entscheidenden Unterschied.

»In Italien reden die Menschen von Balkon zu Balkon miteinander«

Andrei Beniamin, 26, Turin, Italien

Es ist ungefähr eine Woche her, dass wir angefangen haben, Warum wir das Virus ernst nehmen und jetzt handeln müssen, liest du hier diese ganze Coronasache ernstzunehmen. Davor dachten wir hier in Italien, dass das Fernsehen, die Facebook-Posts und die Medien insgesamt einfach nur die Aufmerksamkeit der Leute gewinnen wollen. Da es auch einige Falschnachrichten gab, haben wir Covid-19 nicht ernstgenommen. Selbst dann nicht, als Mailand (und die gesamte Region Lombardei) zur »roten Zone« erklärt wurden.

Fallzahlen in Italien

35.713 bestätigte Fälle gesamt, 2.978 Tote, 4.025 Genesene
Stand: 19.03.2020

In der Nacht zwischen dem 7. und 8. März haben viele Arbeiter und Studenten Züge von Mailand zu ihren Familien in Süditalien genommen, weil sie Angst hatten, ihre Lieben sonst nicht mehr treffen zu können. Das waren die gleichen Tage, an denen Menschen die Supermärkte leerkauften, weil sie irgendwelche apokalyptischen Ängste entwickelten. Wir lachten darüber, wie verrückt sich diese Menschen verhielten.

Doch als die Leute in den Süden fuhren, brachten einige von ihnen das Virus, das wir nicht ernstgenommen hatten, mit zu ihren Familien. Am 11. März veröffentliche der italienische Premier-Minister Conte dann ein Video, in dem er verkündete, dass Italien unter den totalen Lockdown gestellt wird und dass Schulen, Kirchen, Cafés schließen und viele andere öffentliche Aktivitäten aufhören würden.

Plötzlich wurden Straßen zu Wüsten.

Am Tag danach blieben die Menschen zu Hause. Stadtzentren, Viertel und Straßen wurden plötzlich zu Wüsten. Weil die Menschen nicht rausgehen konnten, außer, um zu arbeiten oder einzukaufen, wurden sie aktiver in den sozialen Medien: Die Zeichnung eines Regenbogens auf einem Bettlaken ging viral Im Internet, versteht sich. mit dem Hashtag #andràtuttobene – »alles wird gut«. Drumherum die Handabdrücke aller Familienmitglieder. Viele Menschen hingen danach selbst solche Bettlaken über ihre Balkons, als gutes Omen für die Zukunft. In anderen Videos führen die Leute mit ihren Instrumenten kleine Shows auf ihren Balkons auf – und Menschen von anderen Balkons klatschen und pfeifen.

Viele reden auch von Balkon zu Balkon miteinander, besonders am Abend, auch hier in Turin. Und man kann sehen, dass es ein allgemeines Gefühl von Verbundenheit gibt – auch wenn wir physisch weiter voneinander entfernt sind. Die Menschen wissen, dass sie das Richtige tun und durch ihre Disziplin die Ausbreitung des Virus eindämmen.

»Mitarbeiter im Gesundheitssektor werden in Großbritannien gar nicht mehr getestet«

Diana, 37, London, Großbritannien

Die Öffentlichkeit hier in Großbritannien scheint heute Morgen noch ihren gewohnten Gang zu gehen: Einige Leute arbeiten von zu Hause aus, aber es sind auch viele auf der Straße unterwegs. In einigen Supermärkten sind die Regale schon leergeräumt und das Klopapier ist auf 5 Packungen pro Kunde begrenzt.

Fallzahlen in Großbritannien

2.644 bestätigte Fälle gesamt, 72 Tote, 67 Genesene
Stand: 19.03.2020

Die politische Reaktion war … uninspirierend, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aus meiner Sicht sind die Maßnahmen der Regierung Hier findest du die Coronamaßnahmen auf der Website der britischen Regierung (englisch) halbherzig.

Mitarbeiter aus dem Gesundheitssektor werden nicht mehr getestet, da davon ausgegangen wird, dass wir das Virus sowieso bekommen. Ich selbst arbeite als Neurologin im Krankenhaus. Die Frage ist: Wenn wir keine Tests machen, wie sollen wir die Krankheit dann verstehen? Mortalitäts- und Ansteckungsraten bleiben so unklar. Das widerspricht auch der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, die dazu rät, jeden Fall zu testen.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

Themen:  Gesellschaft   Gesundheit   Europa  

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