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Fit bleiben trotz Corona – hier ist dein Weg nach draußen

Der Podcast gegen die Weltuntergangsstimmung – auch zum Lesen. Heute: Berlin testet die Zukunft im Modellprojekt und ein wegweisendes Urteil im Weinstein-Prozess.

20. März 2020  4 Minuten

Seit letzter Woche ist die Bezeichnung »Stubenhocker« zu einem Lebensgefühl avanciert. Irgendwie machen Netflix -Marathons und auf der Couch rumlümmeln viel weniger Spaß, wo es jetzt fast schon staatlich verordnet ist. Außerdem schwinden die Snack-Vorräte schneller. Laune und Körper sind in der Selbstisolation auf Talfahrt – deshalb geht es in der 8. Folge unseres Podcasts gegen die Weltuntergangsstimmung unter anderen um Mobilität und Sport in Zeiten von Corona. Wir sprechen aber auch über eine weitere gute Nachricht außerhalb des Coronaorbits – denn die Welt dreht sich weiter.

Podcast verpasst? Hier findest du alle vollgut -Folgen.

Mobil trotz Corona

von Juliane Metzker

Eure gute Nachricht hat auf den ersten Blick nichts mit der Pandemie zu tun. Die Wahl in unserer Umfrage fiel auf Hier findest du Informationen zu der Schließung im offiziellen Hauptstadtportal (2020) »Stadt ohne Autos: Berlin testet die Zukunft im Modellprojekt«. Hinter dieser Nachricht verbirgt sich die temporäre Schließung eines Abschnitts der Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Wer schon einmal die Hauptstadt besucht hat, war bestimmt in dieser zentralen Geschäftsstraße unterwegs, in der zum Beispiel der Checkpoint Charlie , der Admiralspalast oder auch die Galeries Lafayette liegen.

Das Projekt könnte Ausgangspunkt sein für weitergehende Lösungen und ein Schritt in Richtung autofreie Stadt und sauberere Luft. – Offizielles Hauptstadtportal, Berlin.de

6 Monate lang, von Juni bis November 2020 soll nun ein längerer Abschnitt für den Autoverkehr gesperrt werden. Beim genaueren Hinsehen könnte da aber gern noch mehr gehen: In der Leipziger Straße, die die Friedrichstraße kreuzt, werden seit Jahren Spitzenwerte in der Stickstoffbelastung gemessen. Lies dazu »Berlin gilt jetzt als Intensivstadt« im »Tagesspiegel« (2019) Deshalb gilt Berlin laut Bundesumweltamt als »Intensivstadt«.

Konsequentere Pläne, eine Hauptstadt klimafreundlich zu gestalten, hat zum Beispiel die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo im Januar vorgestellt. Lies hier mehr zu den Plänen der Pariser Bürgermeisterin (2020) Darin steht vor allem das Fahrrad als zentrales Fortbewegungsmittel im Vordergrund.

Fahrradfahren ist auch in Zeiten von Corona ein Wundermittel. Wer sich nicht in überfüllte Bahnen und Busse quetschen will, sollte den Drahtesel vorzeitig aus dem Winterschlaf erwecken. Und wer selbst keinen hat – ein Leihradunternehmen in Berlin bietet zum Beispiel kostenlose Fahrten bis zu 30 Minuten an.

Denn Fahrradfahrer:innen senken das Infektionsrisiko gleich 3-fach: Sie tragen dazu bei, dass öffentliche Verkehrsmittel weniger überlaufen sind, und mindern damit die Gefahr, sich oder andere anzustecken. Wer jetzt in die Pedale tritt, Mehr gute Gründe auf das Rad umzusteigen, liest du bei »Spiegel Online« (2020) unterstützt also soziale Distanz und bewegt sich trotzdem an der frischen Luft.

Auch der Berliner Senat erkennt an, wie wichtig die Fortbewegung auf 2 Rädern noch sein wird. Lies hier die neue Verordnung des Senats zur Coronakrise aus der Senatssitzung vom 17. März 2020, die am 18. März in Kraft trat (2020) Obwohl am Dienstag viele Geschäfte schließen mussten, sollen Fahrradläden geöffnet bleiben. Wer kann, sollte für Nicht jede Stadt verfügt über eine gute Fahrradinfrastruktur. Fahrradbürgermeister:innen sollen das ändern Wege in der Stadt also vorerst aufs Rad umsteigen. Auch dem Klima tut das gut.

23 Jahre Haft für Harvey Weinstein

von Katharina Wiegmann

Am 11. März wurde der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein in New York wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung zu 23 Jahren Haft verurteilt. Die »Tagesschau« berichtet hier über den Weinstein-Prozess und das Urteil (2020) Verhandelt wurden 2 Fälle, es sind aber Dutzende Frauen, die dem 67-jährigen Weinstein Nötigung, Belästigung oder Vergewaltigung vorwerfen. In Hollywood galt es lange Zeit als offenes Geheimnis, dass der erfolgreiche Produzent (unter anderem von »Pulp Fiction« oder »Inglourious Basterds«) seine Machtposition ausgenutzt hat.

Die Causa Weinstein trat im Herbst 2017 das Hashtag #MeToo los, mit dem Frauen weltweit ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt öffentlich machten. Harvey Weinstein versteht nach dem Urteil die Welt nicht mehr. »USA Today« berichtet hier über Weinsteins Stellungnahme (englisch, 2020) Er sei verwirrt, sagte er in einer Stellungnahme vor Gericht, und er glaube, alle Männer seien verwirrt.

Sein Statement verrät, dass (mächtige) Männer wie er bislang nicht davon ausgegangen sind, für Machtmissbrauch zur Rechenschaft gezogen zu werden. Auch Hollywood ist Teil einer weit verbreiteten »Rape Culture«, in der sexualisierte Gewalt geduldet und die Schuld eher bei den Opfern als bei den Tätern gesucht wird. Das Urteil gegen Weinstein ist insofern ein Signal – und hoffentlich auch Zeichen eines Kulturwandels.

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das auch während der Coronakrise besondere Aufmerksamkeit braucht. Bericht über die Zunahme häuslicher Gewalt in China (englisch) Aus China gibt es Berichte, dass Fälle häuslicher Gewalt während des Lockdowns zugenommen haben. Für Frauen, die zu Hause Gewalt ihrer Partner ausgesetzt sind, gibt es unter Quarantänebedingungen keine Ausweichmöglichkeiten.

In Deutschland können sich Betroffene unter der Nummer 08000 116016 an das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« wenden; kostenlos, anonym und rund um die Uhr.

In der nächsten Folge wollen wir über gute Nachrichten sprechen, die euch in Zeiten der Pandemie Mut und Hoffnung geben. Das kann etwas sein, was ihr zu Hause erlebt, aber auch etwas, was in der Gemeinde, der Stadt oder dem Land passiert.

Hier findest du die beiden anderen aktuellen Dailies:

Titelbild: Flo Karr - CC0

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Berlin und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.


von Katharina Wiegmann 

Als Politikwissenschaftlerin interessiert sich Katharina dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie fragt sich: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist.

Themen:  Mobilität   Gesundheit   Deutschland  

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