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Essay 

Tötet das Virus die freie Gesellschaft?

Unsere Autorin stellt in der Coronakrise eine erschreckende Selbstdiagnose: Sie verliert das Vertrauen in ihre Mitmenschen. Dieser Text ist eine Therapie in 3 Schritten.

25. März 2020 –  11 Minuten

Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch, als ich am Sonntagnachmittag die Eilmeldung auf meinem Handy lese. »Coronavirus: Bund und Länder verständigen sich auf Kontaktverbot«. Und weiter: Bericht über das »Kontaktverbot« bei »Zeit Online«»In der Öffentlichkeit sollen Ansammlungen von mehr als zwei Personen verboten werden.«

Das mulmige Gefühl verwandelt sich in einen Anflug von Panik.

Um es gleich zu Beginn klarzustellen: Ich habe überhaupt kein Problem damit, für eine Weile viel Zeit in meinen 4 Wänden zu verbringen, um mich und andere vor einer Ansteckung zu schützen. Ich finde es richtig, dass Großveranstaltungen abgesagt werden. Ich verstehe, warum es vernünftig ist, wenn wir uns jetzt Zeit kaufen, um Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln, um Betten in den Krankenhäusern möglichst lange frei zu halten. #Staythefuckhome. Sehe ich ein.

Mein Problem ist ein anderes. Das mulmige Gefühl begleitet mich, seit die ersten Maßnahmen zum Shutdown des öffentlichen und sozialen Lebens eingeleitet wurden. Han Langeslag meinte schon vor Corona: Die Deutschen müssen einander endlich vertrauen! Lies hier, warumVielleicht hat mein Problem mit Vertrauen zu tun.

Ich möchte gern daran glauben, dass wir als Gesellschaft an einem Strang ziehen, um solidarisch durch diese Krise zu kommen. Ich will an die Stabilität der demokratischen Institutionen glauben, an politische Entscheidungen mit Augenmaß, an eine wache Zivilgesellschaft.