4 Links
PD Daily 

»Corona unterscheidet nicht zwischen Nationalitäten – und wir?«

Unsere Autorin ist in Indien gestrandet, dem Land mit der härtesten Ausgangssperre weltweit. Sie schickt uns diesen Brief.

27. März 2020 –  4 Minuten

Als sich das Coronavirus in Indien wie in vielen anderen Teilen der Welt ausbreitete, saß ich sorglos in einem Ashram im Süden des Landes. Mit ein paar Freundinnen, darunter 2 Deutsche, wollte ich dort einen mehrwöchigen Yoga-Kurs machen. Wir dachten nicht, dass wir hier länger festsitzen würden. Und ich will mich auch gar nicht darüber beschweren – denn es gibt Menschen, die es sehr viel schwerer getroffen hat als mich in der Yoga-Quarantäne. Doch es gibt auch viele Menschen wie mich, die unsicher sind oder waren, ob sie überhaupt »nach Hause« zurückkehren können.

Es begann damit, dass mein Flug nach Berlin am 22. März von der Fluggesellschaft gestrichen wurde; dann verbot die indische Regierung alle internationalen Flüge bis zum 29. März. Lies dazu »Indien verhängt wegen Coronavirus vollständige Ausgangssperre« beim »Deutschlandfunk« (2020)Da Indien einen »totalen« Shutdown mit Ausgangssperren für alle 1,3 Milliarden Bürger:innen verordnet hat, wird sich dieser Zeitraum sicher noch verlängern.

Quarantäne im Yoga-Ashram ist sicher nicht der schlechteste Hausarrest. – Quelle: Qian Sun copyright

Obwohl ich nicht verzweifelte, beunruhigt mich die Möglichkeit, in einem Land gestrandet zu sein, das in der Lage ist, ohne Vorankündigung einen drastischen Politikwechsel zu vollziehen. Und in dem auch eine zunehmend Fake News, die sich zurzeit schnell in Indien verbreiten, sind auch schuld daran, dass die Angst vor Ausländer:innen wächst (englisch, 2020)fremdenfeindliche Stimmung spürbar ist. Seit 10 Jahren lebe ich in Deutschland und besitze eine sogenannte unbefristete Niederlassungserlaubnis. Die Niederlassungserlaubnis ist ein unbefristeter Aufenthaltstitel. Sie erhält in Deutschland unter anderem, wer seit 5 Jahren eine Aufenthaltserlaubnis besitzt und ebenso lange Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat (sofern die Person nicht davon befreit ist), über einen gesicherten Lebensunterhalt und Wohnbereich verfügt, einer Beschäftigung nachgehen darf sowie ausreichende Kenntnisse über Deutschland und die deutsche Sprache besitzt (B1-Niveau). Für die Erteilung können bereits frühere Aufenthalte, beispielweise im Zuge eines Studiums oder einer Berufsausbildung, angerechnet werden (vgl. § 9 des Aufenthaltsgesetzes). Würde ich zurückkehren können?