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Interview 

Was der Coronawortschatz über unsere Demokratie verrät

Wecken Begriffe wie »Maskenpflicht« oder »Kontaktsperre« bei dir inneren Widerstand? Diskursforscherin Ruth Wodak erklärt, woran das liegt.

13. Mai 2020  12 Minuten

Es ist schon erstaunlich, wie viel wir in den letzten Wochen gelernt haben. Dazu gehört allerlei Banales, wie das Ansetzen von Sauerteig, Praktisches, wie Hier erklärt dir Stefan Boes, wie du »Zoom«-Meetings durchstehst Benimmregeln für Videokonferenzen – und potenziell Bahnbrechendes, wie die Erkenntnis, dass der Markt eben nicht alles regelt.

Zu all den Veränderungen gesellen sich ein komplett neues Vokabular und Repertoire an Fachbegriffen: Aktuell wird über die »Reproduktionszahl« diskutiert, wir fragen uns, wie lange »Social Distancing« noch nötig ist, ob die »Maskenpflicht« nützt, oder wie Wie geht es den Menschen, für die das Virus auf verschiedene Arten besonders gefährlich ist? Wir haben ihnen zugehört »Risikogruppen« am besten geschützt werden können.

Das »Leibniz-Institut für Deutsche Sprache« führt eine Liste der Wortneuschöpfungen – hier kannst du sie einsehen Was verrät das »Wörterbuch der Pandemie« über unseren Umgang mit der aktuellen Herausforderung? Über Konfliktlinien, die schon vorhanden sind oder gerade aufbrechen? Wie sickern neue Begriffe überhaupt in den Sprachgebrauch ein – und welche politischen Strategien stecken dahinter?

Mich interessiert, was Ruth Wodak dazu zu sagen hat. Sprache und Politik sind das Fachgebiet der emeritierten Professorin für Diskursforschung. Wodak ist das, was man »Public Intellectual« nennt, eine Wissenschaftlerin, Lies dazu Ruth Wodaks Dankesrede zum Erhalt des Lebenswerk-Preises: »Geht’s den Frauen gut, geht’s uns allen gut« die sich mit Haltung in die öffentliche Debatte einmischt. Sie hat zu Identitäts- und Vergangenheitspolitik Hier erklären Dirk Walbrühl und ich, warum wir bei »Perspective Daily« gendern sowie zu Genderthemen geforscht, zu Migration und Vorurteilen. Einem breiteren Publikum ist sie durch ihr 2016 erschienenes Buch »Politik mit der Angst« bekannt, in dem sie durchleuchtet, Interview mit Ruth Wodak im »Soziologiemagazin« (PDF) wie Rechtspopulisten die Grenzen des Sagbaren in ihrem Interesse verschieben.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Katharina Wiegmann 
Als Politikwissenschaftlerin interessiert sich Katharina dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie fragt sich: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist.
Themen:  Populismus   Politik   Demokratie  

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