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Was ein gesundes Immunsystem wirklich ausmacht

Die Werbeindustrie will uns weismachen, wir müssten unser Immunsystem vor allem »stark« machen. Doch tatsächlich kommt es auf etwas ganz anderes an.

18. Mai 2020  14 Minuten

Es ist das Jahr 1971, als David Philipp Vetter mit einer seltenen genetischen Veränderung geboren wird. Ein schwerer erblicher Immundefekt, der seinen Körper jeglicher Abwehrkräfte beraubt. Um sein Leben zu retten, entscheiden sich die Mediziner:innen dafür, David der Außenwelt mit all ihren Viren und Bakterien völlig zu entziehen. Bei der Krankheit, an der David Vetter litt, handelt es sich um SCID, einen schweren kombinierten Immundefekt, der vererbbar ist. Dass der Junge im Krankenhaus viele Jahre isoliert und beobachtet wurde, war in der Fachwelt aus ethischen Gründen schon damals stark umstritten. Zu dieser Zeit starben Kinder mit SCID jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb des ersten Lebensjahres. Dank Fortschritten in der Medizin ist das heute nicht mehr so. Gentherapien und Knochenmarktransplantationen haben die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert.

Die ersten Jahre seines Lebens verbringt der schwarzhaarige Junge deshalb in einer sterilen Isolationsblase aus Plastik, gerade mal 7 Quadratmeter groß. Nichts darf hinein, ohne vorher sterilisiert worden zu sein. Jedes noch so harmlose Bakterium, jedes Virus – sein Körper hätte ohne Immunsystem nichts dagegen auszurichten. Am Ende ist es David Vetters einziger Kontakt zur Außenwelt, der ihn das Leben kostet. Während einer Stammzelltransplantation, die ihn eigentlich retten soll, gelangt ein Virus in seinen Körper. Im Jahr 1984 stirbt der »Bubble-Boy«, wie er in den Medien genannt wird, in einem sterilen Zimmer – Ausführlich nachlesen kannst du David Vetters Geschichte zum Beispiel hier beim »Spiegel« kurz nachdem seine Eltern ihn das erste Mal ohne Handschuhe berühren konnten.

Das Beispiel von David Vetter macht auf dramatische Weise deutlich, wie essenziell unser Immunsystem für unser Überleben ist. Es hält jene Bedrohungen von uns Menschen fern, die so winzig klein sind, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Rund um die Uhr ist unser Körper damit beschäftigt, mikroskopisch kleine Krankheitserreger in Form von Viren, Bakterien und Pilzen auszuschalten, bevor sie uns schaden.

Es ist also nicht unberechtigt, dass unserem Immunsystem dieser Tage ungewohnte Aufmerksamkeit zuteilwird – in den letzten Monaten verzeichnete etwa Google ein enormes Interesse an der Suchanfrage »Immunsystem stärken«.

So sehr stieg das Interesse an der Suchanfrage »Immunsystem stärken«

»Google Trends« analysiert, wonach die Nutzer suchen: Im Vergleich zu den letzten 5 Jahren kam die Frage nach einem starken Immunsystem in letzter Zeit deutlich häufiger vor.

Quelle: Google Trends

Das wachsende Interesse am starken Immunsystem dürfte besonders Anbieter von Vitaminpräparaten und Bevor du Nahrungsergänzungsmittel schluckst, solltest du diesen Text von Chris Vielhaus lesen Nahrungsergänzungsmitteln freuen: Tippt man die Worte »Immunsystem stärken« in den Browser, erscheinen nämlich zunächst eine Reihe von Produktwerbungen – von Vitamin C bis Omega-3-Fettsäure –, die unseren Abwehrkräften bei regelmäßiger Einnahme nahezu übernatürliche Stärke versprechen. Doch ist das die Lösung? Spoiler: Nein, ist es nicht.

Höchste Zeit, darüber zu sprechen, was uns wirklich hilft, gesund zu bleiben! Denn gut auf unser Immunsystem zu achten ist nicht nur vor dem Hintergrund einer Pandemie hilfreich.