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Damit in Deutschland nicht das Bier ausgeht

Nicht nur Spargel und Erdbeeren, auch der Anbau von Hopfen lebt von Saisonkräften aus dem Ausland. Die kommen jetzt nicht – und die Deutschen müssen selbst ernten. Unsere Autorin macht den Feldversuch.

22. Mai 2020  6 Minuten

Die graue Kappe ist das Einzige, was Robert Obermaier verrät. Hinter den pastellgrünen, hüfthohen Halmen der Roggensaat Roggen wird als eine mögliche Zwischenfrucht im Hopfen verwendet, um die Bodenfruchtbarkeit und den Nährstoffgehalt im Boden zu erhöhen. Außerdem dient er zur Unkrautunterdrückung. kniet er auf der nassen Erde, in der Hand eine Schaufel mit Messerzacken. Vogelgezwitscher, Blätterrascheln, Schnittgeräusche. Hin und wieder wehen bayerischer Dialekt und Gelächter übers Feld.

Inmitten dieser Idylle findet ein Experiment statt, dessen Verlauf und Ausgang für Robert Obermaier und seine Eltern, Martin und Irmgard, sehr wichtig sind. Es geht um ihre Existenz. Und darum, ob es in Deutschland weiterhin genug Bier geben wird.

Die Obermaiers bauen in der oberbayerischen Hallertau Hopfen an. Dass Menschen ihnen beim Andrehen des Hopfens helfen, ist für die Familie normal. Jedes Jahr kommen polnische Hilfsarbeiter:innen auf den Hof, um ihnen dabei zu helfen. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Es geht um ihre Existenz. Und darum, ob es in Deutschland weiterhin genug Bier geben wird.

Durch die Coronakrise fallen viele saisonale Arbeitskräfte weg, sie dürfen nicht mehr nach Deutschland einreisen. Statt der rund 300.000 Menschen, die sonst aus Osteuropa nach Deutschland kommen, um Spargel zu stechen, Erdbeeren zu pflücken oder eben den Hopfen anzudrehen, sind es

Titelbild: Leonie Fößel - copyright

von Leonie Fößel 

Leonie Fößel ist Geographin und seit ihrer Kindheit sehr naturverbunden. In ihrer wissenschaftlichen und journalistischen Arbeit lernt sie am liebsten von Menschen und Kulturen, die in enger Verbindung mit dem Planeten leben. Sie ist immer auf der Suche nach Geschichten, die zeigen, dass sich die Welt zum Positiven ändert. Und die gibt es überall.

Themen:  Deutschland   Arbeit  

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