Legt die Regierung behinderte Menschen in Ketten?

An den Reichstag ketten, in der Spree baden, sich in einen Käfig sperren: Die Aktivisten im Kampf für ein besseres Teilhabegesetz waren kreativ, aber nur mäßig erfolgreich. Was bedeutet das neue Gesetz aus der Sicht von Menschen mit Behinderung?

24. November 2016  7 Minuten

Stelle dir vor, du wärst gezwungen, deine gesamte Freizeitplanung mit deinen Nachbarn abzustimmen. Ihr müsstet euch am Montag auf einen Kinofilm einigen – obwohl du eigentlich lieber zum Fußballspiel deines Lieblingsvereins gehen wolltest. Am Dienstag würdest du gern deine Freunde treffen, weil dein Nachbar aber nicht allein zu Hause bleiben kann, musst du ihn mitnehmen. Am Mittwoch wolltest du ins Theater, dein Nachbar allerdings in ein Musical und deine Nachbarin wiederum in eine Bar. Und ihr müsst nun ausdiskutieren, wessen Wunsch erfüllt wird und wer sich fügen muss. Unvorstellbar? Aber genau das hat die Bundesregierung für Menschen mit Behinderung geplant. Denn laut dem neuen Bundesteilhabegesetz sollen sie ihre Assistenten teilen und damit ihre gesamte Tagesplanung aufeinander abstimmen.

Tausende Menschen mit Behinderung sind gegen das neue Gesetz auf die Straße gegangen – hier in Berlin – Quelle: Jörg Farys / Gesellschaftsbilder copyright

»Mehr möglich machen, weniger behindern«

Unter dem Motto Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales »Mehr möglich machen, weniger behindern« haben die Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD einen Entwurf für ein Gesetz erarbeitet, das Menschen mit Behinderung eigentlich mehr Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen soll. In Deutschland gibt es über

Titelbild: Andi Weiland / Gesellschaftsbilder - copyright

von Raúl Krauthausen & Susanne Bauer 

Raúl Krauthausen ist Moderator von Krauthausen.tv, Autor, Berater und Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. Susanne Bauer ist Redakteurin von Krauthausen.tv und »Krauthausen trifft«.

Themen:  Aktivismus   Politik   Gesellschaft  

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