Krisen vorhersagen und verhindern – eine Gebrauchsanweisung

Warum Schimpansen bessere Krisenprognosen machen als viele Experten, und wie du zuverlässiger in die Zukunft blicken kannst als ein CIA-Analyst.

28. November 2016  16 Minuten

Der französische Außenminister Alain Juppé Alain Juppé war vom 14. November 2010 bis zum 27. Februar 2011 französischer Verteidigungs- und anschließend bis zum 15. Mai 2012 Außenminister unter Präsident Nicolas Sarkozy. Aktuell ist er Bürgermeister von Bordeaux. Im Vorwahlkampf der Republikaner zur Präsidentschaftswahl 2017 setzte er sich im ersten Wahlgang gegen Sarkozy durch und unterlag am 27. November in der Stichwahl dem ehemaligen Premierminister François Fillon. nahm in einer Rede im April 2011 kein Blatt vor den Mund: Rede von Alain Juppé auf dem Symposion zum Arabischen Frühling in Paris, 2011 »Für uns alle war dieser ›Frühling‹ eine Überraschung.« Gemeint war natürlich nicht das Eintreffen der Jahreszeit an sich. Juppé kommentierte vielmehr die Folgen des Todes von Muhammad Bouazizi, einem jungen Gemüsehändler, der sich am 17. Dezember 2010 nach einer Konfrontation mit der Polizei in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid aus Protest mit Benzin übergoss und anzündete.

Bouazizi erlag am 4. Januar 2011 seinen Verletzungen und sein Selbstmord wird heute allgemein als Beginn des »Arabischen Frühlings« betrachtet, jener länderübergreifenden Kette aus Protesten, Revolutionen, Bürgerkriegen und Staatsstreichen, deren Folgen die Welt heute noch in Atem halten. Alain Juppé war bei Weitem nicht der Einzige, der die dunklen Wolken am Horizont übersah. Sowohl seine Kollegen im Westen als auch die herrschenden Eliten in Nordafrika und im Nahen Osten traf die Entwicklung völlig unvorbereitet.

Mit Illustrationen von Luzie Bayreuther für Perspective Daily

von Peter Dörrie 

Es kann arrogant wirken, als Wohlstandskind die Frage zu stellen, warum es auf der Welt immer noch Krieg und Armut gibt. Zu einfach entsteht der Eindruck, man habe selbst alle Antworten parat. Als Entwicklungs-, Friedens- und Konfliktforscher findet Peter die Frage dennoch wichtig. Denn er geht immer davon aus, dass es mehr als eine Wahrheit gibt und die eigene am wenigsten zählt. Sein besonderes Interesse gilt Afrika. In 12 Ländern des Kontinents hat er bereits recherchiert.

Themen:  Frieden & Krieg   Aktivismus  

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