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Dieser längst bekannte Impfstoff könnte auch gegen Corona helfen

Weltweit tötet kaum eine Krankheit so viele Menschen wie Tuberkulose. Die Impfung hatte bisher viele Nebenwirkungen. Eine neue Variante funktioniert besser und könnte gegen mehr Krankheiten helfen.

21. Juli 2020  4 Minuten

Es sind die Lungen, die meist von der Krankheit befallen werden, die Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt das Leben kostet. Doch es geht nicht um Corona: Bis zu 1,5 Millionen Menschen sterben weltweit an Tuberkulose (TB) – Jahr für Jahr. Damit ist die von Bakterien hervorgerufene Erkrankung die Infektionskrankheit, die auf der Welt die meisten Menschenleben fordert. Dennoch sprechen wir kaum darüber– denn in Europa tritt TB nur selten auf. Sie kommt vor allem in Südostasien und Afrika vor.

Wer an Tuberkulose erkrankt, wird – wie die englische Bezeichnung der Krankheit, »consumption«, nahelegt– quasi von innen »aufgebraucht«. Patient:innen verlieren während der Infektion stark an Gewicht. Der deutsche Begriff »Schwindsucht« drückt etwas Ähnliches aus: Die Patient:innen verschwinden nach und nach.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 1/4 der Weltbevölkerung mit dem Bakterium infiziert ist, wobei aber nur 5–15 Prozent Die WHO über Tuberkulose (englisch) der Infizierten auch Symptome zeigen.

Eine Behandlung von TB ist zwar möglich, aber mit mehreren Problemen verbunden:

  • Aufwand: Mehrere Medikamente müssen täglich eingenommen werden – und das monatelang. Dazu kommen jährlich Hunderttausende Fälle von TB-Patient:innen, die gegen mindestens eines der notwendigen Medikamente bereits Ein Beitrag der WHO über die mögliche Medikamentenresistenz bei Tuberkulosepatient:innen (englisch) eine Resistenz ausgebildet haben.
  • ######## Umgebung der Infizierten: Wo TB stark vertreten ist, sind oft Mängel im Umfeld zu finden, die die Krankheit begünstigen. »Überfüllte, unhygienische Lebensbedingungen, schlechte Ernährung und begrenzter Zugang zu frischem Wasser sowie ein unzureichendes Gesundheitssystem« nennt etwa die britische Mikrobiologin Kathryn Lougheed in ihrem Buch Hier findest du das E-Book zum Buch »Catching Breath« als (kostenpflichtigen) Download »Catching Breath« als Umweltfaktoren für die Ausbreitung. Ein gutes Gesundheitssystem hat viele positive Folgen: Je mehr Geld Staaten dafür ausgeben, desto höher ist tendenziell die Lebenserwartung der Bürger:innen und desto niedriger ist die Sterblichkeitsrate von Kindern. Das zeigt beispielsweise dieser Artikel (englisch) anschaulich. Wer Tuberkulose überstanden hat, erkrankt mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut daran.
  • ######## Impfung mit Einschränkungen: Es gibt zwar eine TB-Impfung, doch die ist alles andere als perfekt. Die BCG-Impfung BCG ist die Abkürzung für »Bacille Calmette-Guérin«, ein Anfang des 20. Jahrhunderts gezüchtetes, abgeschwächtes Bakterium, das vielerorts noch als Lebendimpfstoff gegen Tuberkulose verwendet wird. wird Kindern gespritzt, schützt aber auch nur bedingt und teilweise mit Nebenwirkungen. Deshalb wird die Impfung hierzulande seit dem Jahr 1998 nicht mehr empfohlen.

Titelbild: Mykenzie Johnson - CC0

von Sarah Emminghaus 

Sarah Emminghaus arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie beschäftigt sich mit globaler Gesundheit und Armut, außerdem berichtet sie für die Nachrichtenagentur AFP als Korrespondentin aus Berlin und Brandenburg.

Themen:  Gesundheit  

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