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PD Daily 

Kann eine Software die Wut im Netz zähmen? 2 Forscher haben es versucht

Diskussionen im Netz geraten schnell aus den Fugen. Was wäre, wenn ein Programm dir online beim guten Diskutieren hilft?

4. August 2020 –  4 Minuten

»Also, ich esse ja schon gern Fleisch.«

»Wer Tiere isst, mordet. Außerdem stinkt die Fleischindustrie nach Kapitalismus!«

»Troll dich, Öko-Marxist!«

»Besser Marx als ein Fascho, du Fascho!«

»Und geblockt.«

Das ist nur eine von unzähligen missglückten Diskussionen im Netz. In diesem Fall auf Twitter, um genau zu sein. Ich habe sie vor einigen Monaten für eine Recherche entdeckt und abgespeichert. Sie ist hier ein wenig gekürzt wiedergegeben, ohne Emojis und GIFs.

Dass es im Internet »rau« zugeht und oft an der Sache vorbeigeredet wird, ist bei weitem nichts Neues. Vor allem unter Zeitungsartikeln und auf sozialen Medien fliegen statt Argumenten sarkastische GIFs. GIF steht für »Graphics Interchange Format« und meint eine kurze, sich wiederholende Bildfolge, die meist wie ein Minifilm wirkt. Diese Bewegtbilder sind neben Smileys mittlerweile zentraler Teil der Internetkommunikation. Manche von ihnen tauchen so häufig auf, dass sie Wiedererkennungswert haben – sie werden zu sogenannten »Memes«. Statt sachlicher Auseinandersetzung herrschen Warum die USA so stark polarisiert sind – und was uns in Deutschland (noch) schütztPolarisierung, persönliche Angriffe und Spott. Gerade bei Reizthemen werden Debatten oft von einer kleinen Gruppe lauter Meinungsmacher bestimmt, die gemäßigte Kommentare einfach übertönen.

Am Ende werden immer mehr Kommentarspalten aus der Not heraus einfach geschlossen Die Tagesschau deaktivierte etwa die Kommentarspalte auf Youtube zum Kommentar zur Ehe für alle (2017)(und damit Meinungsaustausch an der Stelle unmöglich) – das bestätigt etwa der letzte Jugendschutz- und Medienkompetenzbericht der deutschen Medienanstalten. Der letzte Medienkompetenzbericht (2019, PDF)Sein vielsagender Titel lautet »Der Ton wird härter«.