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Dekadenz, Machthunger und Sexismus haben das Silicon Valley im Griff

Wie ticken die Leute, die deine Technik machen? Ein entlarvender Einblick von einer, die dort gelebt und gearbeitet hat

13. August 2020  13 Minuten

Der folgende Text ist ein exklusiver Auszug aus Anna Wieners Buch »Code Kaputt« (im englischen Original »Uncanny Valley«). Anna Wiener hat für das Start-up GitHub gearbeitet und in San Francisco die US-amerikanische Techkultur hautnah erlebt. Ihr Buch ist auch eine Abrechnung mit einer Welt, die die Bodenhaftung verloren hat und trotzdem die Regeln der digitalen Welt für alle bestimmt.



Während mir in New York nie der Gedanke gekommen wäre, dass hinter dem Internet Menschen steckten, konnte man es in San Francisco unmöglich vergessen. Muntere Start-up-Logos strahlten von Lagerhausdächern und Bürotürmen und schmückten die Mützen, Jacken und Radlertrikots der Pendler. Überall in der Stadt wurde man daran erinnert, dass die Sprache zurzeit disrupted wurde. Das Stück Highway, das von San Francisco bis San José durchs Silicon Valley führte – da, wo das richtig dicke Geld gemacht wurde und die Preise für Werbeflächen am höchsten waren –, war von Reklametafeln gesäumt, auf denen Softwareentwicklern Softwareprodukte angepriesen wurden, und das in einer Sprache, die nur noch entfernte Ähnlichkeit mit modernem Englisch hatte. Die Werbeanzeigen überschritten alle Sinn- und Grammatikgrenzen. WE FIXED DINNER (Lieferdienste), HOW TOMORROW WORKS (Datenspeicher), ASK YOUR DEVELOPER (cloudbasierte Kommunikation). Neben den traditionelleren Werbeanzeigen wirkten sie futuristisch und fremdartig, wobei auch die älteren Branchen ihre neue Zielgruppe allmählich besser verstanden.