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Interview 

So kannst auch du vor Gericht die Welt verändern

Wie »strategische Prozessführung« funktioniert, Schritt für Schritt erklärt von Nora Markard, Mitgründerin der Gesellschaft für Freiheitsrechte

26. August 2020  15 Minuten

Familie Akkermann ist überglücklich, als die kleine Paula Anfang 2020 das Licht der Welt erblickt. Doch obwohl ihre Eltern verheiratet sind und sich gemeinsam für das Kind entschieden haben, hat Paula offiziell nur ein Elternteil. Das Recht behandelt ihre zweite Mutter wie eine ihr völlig Hier findest du aktuelle Informationen der GFF zu dem Verfahren der Familie Akkermann, außerdem Links zu einem ausführlichen Interview mit den beiden und einer FAQ (2020) fremde Person. Weder Ärzt:innen noch Lehrer:innen dürfen ihr Auskünfte über die eigene Tochter erteilen. Und sollte der leiblichen Mutter von Paula etwas zustoßen, wäre das Kind rechtlich eine Vollwaise.

In Deutschland kann Paulas zweite Mutter erst nach einem jahrelangen Adoptivverfahren als Elternteil anerkannt werden. Verena Akkermann müsste ihre Tochter als ihr »Stiefkind« adoptieren – ein belastendes Verfahren, das bis zu 2 Jahre in Anspruch nehmen kann. Und es startet meist erst etwa ein Jahr nach der Geburt des Kindes, weil vorher nicht festgestellt werden kann, ob eine Bindung besteht. Das Jugendamt prüft dann unter anderem die Vermögenssituation und den Gesundheitszustand des:der Ehepartner:in. Die Frauen müssen außerdem zahlreiche Nachweise erbringen. Und wenn der Bundesrat es nicht vorerst gestoppt hätte, hätte sich die Situation mit dem geplanten Adoptionshilfe-Gesetz schon im Juli 2020 durch weitere Hürden noch verschlimmert. Eine wirkliche Ehe für alle mit gleichen Rechten sieht anders aus, finden die beiden Mütter. Gesa C. Teichert-Akkermann und Verena Akkerman fühlen sich gegenüber heterosexuellen Ehepaaren ungleich behandelt. Männer werden schließlich auch dann automatisch als Väter anerkannt, wenn das Kind ihrer Ehefrau durch eine Samenspende oder einen Seitensprung entstanden ist. In § 1592 Nr. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) steht, dass Vater eines Kindes der Mann ist, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist. Hier kommt es also allein auf die Ehe und nicht auf die tatsächliche biologische Verwandtschaft an.