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PD Daily 

Leiharbeit oder Werkvertrag? Warum der Unterschied nicht wurst ist

Nach dem Skandal um den Schlachtbetrieb Tönnies will die Bundesregierung Leiharbeit und Werkverträge in dem Bereich verbieten. Wo genau liegt eigentlich das Problem?

11. August 2020  4 Minuten

Im Juni machte ein Schlachtbetrieb der Firma Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück Schlagzeilen. Mehr als 1.400 Mitarbeiter:innen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Die Arbeiter:innen waren bei Unternehmen angestellt, die mit Tönnies sogenannte Werkverträge Ein Werkvertrag ist prinzipiell nichts weiter als ein Vertrag über einen Austausch von Leistungen. Der Erfolg wird am Abschluss eines Ergebnisses festgemacht, das die Vertragsparteien vorher vereinbart haben. Werkverträge verschiedener Formen gab es bereits in der römischen Antike. In Deutschland sind Werkverträge zivilrechtlich im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. hatten. Seitdem herrscht eine rege Diskussion über das Prinzip der Werkverträge, aber auch über das der Leiharbeit. Leiharbeit wird offiziell Arbeitnehmerüberlassung genannt, sie wird im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt. Das Prinzip kommt aus den USA, bereits 1948 wurde dort die erste Leiharbeitsfirma Manpower gegründet. In Deutschland gibt es Leiharbeit seit 1972. Zunächst war sie auf 3 Monate beschränkt, später wurde sie auf 24 Monate erweitert. Im Rahmen der Agenda 2010 wurden viele Bestimmungen vereinfacht, zeitliche Beschränkungen der Verleihdauer aufgehoben. Ein neu eingeführtes Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit von Angestellten und Leihmitarbeiter:innen wird oft mit Tarifverträgen umgangen. Heutzutage gilt der Mindestlohn auch für Leiharbeiter:innen und eine maximale Überlassungsdauer von 18 Monaten. Seit der Agenda 2010 ist die Zahl der Beschäftigten in Leiharbeit massiv angestiegen, 2018 lag die Zahl bei rund einer Million Menschen. Ende Juli beschloss das Bundeskabinett einen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgelegten Hier findest du den aktuellen Regierungsentwurf zu den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie (2020, PDF) Gesetzentwurf, der ab 2021 zuerst Werkverträge und dann auch Leiharbeit in Schlacht- und Zerlegebetrieben verbieten soll. Das Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit soll in den sogenannten Kernaufgabenbereichen der Schlachtbetriebe umgesetzt werden, also der Schlachtung und Zerlegung der Tiere. Der Gesetzentwurf zielt nur auf die Fleischindustrie ab.