5 Ideen, wie wir die Shoppingwüsten in unseren Städten wieder zum Leben erwecken

Tausende Geschäfte stehen wegen Corona vor der Pleite. Nicht nur deshalb fordern Stadtforscher:innen, unsere Einkaufsstraßen umzugestalten. Das könnte unseren Städten ein ganz neues Gesicht geben.

19. August 2020  11 Minuten

Als ich neulich nach längerer Zeit mal wieder in einer Innenstadt unterwegs war, dachte ich, was ich oft denke, wenn ich in Innenstädten bin: Was mache ich hier eigentlich? Links von mir Starbucks, TK Maxx und andere Modeketten, rechts ein 3-stöckiger Saturn-Markt. Es gibt Orte, an denen sich mein Fluchtinstinkt schnell regt. Die Kamp-Promenade in Osnabrück gehört dazu. Nicht falsch verstehen: Es liegt nicht an Osnabrück, denn solche aus meiner Sicht charakterlosen Promenaden finden sich mittlerweile in fast allen Städten, nicht nur in den Großstädten.

Etwa 200 Meter weiter steuerte ich mit dem Kinderwagen zu meiner Überraschung – ich war wohl wirklich lange nicht mehr in der Stadt – auf einen großen Spielplatz zu. Mitten im Zentrum, umgeben von Eisdielen, Bars und Geschäften, gruben Kinder im Sand und pumpten Wasser in ihre Plastikeimer. Die Eltern bemühten sich um den gebotenen Abstand, saßen mit Decken auf dem umliegenden Rasen und passten auf die Tupperdosen mit Keksen und Heidelbeeren auf. Wir parkten den Kinderwagen und setzten uns dazu.

Innerhalb weniger Hundert Meter hat sich erst die hässliche und dann die schöne Seite der Stadt offenbart. Zumindest in meiner Wahrnehmung: Hier die gesichtslosen Orte des billigen Konsums. Dort die Orte der Begegnung, mit freien Flächen, Grünanlagen und liebevoll gestalteten Geschäften.

Dass sich an beiden Orten, am Spielplatz und an der Einkaufspromenade, viele Menschen aufhalten, spricht dafür, dass es verschiedene Bedürfnisse in der Stadt gibt. Doch ist die Frage, wie ein Stadtzentrum gestaltet sein sollte, deshalb von vornherein sinnlos, weil die Vorstellungen darüber derart auseinanderliegen?

Titelbild: Josh Appel - CC0

von Stefan Boes 

Kennst du auch das Gefühl, 1.000 Dinge tun zu wollen – oder zu müssen? Wie nutzt du die Zeit, die du hast? Stefan geht aus soziologischer Perspektive der Frage nach, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann – und wie wir Zeit gestalten können, ohne immer nur hinterherzurennen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben gelingen kann.

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