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Kommentar 

Wie Kinder von einem mehrsprachigen Elternhaus profitieren

Bilinguale Kinder denken flexibler, lernen schneller und können sich problemlos mit ihren Großeltern unterhalten. Unser Autor weiß aus eigener Erfahrung, worauf es bei der mehrsprachigen Erziehung ankommt.

11. September 2020 –  4 Minuten

Immer weniger Kinder sprechen Die Tagesschau berichtet, dass 21,4% der Kindergartenkinder zu Hause kaum Deutsch sprechen.zu Hause Deutsch. Das zeigen neue Zahlen des Bundesfamilienministeriums. Politiker:innen geben sich besorgt, in den sozialen Medien entlädt sich eine neue Integrationsdebatte. Aber müssen wir diese Nachricht wirklich so negativ sehen? Zweisprachigkeit bringt nämlich viele Vorteile mit sich, wie zahlreiche Studien belegen. Auf die einzelnen Studien verweise ich später im Text.

Auch ich bin eines dieser Kinder, die zu Hause kaum Deutsch gesprochen haben. Meine Eltern sind 1996 aus Italien nach Deutschland eingewandert. Mein Vater ist Musiker. Er fand Arbeit zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald. Und so zogen sie nach Deutschland, ohne zuvor je ein Wort Deutsch gesprochen zu haben. Knapp ein Jahr später kam ich dann auf die Welt.

Seitdem sprechen meine Eltern mit mir fast ausschließlich Italienisch. Anfangs, weil sie unsicher mit der Sprache waren, später, damit ich auch die italienische Sprache lerne. Das führte dazu, dass sich meine ersten Konversationen im Kindergarten auf »Ciao« und »Spaghetti« beschränkten. Doch das änderte sich schnell, denn ich wurde früh gefördert.

2 italienische Mädchen, Mara und Letizia, halfen mir und begleiteten mich in den ersten Wochen durch den Alltag. Und dann war da noch die Integrationsgruppe. Im Kindergarten wurde eine Art Förderunterricht für Kinder angeboten, die Deutsch noch nicht als Muttersprache gelernt hatten. Wir spielten gemeinsam und füllten viele Arbeitsblätter aus. Die Gruppe war meine erste interkulturelle Erfahrung, da sie viele verschiedene Perspektiven vereinte. Daraus entstanden auch Freundschaften. Gemeinsam mit Kindern von Russ:innen und Italiener:innen lernte ich spielerisch Deutsch. Seit 2016 gibt es sogenannte Sprach-Kitas, gefördert vom Bundesfamilienministerium. Teilnehmende Kitas erhalten zusätzliches Personal, das sich um die Sprachentwicklung der Kinder kümmern kann. Aktuell ist etwa jede zehnte Kita in Deutschland eine Sprach-Kita.