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PD Daily 

Wie der Mindestlohn Deutschland verändert

Die Lohnunterschiede in Deutschland werden kleiner. Die EU-Kommission spricht sich jetzt für einen europäischen Mindestlohn aus – und die SPD will sogar noch einen Gang zulegen.

18. September 2020  5 Minuten

Was ist eine Stunde Arbeit wert? Spätestens seit der Coronapandemie wissen wir: Das ist sehr unterschiedlich – und hat oft wenig mit der sozialen Bedeutung einer Tätigkeit zu tun. Laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erhalten mehr als 90% der Beschäftigten in Berufen, die während der Coronapandemie der kritischen Infrastruktur zugeordnet und als systemrelevant bezeichnet wurden, ein unterdurchschnittliches Gehalt. Als Beispiele nennt das DIW Jobs in der Reinigung, im Verkauf, in der Lagerwirtschaft, der Zustellung, der Erziehung und der Sozialarbeit. Überall dort liegt das Einkommensniveau zum Teil deutlich unter dem Schnitt aller Berufe. Nach oben ist die Einkommensgrenze offen. Wer in Deutschland mehr als 31,76 Euro pro Stunde verdient, darf sich laut dem Statistischen Bundesamt zu den Topverdiener:innen zählen. Doch auch nach unten war die Grenze lange Zeit offen. Erst mit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 wurde gesetzlich festgelegt, dass keine Arbeitsstunde unter dem Wert von 8,50 Euro liegen darf. Allerdings gibt es einige Ausnahmen: Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Auszubildende unabhängig ihres Alters, Langzeitarbeitslose während der ersten 6 Monate nach der Arbeitslosigkeit und Praktikant:innen, die ein Praktikum von bis zu 3 Monaten absolvieren. Ihnen muss kein Mindestlohn gezahlt werden.