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Jemen unter Wasser: Klimakatastrophe oder Segen?

Diese provokante Frage stellt unser Autor vor Ort und berichtet, wie seine Dorfgemeinschaft mit den massiven Überflutungen der letzten Wochen umgeht.

22. September 2020  5 Minuten

Im Jemen wütet seit über 5 Jahren ein Krieg, der kein Ende zu nehmen scheint. Die Gründe dafür sind komplex. Wer sie verstehen will, sollte das konstruktive Interview mit dem politischen Analysten Farea al-Muslimi lesen. Doch diesen Sommer gefährdet nicht nur der Krieg, Hungersnot und Corona die Bevölkerung, auch eine scheinbar nicht enden wollende Regenzeit kostete Menschenleben. Das berichtete das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (englisch, 2020) Bis zu 300.000 sollen durch Sturzfluten und Erdrutsche ihr Zuhause verloren haben. Unser Autor berichtet uns wieder aus dem Herzen des Landes, wie die Menschen diese Zeit erlebt haben und mit welcher Stärke sie den Fluten begegnen.

Als die Flut kam

Es war Mitte Juli, als ich nach einem Picknick mit meiner Tante die Hügel oberhalb meines Dorfes hinabstieg. Von dort aus hatte ich eine gute Sicht auf die Wolkentürme, die sich mir plötzlich über dem Tal entgegenstreckten. Schlagartig verdunkelte sich der Himmel. Ich hatte mein Dorf noch nicht erreicht, da prasselten faustdicke Hagelkörner auf mich nieder.

Gerade noch konnte ich mich in eine kleine Höhle retten. Darin harrte ich über eine Stunde aus, bis der Hagelschauer abgeklungen war. Auf dem Weg zu meinem Dorf sah ich überall kleine und große Wasserfälle den Hügel hinabrauschen. Doch am beeindruckendsten waren die tosenden Wassermassen, die sich durch das Wadi Bana »Wadi« ist die arabische Bezeichnung für »Tal«. schoben. Der Fluss darin, der sonst maximal 20 Meter breit ist, schwoll auf das 10-Fache an. Eine solche Flut hatte meine Dorfgemeinschaft seit 40 oder 50 Jahren nicht gesehen.

Titelbild: picture alliance/Xinhua - copyright

Themen:  Frieden & Krieg   Klima   Arabische Welt  

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