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Was das Jahr 1452 mit der Klimakrise zu tun hat

Ein Gespräch mit Klimaaktivistin Imeh Ituen stellt infrage, was wir über den Klimawandel wissen und aus welcher Perspektive wir ihn bekämpfen wollen.

14. Oktober 2020  8 Minuten

Wenn du an Klimaaktivismus denkst, wer fällt dir zuerst ein?

Lass mich raten: Greta Thunberg, Luisa Neubauer oder sogar Boyan Slat?

Imeh Ituen kritisiert eine eurozentrische Perspektive Eurozentrismus ist vereinfacht gesagt die Bewertung inner- und außereuropäischer Gesellschaften anhand europäischer Maßstäbe. Die Annahme, dass Europa beispielsweise die Demokratie ohne äußeres Zutun verbreitet, ist ein Phänomen des Eurozentrismus. Wie der Begriff schon aussagt, steht Europa dabei als Dreh- und Angelpunkt der Welt im Zentrum. An den europäischen Werten und Normen wird deshalb alles Nichteuropäische gemessen. auf die Klimakrise, die medial und politisch viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Stimmen von Menschen, die schon längst unter den Folgen des Klimawandels leiden. Viel leiser oder auch gar nicht hören wir Klimaaktivist:innen, die im Globalen Süden leben.

Ituen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Globale Klimapolitik der Universität Hamburg und Teil einer Berliner BIPoC-Gruppe, »PoC« ist die Abkürzung für »People of Color« und eine selbstbestimmte Bezeichnung für nicht »weiß« gelesene Menschen, die in einer mehrheitlich »weißen« Gesellschaft leben und aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion rassistische Anfeindungen erfahren. Der Begriff, der bereits im Jahr 1781 erstmals nachweislich gebraucht wurde, wurde in den 60er-Jahren durch die sogenannte Black-Power-Bewegung in den USA politisch geprägt. Mithilfe dieses Begriffs entwickeln sich seitdem grenzüberschreitende Bündnisse von Mitgliedern unterdrückter Communitys, die durch eine von »weißen« Menschen dominierte Machtstruktur ausgegrenzt werden. Auf diese Weise wehren sich Angehörige dieser Communitys explizit gegen rassistische und kulturelle Spaltungsversuche sowie diskriminierende Fremdbezeichnungen der »weißen« Mehrheitsgesellschaft. Viele Schwarze Menschen und Indigene Aktivist:innen bezeichnen sich selbst als BIPoC, was für »Black, Indigenous People of Color« steht.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Berlin und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

Themen:  Klima   Europa   Aktivismus  

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