Unechte Richter für echte Rechte

Ob Massaker im Kongo oder NSU-Komplex – als Kritik an der staatlichen Aufarbeitung der Fälle organisieren Aktivisten Bürgertribunale. Was können sie bewirken?

15. Dezember 2016  9 Minuten

Auf den ersten Blick sieht es aus wie haufenweise bunte Kleider: verstreut auf dem mit frischem Laub bedeckten Boden, darüber ein provisorisches Zeltdach gegen die Sonne, die auch auf der Kinoleinwand hell leuchtet. Doch bei genauerem Hinsehen stecken Körper in den Kleidern, über 30 Menschen, die noch vor Stunden am Leben waren. Bis bewaffnete Männer sie massakrierten – in Mutarule, einem Dorf im Osten Kongos. Ein Dorfbewohner deckt das jüngste Opfer auf, einen Säugling, 2 Monate alt. »Was hat dieses Baby getan?«, fragt er zornig und sagt: »Dies ist die Situation, in der wir leben – Tag für Tag!«

Milo Rau bei seiner Eröffnungsrede zu den »Berlin Hearings«. – Quelle: Daniel Seiffert copyright

Niemand rührt sich im großen Theatersaal der Universität der Künste in Berlin. Juristen, Künstler, Studierende starren betroffen auf die Leinwand, als erste Szenen aus dem Dokumentarfilm »Das Kongo-Tribunal« gezeigt werden, der im Frühjahr 2017 in die Kinos kommen soll. 3 Tage lang haben sie sich versammelt, um über Symposium »Gedächtnis und Gerechtigkeit« »Gedächtnis und Gerechtigkeit« zu diskutieren; die Gesprächsrunde zum Kongo-Tribunal zählt zu den Höhepunkten des Programms.

Ein Tribunal als Kunstprojekt?

Vertreibungen, Vergewaltigungen und Massaker gehören im Ostkongo seit Jahrzehnten zum traurigen Alltag.

Titelbild: Daniel Seiffert - copyright

von Nikola Schmidt 

Nikola beschäftigt sich mit den Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens. Mit Schwerpunkt im Internationalen und Europäischen Recht hat sie in Berlin und Istanbul Jura studiert. Sie fragt: Wie kann man Recht so gestalten, dass alle möglichst selbstbestimmt und frei leben können?

Nikola war bis Dezember 2016 Stammautorin bei Perspective Daily und ist seitdem Gastautorin.

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