Was uns die Pandemie für die Klimakatastrophe lehrt

Im Umgang mit der Coronakrise haben wir eines gelernt: Wenn eine Katastrophe droht, sollten wir lieber auf Nummer sicher gehen. Warum wenden wir das nicht auch beim Klimaschutz an?

21. Oktober 2020  10 Minuten

Vor wenigen Wochen stellten Lara Malberger und ich in Warum die Maßnahmen gegen Corona nicht übertrieben sind einem Artikel diese Frage. Einigen Leser:innen gefiel das nicht: Die Frage schüre Ängste, sei ohnehin nur rhetorisch oder Fantasterei. Doch ich halte daran fest. Denn die Frage hilft uns, ein Gespür für die Risiken und Folgen zu bekommen, die mit einer Pandemie einhergehen – und sich deutlich von den Risiken von Ereignissen wie Autounfällen unterscheiden.

Statt der Pandemie hätten wir aber auch die Klimakatastrophe als Beispiel nehmen können, denn zwischen der Pandemie und dem Klimawandel gibt es im Hinblick auf die Risikoabschätzung 3 große Ähnlichkeiten: In beiden Fällen korrelieren die Risiken eines jeden Menschen miteinander, sie sind also multiplikativ. Beide enthalten das Risiko, dass die gesamte Gesellschaft großen Schaden nimmt. Und in beiden Szenarien existieren Feedbackeffekte und Kipppunkte, die das Verhalten des gesamten Systems urplötzlich verändern.

Aufgrund dieser Ähnlichkeiten bietet die Pandemie die Chance, einige Lehren für unseren Umgang mit dem Klimawandel zu ziehen – genau das soll dieser Text in 3 Schritten tun. Eine überraschende Erkenntnis vorweg: Wer traditionell-konservativ eingestellt ist, sollte deutlich stärker für konsequenten und weitreichenden Klimaschutz einstehen. Oder andersrum: Viele Anhänger der Klimaschutzbewegung sind, abgesehen von einigen Lösungsvorschlägen, deutlich konservativer, als sie vielleicht denken.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Han Langeslag 
Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.
Themen:  Klima  

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