Es geht ums Geschäft

Millionen Menschen weltweit leben immer noch ohne ordentliche Sanitärversorgung. Das macht krank und arm. Dazu kommt: Vielerorts sind Toiletten ein Tabuthema. Doch es gibt Lösungen.

23. November 2020  10 Minuten

Ob Welttag der Jogginghose, des Pinguins oder des Purzelbaums – merkwürdig anmutende Thementage gibt es inzwischen zuhauf. In diese Liste scheint sich auch der Welttoilettentag einzureihen.

Hier schreibt Ibrahim Shehab über eine hygienischere Alternative zu ToilettenpapierWarum sollten wir uns mit unseren Ausscheidungen beschäftigen?

Gründe dafür liefert der zum diesjährigen Welttoilettentag Hier kannst du den Bericht herunterladen (englisch)am 19. November veröffentlichte UN-Bericht leider zur Genüge:

Die Realität für Milliarden von Menschen ist eine verschmutzte Umwelt, in der eines oder viele der Glieder in der Kette, die eine sichere sanitäre Versorgung ausmacht – Toiletten, Abfallbehandlung, Entsorgung und sichere Wiederverwendung –, fehlen oder nicht erreichbar sind. – Bericht von UN und UNICEF zum Zustand der sanitären Verhältnisse in der Welt, 2020

Der Welttoilettentag ist also bitter nötig: In diesem Fact Sheet finden sich noch mehr Zahlen rund um die sanitäre Versorgung weltweit (englisch)Weltweit verrichten 673 Millionen Menschen ihr Geschäft noch immer ganz ohne Toilette. Stattdessen praktizieren sie die sogenannte »Open Defecation«, was bedeutet, sich unter freiem Himmel zu erleichtern. Vermeidbare Todesfälle und Krankheiten sind die Folge. Bis zu 432.000 Menschen sterben jedes Jahr allein an den Folgen von Durchfallerkrankungen, die auch auftreten, weil Fäkalien ohne Toiletten erst ins Grundwasser und dann als bakterienverseuchtes Kochwasser ins Essen gelangen.

Doch damit nicht genug: Wer sich nicht die Hände waschen kann, kein eigenes Klo hat, keine gut funktionierende Kanalisation, der wird eher krank. »Die Covid-19-Pandemie hat uns einmal mehr an die zentrale Rolle erinnert, die Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene beim Schutz vor Krankheiten spielen«, heißt es dazu im UN-Bericht. Wer sich einmal ansehen möchte, unter welchen Umständen Menschen weltweit ihr Geschäft verrichten, kann sich auf der Website von »Gapminder« (englisch) umsehen. Das Datenprojekt veranschaulicht, wie sich unterschiedliche Einkommen auf die Lebenssituation auswirken.

Angesichts dieser Tragweite ist die Verbesserung der Sanitärversorgung eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, Die UN-Generalversammlung beschloss die 17 Ziele im Herbst 2015. Die ambitionierten Pläne umfassen Themen wie Gesundheit, Armut, Klimaschutz, Bildung sowie Geschlechtergerechtigkeit und gelten weltweit. die bis 2030 erreicht werden sollen.

Also: Was tut sich auf der Welt in Sachen Klo?

Kontaktloses Händewaschen in Zeiten der Pandemie – Quelle: Sonja Schimmelpfennig copyright

Was Klos mit Bildung, Umweltschutz und Gleichstellung zu tun haben

Um direkt zu Anfang ein hohes Ross zu Fall zu bringen: Eine hygienische Sanitärversorgung ist auch in Europa noch nicht besonders lange selbstverständlich, wie der Autor Patrick Süskind anschaulich in seinem Roman »Das Parfum« beschreibt:

Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen, aus ihren Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und nach saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten. Es stanken die Flüsse, es stanken die Plätze, es stanken die Kirchen, es stank unter den Brücken und in den Palästen.

So befremdlich die Beschreibung der Pariser Zustände im 18. Jahrhundert auch wirken mag – damals pflegten Europäer:innen noch einen absolut unhygienischen Umgang mit ihren eigenen Exkrementen. Unter anderem der Hier gelangst du zur Biographie des britischen Forschers (englisch)Epidemiologe John Snow, der Cholerafälle im London des 19. Jahrhunderts auf Probleme mit Sanitäranlagen zurückführte, läutete allmählich den Fortschritt ein.

Er kritisierte die damals populäre Theorie, dass die als »Miasma« bekannte übelriechende Luft für Krankheitsübertragungen verantwortlich sei.

Snow verglich Stadtteile miteinander und stellte fest, dass mehr Menschen dort erkrankten, wo besonders viel Abwasser in die Haushalte gelangte. Wenig später zementierte die Keimtheorie Bereits die alten Römer kannten die Miasma-Theorie, wonach Krankheitsübertragung quasi riechbar ist – über die Jahrhunderte wurde die Theorie immer weitergetragen. Die Entdeckungen mehrerer im 18. Jahrhundert lebender Forscher wie Louis Pasteur, Ignaz Semmelweis, Joseph Lister und Robert Koch trugen entscheidend dazu bei, dass die falsche Theorie durch die Keimtheorie abgelöst wurde. Der Ungar Semmelweis stellte beispielsweise fest, dass weniger Frauen bei der Geburt starben, wenn sich das behandelnde Personal vorher die Hände gewaschen hatte. die Erkenntnis, dass Krankheiten durch Mikroorganismen übertragen werden. Inzwischen sind Händewaschen und sichere Toiletten hierzulande selbstverständlich. Kaum eine:r muss sich darüber Gedanken machen, wegen fehlender oder schlechter Sanitäranlagen krank zu werden.

Doch gehe es bei dem Thema um weit mehr als Gesundheit, betont Thilo Panzerbieter, Geschäftsführer der NGO Die konkreten Ziele der Organisation kannst du auf ihrer Website nachlesenGerman Toilet Organization, die sich für eine bessere Sanitärversorgung unter anderem in den Ländern des Globalen Südens starkmacht. Panzerbieter wünscht sich deutlich mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Ihm zufolge haben fehlende Toiletten Einfluss auf praktisch jeden Lebensbereich. »Wenn ich krank bin, kann ich nicht arbeiten – also geht es um Armutsbekämpfung. Wenn Kinder krank sind, können sie nicht zur Schule – also geht es auch um Bildung. Wenn Menschen permanent Durchfall haben, können sie wenig Kalorien aufnehmen – um Ernährung geht es also auch«, so der Bauingenieur.

Toiletten in Sierra Leone vor der Modernisierung – Quelle: Laetitia Brovot copyright

»Und nicht zu vergessen: Es geht auch um Umweltschutz, weil ungeklärte Exkremente gerade in Großstädten, in denen sie massenhaft anfallen, Flüsse und Seen verseuchen«, fügt Panzerbieter an. Dazu passt das Motto des diesjährigen Welttoilettentags: »Sustainable sanitation and climate change« (»Nachhaltige Sanitärversorgung und Klimawandel«).

Und damit nicht genug; laut Panzerbieter geht es auch um die Gleichstellung der Geschlechter, da Frauen ohne Privatsphäre auf der Toilette stärker von Übergriffen betroffen sind. Fehlende oder schlechte Toiletten sind außerdem besonders für Menstruierende ein Problem: Weltweit besuchten 2016 geschätzte 335 Millionen Mädchen Schulen ohne Wasser und Seife; und damit Was bessere Hygienebedingungen vor allem für Frauen bedeuten, beschreibt UNICEF hier (englisch, PDF)ohne eine gute Möglichkeit, während ihrer Periode Hygieneprodukte zu wechseln. In einer 2020 veröffentlichten Umfrage gab 1/4 der befragten 15–24-jährigen jungen Frauen in Nigeria an, schon mal wegen ihrer Menstruation in der Schule gefehlt zu haben. Alle Zahlen kannst du hier nachlesen (englisch, 2020, PDF)Das Gleiche gaben 20% an der Elfenbeinküste und gab jede siebte in Burkina Faso an.

12 Jahre nach der Gründung der Welttoilettenorganisation am 19. November 2001 beschlossen die Vereinten Nationen im Jahr 2013, das Datum jährlich auch offiziell als UN-Welttoilettentag zu begehen, um auf das Problem hinzuweisen – an Lösungsansätzen mangelt es nicht.

Microsoft-Gründer Bill Gates gehört zu denen, die an der Umsetzung arbeiten und Öffentlichkeit schaffen, wenn nötig mit drastischen Mitteln: Bei der »Reinvent the Toilet Expo« vor 2 Jahren in Peking Ab Minute 3:02 spricht Bill Gates über sein spezielles Mitbringsel (englisch)stellte er ein Glas mit Fäkalien neben sein Rednerpult und sagte: »Auch wenn es sehr krass ist: Es ist gut, daran erinnert zu werden, dass darin mehr als 200 Millionen Rotavirus-Partikel enthalten sein können, 20 Milliarden Shigella-Bakterien und 100.000 parasitische Wurmeier.«

Wenn es nach der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung geht, ist die Lösung des Problems einfach: Wer kein Klo hat, braucht eines. Vor fast 10 Jahren rief die Stiftung des milliardenschweren Ehepaars die »Reinvent the Toilet Challenge« ins Leben und forderte damit zum »Neuerfinden der Toilette« auf. Dabei mussten die eingereichten Konzepte Auf der Website der Gates-Foundation werden die nötigen Kriterien für die Vorschläge genauer erklärt (englisch)ohne Strom, Wasseranschluss und Kanalisation auskommen. Seitdem erhielten zahlreiche Forschende Gelder von der Stiftung, mehrfach wurden Ausstellungen mit den Konzepten gezeigt.

Bei einer der »neu erfundenen« Toiletten beispielsweise entsteht am Ende nach einem Reinigungsprozess mithilfe von Solarenergie sauberes Wasser, das wiederum als Spülwasser der Toilette wiederverwendet wird. »Ich bin optimistisch, dass Toiletten wie diese eine große Rolle dabei spielen werden, uns bei der Verbesserung der Sanitärversorgung weltweit zu helfen«, so Gates in einem Video zur Präsentation einiger neuer Klovarianten:

Technologische Innovationen sind wichtig, keine Frage – aber reichen sie auch aus, um das Problem zu lösen?

Vor der neuen Toilette kommt der Tabubruch

»Sobald sich jemand wie Bill Gates für Toiletten starkmacht, ist ein gewisses Tabu gebrochen«, sagt auch Thilo Panzerbieter.

Der Bauingenieur will aber deutlich früher ansetzen. Bereits bei der Sprache fängt es an, meint er. Die meisten Wörter für das Ausscheiden von Kot klingen entweder klinisch (»defäkieren«), kindisch (»kacken«), vulgär (»scheißen«) oder nach Ausrede (»Geschäft verrichten«, »sich erleichtern«). Dabei ist eines unumstritten: »Ohne geht’s nicht.«

»Die unsichtbare Bedrohung durch Krankheiten geht Hand in Hand mit einem Tabu – das führt zu einer fehlenden Nachfrage von Menschen an ihre Regierungen und damit auch zu fehlendem politischem Handeln«, erklärt Panzerbieter. Er spricht in diesem Kontext von »Sanitation Marketing«: Es gehe darum, sanitäre Versorgung erst mal zu einem Thema zu machen, um Menschen zu verdeutlichen, dass sie Ansprüche an die Politik stellen müssen.

Der Tabubruch sei auch bei der Arbeit vor Ort der erste wichtige Schritt, findet Laetitia Brovot. Die 25-Jährige studiert Wirtschaftsingenieurwesen in Aachen und arbeitet ehrenamtlich bei Auf der Website der Organisation erfährst du mehr über ihre anderen ProjekteIngenieure ohne Grenzen. Mit ihrer Organisation war sie 3-mal im westafrikanischen Sierra Leone, um mit der nationalen Partnerorganisation Madam im Zentrum des Landes, in Makali, Toiletten zu bauen.

»Wenn ein Sumpf schon nach Fäkalien riecht, dann ist klar, dass es ein Problem gibt«, sagt sie. Bei den Toiletten vor Ort sickern Kot und Urin ins Grundwasser, bakterienverseuchtes Wasser steht in Sümpfen und Brunnen; damit waschen die Menschen sich dann die Hände, kochen oder trinken es, sodass Krankheiten übertragen werden können. Der Geruch von Kot und Urin zieht auf den Toiletten außerdem Fliegen an, die wiederum Essen kontaminieren können.

Die Organisationen entschieden sich dafür, Toiletten an einer Schule zu bauen. »Weil es ein Pilotprojekt ist, brauchen wir die Schule als Sammelpunkt – dort kommen unterschiedliche Leute wie Kinder, Lehrer, Eltern und Besucher zusammen«, erläutert Madam-Projektkoordinator Brima Borboh Jalloh.

Zentral für die Organisationen war bei dem Projekt der Hygieneunterricht an der Schule, an der die Toiletten gebaut wurden. »Ein Kind kriegt Kreide, dann geben sie sich die Hände und sehen, wie die Kreide transportiert wird. So lernen sie: Wenn der erste sich nicht die Hände wäscht, sind am Ende alle krank«, erzählt die Freiwillige Brovot.

Aber wie lassen sich Toiletten entwickeln, die besser für die Gesundheit sind und auch wirklich benutzt werden?

Vorbesprechung vor der Modernisierung der Toiletten – Quelle: Sonja Schimmelpfennig copyright

Aus Urin und Kot wird Düngemittel

Die Partnerorganisation Madam bildet Landwirt:innen aus; so kam die Idee auf, Trockentrenntoiletten zu bauen. Dabei werden Urin und Kot sofort getrennt gelagert, sodass beides später als Dünger verwendet werden kann. Urin sei nach einem Monat frei von Giftstoffen, Kot müsse mehrere Monate lang getrocknet und dann kompostiert werden – laut Brovot das perfekte natürliche Düngemittel.

Die gesundheitlichen Vorteile: Die Ausscheidungen geraten nicht ins Grundwasser, und durch die Trennung werden keine Fliegen angezogen. Bei den Toiletten sind 2 Löcher im Boden: eines für Urin und eines für Kot. Beim Hocken über der Kotkammer lande der Urin automatisch im anderen Loch.

Ein Jahr nach dem Bau der Toiletten reiste ein Team der Ingenieure ohne Grenzen erneut nach Makali, darunter auch Brovot. Die Toiletten seien in einem guten Zustand gewesen, sagt sie. Begeistert zeigt sie sich vom Zustand des Kots in den Toiletten. Er habe eine sandige Konsistenz gehabt – wäre der Kot feucht gewesen, hätte es bedeutet, dass die Trennung von Urin nicht gut funktioniert. Außerdem habe sich bei Wissensabfragen an der Schule gezeigt, dass die Kinder dazugelernt hätten. »Jeden Tag wird ein Lied gesungen, bei dem die Kinder die 11 Schritte durchgehen, wie die Toilette funktioniert«, erzählt die angehende Ingenieurin. Eine wissenschaftliche Evaluation Insgesamt ist es schwierig, konkrete Beweise für die Wirksamkeit von Maßnahmen zur verbesserten Sanitärversorgung zu finden. Indien wird oft als Positivbeispiel genannt: Mit der von Premierminister Narendra Modi initiierten sogenannten Swachh Bharat Mission (SBM) soll es angeblich gelungen sein, die Praxis, das Geschäft draußen zu verrichten, in den Jahren 2014–2019 von Hunderten Millionen Betroffenen radikal auf null zu reduzieren; unter anderem mit dem Bau von 100 Millionen Toiletten im ländlichen Indien. In der »zweiten Phase« soll es nun darum gehen, den Fortschritt beizubehalten. Kritiker:innen vermuten aber, dass die gesundheitsgefährdende Praxis noch Alltag ist, und warnen, dass die offiziellen Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. der 2018 gebauten Toiletten steht allerdings noch aus. Unklar ist zum Beispiel noch, ob sich die Wasserqualität in der Umgebung schon verbessert hat und ob die Kinder weniger an Krankheiten leiden als vorher.

Modernisierung der Toiletten – Quelle: Henning Hessel copyright

Die vor Ort ansässige Organisation sieht das Projekt bislang als Erfolg. »Die Toiletten werden inzwischen regelmäßig und sorgfältig benutzt«, erzählt Madam-Mitarbeiter Jalloh. Auch Eltern würden die Toiletten nutzen, wenn sie zu Terminen an die Schule kämen, sagt er.

Der Hygieneaspekt sei allerdings nicht ganz einfach zu vermitteln gewesen. Dieser sei inzwischen jedoch einer der größten Vorteile für alle Beteiligten: »Mit den Trockentrenntoiletten gibt es keine Fliegen und keinen Geruch.« Jalloh wünscht sich, dass das Projekt auch auf benachbarte Gemeinschaften ausgeweitet wird. Das ist bereits in Planung: 2022 wollen Madam und Ingenieure ohne Grenzen an 3 weiteren Schulen in der Umgebung Trockentrenntoiletten bauen.

Menschenwürdige Sanitärversorgung nicht allein Philanthrop:innen überlassen

Wie die allermeisten Bereiche menschlichen Lebens Das Phänomen, dass die meisten Dinge weltweit eigentlich besser werden, beschreibt der schwedische Gesundheitsforscher Hans Rosling anschaulich und unterhaltsam in seinem Buch »Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist«. Empfehlenswert ist auch ein TED-Talk des leider inzwischen verstorbenen Forschers. auf der Welt hat sich auch Das Portal Our World in Data zeigt die erfreuliche Entwicklung in Zahlen (englisch)das Thema Sanitärversorgung in den vergangenen Jahrzehnten an vielen Orten positiv entwickelt. Laut UN hatten 2017 fast 3/4 der Weltbevölkerung Zugang zu grundlegenden Sanitäranlagen: Das heißt etwa, dass sie binnen 30 Minuten eine geschützte Trinkwasserquelle erreichen können und sich zu Hause die Hände mit Seife und Wasser waschen können. 45% und damit 3,4 Milliarden Menschen nutzten sogar »sicher verwaltete Sanitäranlagen« – sie haben also schadstofffreies Wasser zu Hause verfügbar und Toiletten, bei denen Ausscheidungen auf sichere Art und Weise entsorgt werden. Auch hat sich demnach die Zahl der Menschen, die ihr Geschäft im Freien verrichten, seit 2000 fast halbiert.

Trenntoiletten am Ende der Bauarbeiten – Quelle: Henning Hessel copyright

Dennoch: »Bei der aktuellen Fortschrittsgeschwindigkeit wird es erst im 22. Jahrhundert Sanitäranlagen für alle geben«, heißt es im diesjährigen UN-Bericht zum Welttoilettentag. Um die Nummer 6 auf der Liste der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, Hier findest du einige Statistiken zu diesem UN-Ziel (englisch)nämlich bis 2030 weltweit sauberes Wasser und Sanitärversorgung für alle Welt zu gewährleisten, müsste der Fortschritt 4-mal schneller vorankommen als bisher.

Doch ist es schwierig, ein Problem zu bekämpfen, wenn bereits das Sprechen darüber mit Scham und Ekel behaftet ist. Innovative, von Philanthrop:innen gesponserte Klos sind nur bedingt in der Lage, daran etwas zu ändern. Auch wenn sie Teil der Lösung sein können, braucht es mehr, damit es nicht noch ein Jahrhundert dauert, bis die gesamte Weltbevölkerung Zugang zu ordentlichen Toiletten hat.

Nötig sind vor allem politischer Wille und mehr Wissen – auf allen Seiten.

Titelbild: pxfuel - CC0

von Sarah Emminghaus 
Sarah Emminghaus arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie beschäftigt sich mit globaler Gesundheit und Armut, außerdem berichtet sie für die Nachrichtenagentur AFP als Korrespondentin aus Berlin und Brandenburg.
Themen:  Gesundheit   Gesellschaft   Bildung  

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