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Warum Perspective Daily leer ausgeht, wenn die Regierung Journalismus fördern will

Großverlage haben die Digitalisierung verschlafen, dafür bekommen sie vom Staat jetzt 1/4 Milliarde Euro. Warum das nicht nur unfair, sondern auch eine Gefahr für den Journalismus ist – und was wir uns stattdessen wünschen.

24. November 2020  5 Minuten

Eigentlich ist es ja eine begrüßenswerte Nachricht. Die Bundesregierung hat erkannt, dass Journalismus ihr etwas wert ist. Genauer gesagt: 220 Millionen, fast 1/4 Milliarde Euro. So viel Die Süddeutsche Zeitung berichtete bereits im Juli über den unerwarteten Posten im Nachtragshaushalt will Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den Verleger:innen spendieren. Allen Verleger:innen?

Leider nein. Medien wie Perspective Daily, Krautreporter, Edition F, Übermedien und viele andere gehen leer aus. All jene, deren Geschäftsmodell schon immer digital war. Denn die 220 Millionen Euro sollen – 30 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web – die »digitale Transformation« der Printbranche unterstützen.

Was genau heißt das?

Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblätter sollen die Subventionen unter anderem in »Online-Shops, Rubrikenportale und Apps sowie den Aufbau eigener oder verlagsübergreifender Plattformen zum Vertrieb der Inhalte« investieren, Das Konzept kannst du hier einsehen (PDF) heißt es im Konzept des Bundeswirtschaftsministeriums.

Das wirft einige Fragen auf: Muss wirklich jeder Verlag eigene technische Lösungen für Abomodelle und Bezahlschranken entwickeln, obwohl es schon so vieles gibt, was funktioniert? Braucht es noch mehr Analysen, die vorhersehen, wo sich welche Werbeanzeige am besten platzieren lässt? Und was haben Online-Shops und Rubrikenportale eigentlich überhaupt mit Journalismus zu tun?