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Ist es Wahnsinn, für Frieden nach Syrien zu laufen?

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Artikel & Podcast — 12 Minuten

Ist es Wahnsinn, für Frieden nach Syrien zu laufen?

20. Dezember 2016
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Im Jahr 2017 wollen sie die Flüchtlingsroute rückwärts laufen: Zu Weihnachten starten Europäer und Geflüchtete einen Friedensmarsch über 3.000 Kilometer von Berlin nach Aleppo.



Es ist nicht Anna Alboths Schuld, dass nicht schon früher gehandelt wurde. Die junge polnische Journalistin und Mutter von 2 Kindern spricht hastig im Skype-Interview, denn sie hat nur wenig Zeit zwischen den vielen Medienterminen, aber viel zu erzählen; über ihre Frustration, die Wut im Bauch und ihren Tatendrang: »Als ich noch ein Kind war, erzählte mir meine Großmutter vom Zweiten Weltkrieg, den Kriegen in Bosnien und Ruanda. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass Leute auf der ganzen Welt wissen, dass etwas so Schlimmes passiert, und nichts dagegen tun.«

Anna Alboth sammelte Schlafsäcke für Geflüchtete in Berlin – Quelle: Anna Alboth copyright

Doch seit 6 Jahren schaut auch sie nur zu, wie der Krieg in Syrien tobt. In ihrer Wahlheimat Berlin half Alboth so gut sie konnte: Sammelte Spenden für Flüchtlingsunterkünfte und nahm im letzten Jahr einen geflüchteten Syrer in ihre Familie und ihrer Wohnung auf. Anschließend fand der Syrienkrieg für sie nicht mehr nur weit weg von Deutschland statt, sondern auch direkt in ihrer Küche: »Ich hörte unserem syrischen Freund zu, wenn er am Küchentisch mit seiner Schwester in Aleppo telefonierte. Das berührte mich sehr. Ende November war ich dann an einem Punkt angelangt, an dem mich die grausamen Nachrichten aus Aleppo in den Wahnsinn trieben.«

»Ein Selbstmord-Marsch nach Aleppo?«, titelt das Online-Portal »The Daily Beast« (englisch) Wahnsinn nennen einige Journalisten das, was Alboth jetzt plant: Auf Facebook startete sie die Kampagne Hier geht es zur Facebook-Gruppe des Friedensmarschs (englisch) »The Civil March For Aleppo« – ein Friedensmarsch, der am 26. Dezember von Berlin in Richtung Aleppo starten soll. Hier können sich Teilnehmer für den Friedensmarsch anmelden (englisch) Knapp 2.500 Teilnehmer aus ganz Europa und Syrien haben sich für den Marsch angemeldet. Dass die zweitgrößte syrische Stadt mittlerweile wieder in der Hand des Assad-Regimes ist, ändert nichts an Alboths Motivation, dorthin zu gehen: »Ich weiß, es hört sich naiv an, aber ich will, dass Zivilisten in Aleppo und überall in Syrien Zugang zu humanitären Hilfen haben.«

Friedensmarsch nach Aleppo

Unter weißen Flaggen wollen die Aktivisten von Deutschland aus nach Tschechien, über Österreich, den Balkan und Griechenland in die Türkei – die Flüchtlingsroute rückwärts also. 3,5 Monate soll der Marsch dauern, bis zur syrischen Grenze. Und dann? Einfach mit einer Gruppe ausländischer Friedensaktivisten, wie viele es auch sein mögen, die Grenze übertreten? Alboths Antwort ist kurz und ehrlich: »Wir wissen jetzt noch nicht, was dort passieren wird. Wir werden es herausfinden müssen.«

Den Friedensmarsch sieht Anna Alboth als längst überfällige Antwort auf die Hilferufe aus Syrien in sozialen Medien. Dort beschrieben Syrer die Brutalität und Zerstörungskraft, mit welcher russische Bomben oder radikal-islamistische Kräfte in ihren Alltag eindrangen. Welche Zeugenberichte, Bilder und Videos echt sind, kann Alboth nur schwer überprüfen, und so filtert sie für sich die kleinstmögliche Wahrheit heraus: »Ich selber habe einen journalistischen Hintergrund und vertraue den Bildern aus Aleppo nicht. Auch die Echtheit der Bilder der Hilfsorganisation »Die Weißhelme« in Ost-Aleppo werden immer wieder von syrischen und russischen Medien kritisiert Wir wissen, dass viel manipuliert wird. Dennoch bin ich mir sicher, dass dort Krieg ist und dass dieser Krieg falsch ist.«

Sackgasse Syrien

Alboths Medienkritik ist berechtigt: Der Syrienkrieg gilt heute als einer der medial undurchsichtigsten Kriege der Neuzeit, gerade weil so viel ungeprüft berichtet und dann über soziale Medien, aber auch renommierte Nachrichtenseiten geteilt wird. Jeder kann heutzutage mit seiner Handykamera filmen. Dieses Filmmaterial kann so ungeprüft im Internet landen und sich über soziale Medien rasend schnell verbreiten. Da während des Syrienkrieges nur wenige unabhängige, ausländische Journalisten in die Rebellengebiete reisten, mussten internationale Medien meist auf Bildmaterial von Bürgerjournalisten vor Ort zurückgreifen. Das Verifizieren dieses Materials ist aufwendig. So passierte es auch, dass das ZDF angebliche Folterbilder des syrischen Regimes ausstrahlte, die ursprünglich aus dem Irak stammten. Das Resultat: Ein Journalismus des Konjunktivs, der Analysen mit Meinungen vermischt. Westliche und russische Medien beschuldigen sich gegenseitig der Manipulation in der Syrienberichterstattung. Hier einmal die Anschuldigungen des »Guardian«, der von russischer Medienmanipulation spricht, und im Vergleich dazu der Vorwurf des russischen Senders »Russia Today«, dass westliche Medien die Berichterstattung zugunsten der Rebellen verfälschen würden. Gleichzeitig ist der Syrienkrieg dennoch oder gerade deswegen einer der Bürgerkriege, der großes internationales Interesse erhält. Ein Eine Zusammenfassung der BPB über die Rolle der Medien in den großen Kriegen des letzten Jahrhunderts mediales Hochkochen wie schon im Vietnamkrieg vor 50 Jahren. Auch damals flimmerten unzensiertes Filmmaterial und Hintergrundberichte der Gräueltaten gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung weltweit über die Mattscheiben.

Diese massive Berichterstattung löste einen internationalen Aufschrei aus. Ob in Westeuropa oder den USA, mit dem Einmarsch der Amerikaner in Vietnam 1964 begannen Massenproteste, bei denen Hunderttausende von Menschen gegen den Krieg auf die Straßen gingen. Die Antikriegsbewegung setzte sich auch für die Aufnahme von Geflüchteten aus Südvietnam, der sogenannten Hier erfahrt ihr mehr über die vietnamesischen »Boat People« »Boat People«, ein. Ähnlich große Solidarität zeigt sich in Deutschland seit 2015.

Eine Demonstration gegen den Vietnamkrieg in Iowa, 1960 – Quelle: Alan Light CC BY

Eine aktive und kontinuierliche Antikriegsbewegung hat der Syrienkrieg jedoch noch nicht provoziert. Aktivisten forderten bisher mit vereinzelten Medienkampagnen, Demonstrationen und Petitionen ein Ende der Gewalt. Ein frommer Wunsch gegenüber den Mächtigen dieser Welt, die in Syrien seit 2011 einen Stellvertreterkrieg führen und mit viel Geld, aber auch direkt mit Waffen, Munition und Kämpfern die verschiedenen Kriegsparteien unterstützen. Warum diese Einmischung? Syrien liegt in einer metaphorischen Goldgrube inmitten der an Öl und Rohstoffen reichsten Region in Vorderasien und ist ein strategischer Knotenpunkt, über seine Mittelmeerküste quasi das Tor zum Nahen Osten. Der Syrienkrieg ist also auch ein PD-Gastautor Ulrich Krökel hat sich angeschaut, was eine Annäherung zwischen Russland und Trump auch für den Krieg in Syrien bedeuten könnte Ost-West-Konflikt in den Grenzen des arabischen Staates. Jochen Grimm von den Krautreportern gibt einen Überblick über die Konfliktparteien Ein kurzer Überblick über die größten geopolitischen Konfliktparteien:

  • Pro-Assad-Lager

    Die wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Assad sind China, der Iran und Russland. Mit China verbindet Syrien eine lange wirtschaftliche und ideologische Beziehung: Syrien ist eine demokratisch-sozialistische Republik. Der Iran wiederum will die geografische und ebenso religiös-ideologische Achse Iran–Syrien–Libanon schützen. Das sind die Anrainerstaaten, in denen jeweils schiitische Kräfte Die Schiiten stellen nach den Sunniten die zweitgrößte Konfession des Islams. Der Bruch zwischen den beiden Konfessionen geht auf einen Streit um die rechtmäßige Nachfolge des Propheten Mohammed zwischen dessen Schwiegersohn Ali und Schwiegervater Abu Bakr zurück. an der Macht sind oder viel Macht besitzen. Russlands Motive sind vielschichtig. Das syrische Regime ist sein letzter militärischer Verbündeter in der Region, ohne den Russlands Einfluss im Nahen und Mittleren Osten sowie im Mittelmeerraum schrumpfen würde.

  • Anti-Assad-Lager

    Die USA und die Golfstaaten unterstützten sunnitische Kämpfer seit dem Beginn der Aufstände. Vor allem Saudi-Arabien ist im ständigen Wettkampf mit dem schiitischen Iran um die religiöse und politische Vormachtstellung in der Region.

  • Der Opportunist

    Die Türkei unterstützte lange Zeit syrische Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime. Das änderte sich, als Ein Überblick im »Spiegel« über die verschiedenen kurdischen Milizen in Syrien und Irak kurdische Milizen im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat mehr und mehr Boden gewannen. Einen Machtzugewinn, vielleicht sogar eine Autonomie der Kurden in Syrien kann Ankara nicht akzeptieren, da Präsident Recep Tayyip Erdoğan fürchtet, dass dadurch die in der Türkei ansässigen Kurden in ihren Autonomiebestrebungen gestärkt werden.

Krieg als Tabu

Was hätte nun eine Friedensbewegung diesen geopolitischen Interessen und Großmächten entgegenzusetzen, um den Krieg in Syrien zu beenden? Sie übt keine Macht im Sinne einer großen Interessenpolitik aus, sondern setzt an einem ganz anderen Punkt an: Der verstorbene Friedensaktivist Howard Clark beschreibt in diesem Artikel die Machtverhältnisse, die eine erstarkende Bewegung berücksichtigen sollte (englisch) Friedliche Bewegungen streben nicht nach der Macht über die Mächtigen, sondern tabuisieren den Krieg an sich und fordern die Existenzberechtigung des Friedens ein. So zumindest die Theorie.

Krieg als Tabu Im Zusammenhang mit Krieg über Tabuisierung zu sprechen, geht auf heutige Analysen des Kalten Krieges und der Verwendung von Atomwaffen zurück. Die Professorin für Internationale Beziehungen Nina Tannenwald an der Brown Universität schrieb das Buch »The Nuclear Taboo«. In einem Interview erklärte sie: »Das Tabu ist ein normatives Verbot der Verwendung von Atomwaffen. Es ist mit einem Gefühl der moralischen Schande in Bezug auf solche Waffen verbunden.« Der Grund, weshalb sich dieses Tabu festigen konnte, sieht sie unter anderem in der globalen Anti-Atomwaffen-Bewegung und in der antinuklearen Politik der Vereinten Nationen. Den Krieg an sich zu tabuisieren, bedeutet also nicht, ihn im Sinne der Tabudefinition zu verschweigen, sondern ihn als moralisch abstoßend zu empfinden und so Gewalt als Mittel der Politik zu delegitimieren. ist ein starkes Leitmotiv der internationalen Friedensbewegungen des letzten Jahrhunderts und darüber hinaus. Der Angriff auf die Kriegskultur hat dazu beigetragen, dass Krieg von einer erstrebenswerten Projektion der Stärke seiner Protagonisten, einem Symbol für Ehre, Männlichkeit und Ruhm Der Historiker Robert O. Self vertritt die These, dass der Vietnamkrieg die traditionelle Männlichkeitssymbolik des amerikanischen Soldaten in Frage stellte zu einer moralisch verwerflichen Aktivität geworden ist. Sogenannte Friedensgesellschaften waren schon seit dem 19. Jahrhundert aktiv. Ihr Engagement legte den Grundstein für die ersten Frederik v. Paepcke plädierte für das Völkerrecht Völkerrechtsverträge zur Wahrung der internationalen Menschenrechte.

Wichtiger Motor für die Friedensbewegung damals war die Weiterentwicklung der medialen Darstellung: Link zum Buch »Der Krimkrieg als erster europäischer Medienkrieg« Mit der Erfindung der Fotografie konnten Zeitungsleser erstmals das Grauen des Krieges sehen. Die Berichterstattung schaffte somit ein neues öffentliches Bewusstsein von den Auswirkungen des Krieges vor Ort, das in die Friedensbewegungen des 20. Jahrhunderts getragen wurde.

Die Menschen in den Industrieländern leben heute in einer der friedlichsten Zeiten der Geschichte, mit den wenigsten Kriegen und durch sie verursachten Toten. Eine kritische Besprechung im »Guardian« zu der Forschung des Evolutionspsychologen Steven Pinker, der Gewalt und Krieg in der Welt von heute und morgen abnehmen sieht Dieser Ab- oder, wenn man will, Aufwärtstrend zeigt sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute und weltweit. Mit dem Syrienkrieg steigen die Kriegstoten-Zahlen jedoch wieder an. Dort kamen laut Schätzungen zwischen 200.000 und 450.000 Menschen ums Leben. Die Anzahl der Kriegstoten in Syrien variiert je nach Beobachtungsstelle. So geht die NGO »Syrian Network for Human Rights« in Großbritannien im November 2016 von 203.097 getöteten Zivilisten durch verschiedenste Konfliktparteien in Syrien aus. Die ebenfalls in Großbritannien ansässige »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte«, die von dem oppositionsnahen Aktivisten Osama Suleiman betrieben wird, spricht von 450.000 zivilen und militärischen Opfern seit März 2011.

Wer wird für den Frieden aktiv?

Sich heute friedlich gegen den Syrienkrieg zu positionieren, könnte nicht nur helfen, das aktuelle Leid zu beenden. Es gilt auch, das gesellschaftliche Tabu des Krieges wieder stärker zu verankern. Aus dieser Sicht wäre es für den Erfolg des Friedensmarsches von Berlin nach Aleppo gar nicht entscheidend, ob die Kämpfe in Syrien durch die Aktion selbst gestoppt werden könnten. Es geht vielmehr darum, der Gewalt als Mittel der Politik eine klare Absage zu erteilen und dem Handeln aller Kriegsparteien die Legitimation abzusprechen. Mit seinem unübersichtlichen Netzwerk aus Akteuren und Interessen bietet der Syrienkrieg damit der Friedensbewegung die Chance, neue Dialoge und Antworten auf die Herausforderung des Krieges zu finden. Dazu trägt auch bei, dass durch die Flüchtlingsfrage der Konflikt inzwischen eng mit vielen innen- und europapolitischen Fragen verknüpft ist. Entscheidend für den Erfolg wird daher sein, welche Motivationen die Teilnehmer mit auf den Weg nehmen.

»Wir wollen uns bewusst nicht politisch positionieren und auch keine Banner von NGOs bei uns tragen. Dieser Marsch soll jedem offenstehen«, sagt die Organisatorin des »March for Aleppo«. Die Idee eines Friedensmarsches könnte auch in Anna Alboths Heimat Polen gut ankommen, wo Das fand die polnische Tageszeitung »Rzeczpospolita« bei einer nicht repräsentativen Umfrage heraus eine Meinungsumfrage im Juli ergab, dass sich 70% gegen die Aufnahme von Geflüchteten aus muslimischen Ländern aussprachen. Wenn tatsächlich ein echter Frieden in Syrien einkehre, hätten die Geflüchteten wieder eine Perspektive in ihrem Land und sind umgekehrt keine Kriegsflüchtlinge mehr nach der Genfer Konvention. Dass konservative Kräfte den Friedensmarsch deshalb unterstützen könnten, davon hat auch Anna Alboth gehört: »Dieses Argument funktioniert sehr gut in Polen, weil es genau das ist, was viele wollen! Was ich aber zeigen möchte: Wir können verschiedene Nationalitäten und Motivationen haben, aber wir einigen uns auf eine Sache: Der Krieg in Syrien ist falsch!«

Ein zweischneidiges Schwert: Mehr Menschen mit verschiedenen politischen Ausrichtungen unter einem solch hohem Ziel zu vereinen, braucht eine effektive Debattenkultur. Etwas, was Friedensaktivisten oft nicht ausreichend bedienen können. Ein Beispiel hierfür sind die deutschen Friedensmahnwachen, bei denen sich 2014 mit den Teilnehmern ein breites politisches Spektrum versammelte. Dabei kritisieren Journalisten und Aktivisten immer wieder Über die neuen politischen Querverbindungen und die Kritik an ihnen berichtete der Bayerische Rundfunk die unkritische Haltung gegenüber rechten Meinungsäußerungen in den Demonstrationen. Einige Friedenaktivisten wiederum argumentieren, dass »Wenn man mit Rechten Leute meint, die rechts wählen, muss man sagen: Ja, die waren dabei. Na, und?«, fragt die Friedensaktivistin Katrin McClean im Interview Wähler rechter und linker Parteien durchaus gemeinsam für den Frieden auf die Straße gehen könnten, auch um erst einmal in Kontakt zu kommen.

»Keine Hate-Speech, keine Kriegshetze, keine politische Propaganda« fordern die Organisatoren des Friedensmarsches von den Teilnehmern –

Der Friedensmarsch könnte also auch ein wichtiges Forum für Diskussionen über Kompromisse zwischen progressiven und konservativen politischen Akteuren in Europa sein. Ob sie sich ihm anschließen, wird der Auftakt in Berlin zeigen. Was die Veranstalter aber jetzt schon wissen: Viele syrische Geflüchtete in Deutschland, aber auch in der Türkei wollen mitmarschieren. Welche politischen Interessen und Lösungen sie für Syrien sehen, wird für Gesprächsbedarf sorgen. Ein sensibler Punkt ist, dass die Friedensbewegung klarstellen muss, dass die Toten aller Seiten gleich viel zählen. Inwiefern der Friedensmarsch diese Funktion tatsächlich erfüllen kann, wird sich zeigen. Momentan konzentriert sich Alboths Team mit Mitgliedern aus 12 Ländern größtenteils auf die Organisation des Marsches. Dazu zählen Ausrüstung, Verpflegung, Unterkünfte, Öffentlichkeitsarbeit und die Routenplanung. »Bis zur syrischen Grenze gilt unser Unterfangen nicht als illegal. Dafür organisieren und registrieren wir den Marsch mit Anwälten, Organisationen und der Polizei in allen Ländern, die wir durchqueren werden«, erklärt Alboth.

Durch die Solidaritätskundgebungen in vielen europäischen Städten und weltweit seit der Rückeroberung großer Teile Ost-Aleppos könnte der Friedensmarsch noch einmal mehr Unterstützer bekommen. Das weiß auch Anna Alboth und versucht die Aufmerksamkeit für ihre Botschaft zu nutzen: »Für die Menschen in Aleppo ist es immer noch nicht sicher. Es gibt immer noch nicht ausreichend humanitäre Hilfen, die zu ihnen vordringen können. Die UNICEF zählte mit Ost-Aleppo 16 belagerte Gebiete in Syrien Außerdem geht der Kampf in 15 anderen belagerten Gebieten in Syrien weiter. Wir bekommen jetzt viel Aufmerksamkeit und informieren viele Menschen über den Friedensmarsch.«

Der Syrienkrieg ist zum wichtigsten Stellvertreterkrieg dieser Generation geworden. Politische, religiöse und wirtschaftliche Interessen vermengen sich hier und aktuell gibt es keine Anzeichen, dass ein Mangel an Geld, Munition oder Menschenleben den Konflikt in absehbarer Zeit beenden wird. Den Frieden zum Krieg bringen, auf diesem Weg betritt Anna Alboth Neuland, denn ein Erfolgsrezept für Frieden gibt es nicht: »In den letzten Jahren gab es keinen vergleichbaren internationalen Friedensmarsch. Also müssen wir unsere eigenen Erfahrungen machen.«

Titelbild: dpa/Mohammad Alaeddin - copyright

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