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Mit Chatbots gegen den Diktator

Victor ist Belarusse im polnischen Exil. Von dort unterstützt er den Kampf gegen Diktator Lukaschenko – mit ungewöhnlichen Mitteln.

4. Dezember 2020  5 Minuten

Für Victor war es, als sei er im Krieg gelandet. Militärfahrzeuge patrouillierten auf der Straße, Busse brachten Soldat:innen in die Stadt, die Polizei war plötzlich schwer bewaffnet. »Es gab keinen Kampf, der sich hochschaukelte, sie fingen direkt an zu schießen.« Victor berichtet vom 9. August 2020. An diesem Tag wurde in Belarus gewählt. Der amtierende Präsident Alexander Lukaschenko erklärte sich selbst mit deutlichem Abstand zum Wahlsieger – mal wieder. Lukaschenko ist seit 1994 im Amt. Mit der Wahl im August 2020 begann seine sechste Amtsperiode. Internationale Beobachter:innen zweifeln an diesem Wahlausgang, Stellungnahme des Europäischen Rats zu den Wahlen in Belarus (englisch, 2020) die EU erkennt Lukaschenkos vermeintlichen Sieg nicht an.

Kurz nach der Wahl hat Autorin Veronika Prokhorova erklärt, was in Belarus eigentlich los ist. Mit der Oppositionspolitikerin Maria Kalesnikava hat sie darüber gesprochen, wie Europa der Demokratiebewegung helfen könnte.

Noch am Tag der Wahl gingen im ganzen Land Zehntausende auf die Straße, um gegen Lukaschenko zu protestieren. Bis heute sind die Proteste nicht abgeebbt. Wenn du dich über die aktuelle Lage in Belarus informieren möchtest, kannst du zum Beispiel den Twitteraccounts von Hanna Liubakova oder Franak Viačorka folgen, die beide auf Englisch berichten.

Weil der Langzeitpräsident um jeden Preis an der Macht bleiben will, versuchte er, die Proteste im Keim zu ersticken. Erst mit gewaltsamen Übergriffen, dann mittels Massenverhaftungen. »Die Polizei hat gar nicht erst entschieden: Wer macht etwas? Sie haben einfach jeden von der Straße mitgenommen«, erzählt Victor. Trotzdem ging er demonstrieren. »Du hast in dieser Situation keine Angst, du bist nur schockiert.«