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Interview 

Diesen Winter nur zu Hause? So findest du einen Ausgleich

Dieser Physiotherapeut gibt dir 3 einfache Tipps, mit denen du noch heute loslegen kannst.

4. Dezember 2020  6 Minuten

Dieser Tage sind die Wege ins »Büro« kürzer geworden. Für viele Menschen bedeuten die aktuellen Coronamaßnahmen, dass das Büro das Zimmer nebenan ist oder der Beruf gerade auf Eis liegt. Ein Zustand, der noch bis Weihnachten anhalten könnte, denn die aktuellen Zahlen zeigen: Der Effekt der gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung gegen das Virus fällt nicht so aus wie erhofft.

Doch eine Verlängerung dieser verschärften Maßnahmen heißt auch, dass vielen Menschen die Tage daheim »richtig lang« werden. Dazu kommen die kälter werdenden Temperaturen, die uns sowieso mehr in der Wohnung halten.

Es herrscht ein Coronawinter.

Umso wichtiger, etwas zu tun, Wie du jetzt deine psychische Gesundheit am besten schützen kannst bevor einem »die Decke auf den Kopf« fällt. Vor allem ein sportlicher Ausgleich wäre gerade wichtig. Doch was, wenn auch die Eingangstüren von Schwimmbädern, Fitnessstudios und Yogasalons geschlossen bleiben?

Darauf hat Sebastian Brandt eine Antwort. Im Interview erklärt der Physiotherapeut und Achtsamkeitstrainer, wie wir in diesem Coronawinter trotz allem gesund und entspannt bleiben können.

Sebastian Brandt

Sebastian Brandt ist gelernter Physiotherapeut und arbeitet als Führungskraft im Gesundheitswesen. Außerdem ist er als Regenerationsberater und Achtsamkeitstrainer im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig.

Bildquelle: Schnepp Renou
Niklas Bub: Sebastian, normalerweise gehe ich jede Woche ins Fitness- oder Yogastudio. Was bedeutet es, wenn das jetzt wegfällt?
Sebastian Brandt: Routinen sind sehr wichtig. Aber wir müssen nicht jeden Tag joggen gehen, meditieren oder Yoga machen. Es genügen schon einfache, aber regelmäßige Pausen im Alltag. Wenn wir uns die nicht nehmen, akkumuliert unser Stress und kann auf Dauer zu innerlicher Unruhe, Angst und Überforderung führen. Diese Stressreaktion, die zum Beispiel die Aktivierung von stress-assoziierten Hirnregionen wie der Amygdala Als Teil des sogenannten Limbischen Systems gehören die beiden Mandelkerne (Amygdala) zu den ältesten Hirnregionen. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewertung und Verarbeitung von Angst und Gefahren. Neuere Studienergebnisse legen nahe, dass die Aktivität des Mandelkerns auch starken Einfluss auf unsere Motivation hat. Gemeinsam mit dem Hippocampus ist die Amygdala auch für unser emotionales Gedächtnis verantwortlich. und die Ausschüttung von Stresshormonen beinhaltet, kann dann auch zu psychosomatischen Reaktionen führen, wie Brustenge, Kopfschmerzen oder Nackenverspannungen.
Wie können wir das gerade in den aktuellen stressigen Zeiten verhindern?
Sebastian Brandt: Indem wir den Stress gar nicht erst akkumulieren lassen und indem wir den Spannungen immer wieder die Spitze nehmen. Es ist wichtig, Pausen zu machen, bevor wir das Gefühl haben, sie zu brauchen. Denn sobald ich Überreizungssymptome wahrnehme, ist es eigentlich schon zu spät. In diesem Zustand habe ich auch keine Lust mehr, mich zu etwas aufzuraffen. Viel besser ist es, regelmäßig Entspannungspausen einzuplanen.
Was meinst du mit Entspannungspausen?
Sebastian Brandt: Ich unterscheide gerne in Alltagsübungen und Minipausen. Alltagsübungen kann ich ständig machen, ohne zusätzliche Zeit zu brauchen. Das ist zum Beispiel achtsames Kaffeetrinken, wo ich kurz alles andere ausschalte und mich mit allen Sinnen meinem Kaffee widme.
Also Smartphone und Laptop beiseitelegen und bewusst Pause machen. Ist das nicht gerade für Menschen im Homeoffice schwierig?
Sebastian Brandt: Alltagsübungen lassen sich prima mit Arbeitsabläufen verbinden, zum Beispiel wenn das Telefon klingelt: Jedes Mal, bevor ich abnehme, atme ich einmal bewusst ein und wieder aus – und gehe dann erst ran.