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Lockdown 2: »Ich habe gelernt, mit der Zukunftsangst umzugehen«

Wenn es etwas gibt, was du dir 2020 noch anhören solltest, dann ist es die Musik der Sängerin Bernadette La Hengst. Sie macht Pop gegen rechts und singt über all das, was uns gerade umtreibt – bedingungsloses Grundeinkommen, Klimawandel, Systemrelevanz und Impfgegner:innen.

18. Dezember 2020  20 Minuten

Hallo, ich bin Katie Gallus und das ist »zeigen was geht«. Denn: Kritisieren kann jede:r, aber wer hat die Lösung? Wir treffen Menschen, die etwas bewegen möchten.

Heute spreche ich mit der »Agitations-Chanteuse« Bernadette La Hengst über die Kunst in Pandemiezeiten und darüber, warum sie auch gegen Coronaleugner:innen musikalisch Front macht.

Vor 30 Jahren ging es mit ihrer Musikkarriere in einer Frauenpunkband politisch los. Heute ist sie Solokünstlerin und komponiert Musik für Theaterprojekte. Gesellschaftskritische Themen bringt sie mit den Menschen auf die Bühne, die sie auch angehen: Im Theater Freiburg sang sie mit einem »Bettlerchor«, der aus ehemaligen Obdachlosen bestand, für soziale Gerechtigkeit. Im Theaterstück »Mehrheitsgesellschaft« trafen Senior:innen mit Fluchtgeschichte auf geflüchtete Jugendliche aus dem Irak, Syrien und Nigeria. Im Jahr 2018 sang sie auf der Bühne vor über 200.000 Menschen bei der großen »Unteilbar«-Demo.

Das Besondere: Ich spreche mit meinen Gästen nicht in einem Studio, sondern gehe mit ihnen zu Orten, die sie umtreiben. Deshalb treffe ich Bernadette in Berlin, im Haus der Statistik. Wer schon einmal auf dem Alexanderplatz stand, kennt den länglichen Gebäudekomplex mit den ausgeschlagenen Fenstern, das in der DDR als Statistikamt gebaut wurde. Hier probt auch Bernadettes »Chor der Statistik«, dem sich jede:r anschließen kann.


Podcast im Hinterhof kann losgehen: Katie moderiert, Juliane nimmt auf und derjenige, den du nicht siehst, aber hörst – Benjamin Moraru –, knipst fleißig Fotos.

Das Haus der Statistik erhebt sich gleich neben dem Alexanderplatz. 1970 fertiggestellt, war es das Statistikamt der DDR. Seit 2008 stand es leer, bis eine Kunst- und Kulturinitiative dem klobigen Bau wieder Leben einhauchte. Auf dem Dach prangt jetzt der Schriftzug: Allesandersplatz.

Im Haus der Statistik wurden auf den bis zu 10 Stockwerken die Fenster ausgeschlagen, damit herunterfallendes Glas keine Passant:innen verletzt.

Mood 2020? Warum diese Skelettattrappe über den Hinterhof wacht, haben wir nicht herausgefunden.

Weil einige von euch lieber lesen als hören, bereiten wir den Podcast hier als bereinigtes Transkript auf. Heute lohnt sich das Zuhören aber doppelt und 3-fach, denn Bernadette La Hengst singt für uns. Auch Katie und Produzentin Juliane müssen am Ende musikalisch abliefern (und ihr auch). Übrigens: Diesen und andere Perspective-Daily-Podcasts kannst du auch in deinem Lieblingswebplayer bei Spotify, iTunes und vielen anderen Kanälen abonnieren.


Bernadette La Hengst stimmt uns im Podcast mit ihrem Lied »Grundeinkommen Liebe« ein: »Armut macht das Leben süß, süß-sauer wie ein Abschiedskuss und bitter wie Medizin. Die Krise hat mich in der Hand und fuhr mich beinahe an die Wand, nur fehlte mir das Benzin«

»Mein Portemonnaie ist immer leer, doch irgendwo krieg ich immer was zu essen her, ich bin ein Meister der Improvisation … Die Liebe ist wie freie Kunst, ich glaub nicht ans Geld, ich glaub an uns und unsere kreative Depression. Ich habe nie das, was ich brauch jenseits von diesem Geldkreislauf, mein Leben ist ein Skigebiet. Im Slalom fahr ich durch die Welt, ich suche Liebe auch ohne Geld und singe dir dieses Lied«
Katie Gallus: Bernadette, wie geht’s dir in diesen Zeiten der Pandemie?