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Der Fall Gamestop erklärt: Wie Kleininvestor:innen die Wall Street das Fürchten lehren

Tausende Nutzer:innen versuchen Kapitalriesen zu Fall zu bringen und eine Videospielkette zu retten. Milliarden US-Dollar stehen auf dem Spiel. Wir erklären die Ereignisse, sodass jede:r sie versteht.

1. Februar 2021  9 Minuten

Es war einmal eine angeschlagene Unternehmenskette, die Videospiele auf die alte Art verkaufte: auf physischen Datenträgern, in Läden. Doch immer mehr Menschen kauften ihre Produkte digital und direkt im Netz, und so kämpfte Gamestop schon lange ums Überleben. Dann kam das Jahr 2020, und mit dem Coronalockdown schien der Niedergang endgültig besiegelte Sache zu sein. Wie kreisende Geier am Himmel wetteten große Hedgefonds bereits auf den Untergang des Unternehmens.

So weit, so normal.

Dann schießt die Aktie im Januar 2021 urplötzlich in die Höhe – Die Tagesschau berichtet über die Kurssteigerungen (2020) verglichen mit dem Tiefstand im April 2020 um 2.800%. Über Nacht trendet das Unternehmen in allen sozialen Medien, Nachrichten weltweit berichten und sogar der Teslagründer und reichste Mann der Welt, Elon Musk, mischt mit. Am Ende ermittelt die Börsenaufsicht und 26.000 Anleger:innen klagen.

Keine Frage, was in der vergangenen Woche eskalierte, ist eine der spektakulärsten Geschichten der Finanzmärkte der letzten Jahre – die offenlegt, was mit der Finanzwelt ganz grundsätzlich nicht stimmt. Doch welches Problem das genau ist, darüber herrscht Uneinigkeit:

  • Das Heer an kleinen Investor:innen, die mit ihrer »Robin-Hood-Aktion« die großen, etablierten Hedgefonds ins Wanken gebracht haben, wollen es nicht mehr hinnehmen, dass die großen Fische auf ihre Kosten immer größer werden und sie zusehen müssen.
  • Die großen Fische hingegen halten es für unverantwortlich, Der umstrittene Börsenexperte Dirk Müller im Gespräch mit n-tv (2021) dass diese Leute das System destabilisieren, sich dabei selbst um Kopf und Kragen zocken und Risiken eingehen, die sie nicht verstehen.