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Reportage 

Kann ein Friedensmarsch unpolitisch sein?

Der Weg ist das Ziel: über 3.000 Kilometer von Berlin nach Aleppo. Reichen Europäern und Syrern 3,5 Monate, um zu klären: Muss ein Marsch für Frieden die Kriegstreiber verurteilen?

9. Januar 2017  10 Minuten

Teil 1: Ist es Wahnsinn, für Frieden nach Syrien zu laufen?

Eingewickelt in breite Wollschals und die Mützen tief ins Gesicht gezogen, lernen sich vor dem Bahnhof in der brandenburgischen Kleinstadt Mahlow am Morgen des 27. Dezembers 2016 knapp 20 Menschen aus europäischen und arabischen Ländern kennen. Polnisch, Arabisch, Englisch – selten werden hier vor dem altrosa angestrichenen Schaffnerhaus so viele Sprachen auf einmal gesprochen. Trotz des Sturms, der die knorrigen Linden auf dem Bahnhofsvorplatz beugt, und des immer wieder einsetzenden Nieselregens wollen die Versammelten an diesem Tag zusammen 20 Kilometer laufen – Meinen 1. Text zum Friedensmarsch gibt es auch zum Nachhören für den Frieden in Syrien.

Sie warten hier auf die anderen rund 80 Teilnehmer des Hier geht es zum Online-Auftritt des Friedensmarsches »Civil March for Aleppo«, die bereits am Vortag auf dem ehemaligen Flughafengelände Berlin Über den Startschuss berichtete unter anderem der Rundfunk Berlin-Brandenburg Tempelhof mit viel Medienpräsenz gestartet waren. Ins Leben gerufen hat den Friedensmarsch nach Syrien die polnische Journalistin Anna Alboth, die mit ihrer Familie in Berlin lebt. Zusammen mit ihrem Mann Thomas Alboth und Freunden aus Deutschland und Polen organisierte sie den Marsch über soziale Medien. Ihr Plan: Die Flüchtlingsroute in die umgekehrte Richtung laufen, über 3.000 Kilometer von Berlin über die Türkei nach Aleppo in nur 3,5 Monaten. Übernachtet wird in Turnhallen, Schulen, Kirchen und privaten Unterkünften. Die Route wird immer 2–3 Wochen im Voraus geplant.