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Schluss mit Whatsapp: Diese Messenger sind deine Alternativen

Whatsapp-Nutzer:innen müssen den neuen Geschäftsbedingungen zustimmen, wenn sie die App weiter problemlos nutzen wollen. Datenschützer:innen sind besorgt. 4 Apps, auf die du schon heute umsteigen kannst.

11. Mai 2021 –  3 Minuten

Viele Menschen können sich heute ein Leben ohne Messenger nicht mehr vorstellen. Über diese Apps werden Fotos geteilt, Videoanrufe getätigt und die Kommunikation mit Familie, Freunden oder sogar Berufskontakten aufrechterhalten. Weit die Nase vorn dabei hat Whatsapp – Der Digital 2021 Germany Report von WeAreSocial und Hootsuite hier in der Übersicht bei Messengerpeople (2021)80% aller Deutschen mit Internet nutzen es, Tendenz steigend.

Aber hast du dir schon einmal darüber Gedanken gemacht, wie sich die »kostenlose« App eigentlich finanziert?

Hier legt Whatsapp offen, wie Daten in der EU mit Facebook geteilt werdenDie kurze Antwort: Sie sammelt Daten für ihren Mutterkonzern Facebook.

Und um dies zu erleichtern, ändert Whatsapp nun die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) und bittet alle Nutzer:innen um Zustimmung. Auffällig dabei ist, dass das Unternehmen die Änderung offenbar mit aller Macht durchdrücken wollte. So kündigte es an, Kontos ohne Zustimmung zu sperren. Datenschützer:innen wurden hellhörig und fanden in den neuen AGBs widersprüchliche und unklare Passagen. So heißt es dort etwa »Whatsapp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.« Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar im Gespräch mit Standard.at (2021)Sie befürchten einen »rechtswidrigen massenhaften Datenaustausch« und sogar das, was in der EU eigentlich verboten ist: In Europa verbietet die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), dass Whatsapp die gesammelten und mit Facebook geteilten Daten für Werbezwecke weiterverwendet. Dies ist eine internationale Ausnahme – und Facebook seit dem Kauf von Whatsapp im Jahr 2016 ein Dorn im Auge. die Daten am Ende doch für Werbezwecke zu verwenden.

Facebook streitet das vehement ab. Auch mit der Aktualisierung habe das Unternehmen keinen Whatsapps Rückzieher in letzter Sekunde im Bericht bei T3N (2021)Zugriff auf die verschlüsselten Chats und Anrufe. Doch nach anhaltender Kritik machte das Unternehmen nun einen bemerkenswerten Rückzieher: Wer die neuen AGBs ablehnt, kann Whatsapp nun auch weiterhin verwenden. Man werde solche Nutzer:innen nur regelmäßig an die eigene Zustimmung erinnern – aktuell ist unklar, wie aggressiv und häufig.

Was bleibt, ist der Eindruck eines Unternehmens, das fieberhaft nach neuen Wegen sucht, die Daten der eigenen App nutzbar (und damit letztlich zu Geld) zu machen. Viele Nutzer:innen wollen sich das nicht mehr antun und wechseln aus Sorge um die eigenen Daten zu alternativen Messenger-Diensten, die nicht an einem datenhungrigen Megakonzern hängen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schreibt über den Zulauf bei Whatsapp-Alternativen (2021)Diese verzeichnen seit Anfang des Jahres starken Zulauf.

Hier sind die brauchbarsten davon:

Threema: »So sicher wie möglich, versprochen«

Wer Whatsapp nutzt, dürfte sich bei Threema gleich wie zu Hause fühlen, denn die Bedienoberfläche ist sehr ähnlich gehalten. Doch der Messenger der Schweizer Threema GmbH ist in großen Teilen als Open Source verfügbar. Das heißt, jede:r kann einen Blick unter die Haube werfen und überprüfen, wie der Dienst mit den Daten umgeht. Regelmäßige Überprüfungen, sogenannte »Audits« durch Fachleute, stellen sicher, dass das Versprechen der Entwickler:innen – den Messenger so sicher wie möglich zu machen – auch eingehalten wird. Dazu zählt etwa, dass Threema kaum Metadaten ausliest, also etwa den Standort des Smartphones. Dafür kostet Threema einmalig 4 Euro bei der Installation und dürfte wohl allein deshalb bisher kaum verbreitet sein. Wie Threema in Baden-Württembergs Bildungsplattform integriert ist (2020)Dafür hat der Messenger in Deutschland mit der Pandemie Anwendung in Behörden gefunden (etwa im Bildungswesen in Baden-Württemberg).

Empfehlenswert für: Open-Source-Fans und Gruppen, die gemeinsam umsteigen wollen

Signal: »Der Messenger, dem Snowden vertraut«

Die vielleicht bekannteste Whatsapp-Alternative hat einen prominenten Fürsprecher: den Whistleblower und Datenschützer Edward Snowden.

»Hier ist ein Grund [für Signal]: Ich nutze es jeden Tag und ich bin noch nicht tot. – Datenschützer und Whistleblower Edward Snowden

Wie bei Whatsapp braucht es hier die eigene Telefonnummer zur Identifizierung. Das Unternehmen dahinter aus den USA, die Signal Foundation, legt die Daten zwar auf Amazon- und Google-Servern verschlüsselt ab. Sie verspricht aber, dass sie selbst nicht auf diese zugreifen kann – selbst wenn der US-amerikanische Staat anklopft (»Zero-Knowledge-Prinzip«). Dazu implementiert der Dienst immer wieder innovative Sicherheitstechnologien, Wie Private Contact Discovery, Sealed Sender. deren Erklärungen es aber oft nur auf Englisch gibt. Die Finanzierung des Dienstes wird von einer Stiftung und Spenden sichergestellt, sodass er kostenlos angeboten werden kann.

Empfehlenswert für: Datenschützer:innen mit soliden Englischkenntnissen

Was ist mit Telegram?

Der vom russischen Facebook-Konkurrenten entwickelte Messenger ist in letzter Zeit durch diverse Anti-Corona-Gruppen in Verruf geraten. Entscheidender ist, dass bis heute unklar ist, wer die Telegram-Server betreibt. Untersuchungen von heise Security zeigen dazu, dass auch private Chats mitgelesen werden können. Die Ende-zu-Ende Verschlüsslung muss separat aktiviert werden und gilt nicht für Gruppen. Prädikat: unsicher und Finger weg davon.

Ginlo: »Nachrichten mit Selbstzerstörung«

Bisher eher unbekannt ist dieser Nachfolger der »SIMSme«-App der Deutschen Post. Das Unternehmen dahinter sitzt in München und bekräftigt in der Datenschutzerklärung, keine Daten an Server außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums zu übertragen. Das soll verhindern, dass sie in die falschen Hände geraten. Auch verzichtet der Messenger darauf, auf die eigenen Kontakte zuzugreifen, wenn dies jemand nicht will. Manche Kanäle des Messengers sind wie ein Newsfeed gestaltet, was die Kommunikation in Unternehmen erleichtern soll. Besonders interessant für sensible Nachrichten: Über eine einfache Option kann eine Nachricht (oder ganze Chatverläufe) mit einer Dauer versehen werden, nach der sie automatisch gelöscht wird.

Empfehlenswert für: Unternehmen, Paare mit Spaß an intimen Nachrichten

Briar: »Dezentrale Sicherheit per Darknet«

Wer ein besonderes Sicherheitsbedürfnis hat, etwa weil er empfindliche Informationen versendet und den Versprechen der obigen Messenger und ihrer Server nicht traut, kann selbst für noch mehr Sicherheit sorgen. Die freie Software Briar verbindet sich dazu über das Internet mit dem Tor-Browser, der auch den Zugang ins Darknet ermöglicht und aktiv Spuren verschleiert. Zur Registrierung sind keine persönlichen Daten nötig (auch keine Telefonnummer). Besonders interessant ist die Möglichkeit, ganz ohne Internet über sogenannte lokale Mesh-Netzwerke zu kommunizieren und dabei das Smartphone quasi in ein abhörsicheres Walkie-Talkie zu verwandeln.

Empfehlenswert für: Aktivist:innen, Journalist:innen

Was ist mit All-In-One-Messengern?

Früher gab es Messenger, die alle anderen unter einem Dach vereinten und mit dem Nachrichten-Dschungel Schluss machten. Doch moderne Verschlüsselung macht dem Konzept einen Strich durch die Rechnung. Dienste wie »Franz 5« oder »Rambox« versprechen dies zwar auch heute und werben mit Bequemlichkeit, sind aber kaum mehr als eine Fassade, hinter der die browserbasierten Zugänge der jeweiligen Anbieter stecken. Am Ende gibt man so also doch Whatsapp die Daten.

Tipp: Nur wenn du andere überzeugst, klappt der Wechsel …

Was nützt der sicherste und beste Messenger, wenn dort niemand ist? Deshalb solltest du nicht heimlich umziehen, sondern dies mit Freunden und Familie absprechen. Hier ein einfacher Mustertext, den du auf Whatsapp teilen kannst:

»Hallo ihr,

viele von uns haben wohl Whatsapp irgendwann einmal installiert und dann nicht weiter darüber nachgedacht. Viele von euch haben wohl auch in den letzten Tagen die neuen Nutzungs- und Datenschutzbedingungen von Whatsapp akzeptiert. Doch diese lassen leider einige Fragen offen – etwa was genau mit unseren Daten beim Mutterkonzern Facebook passiert. Mir persönlich reicht es jetzt einfach und ich wechsele zu einem anderen Messenger.

Du findest mich ab jetzt auf [Messengername] unter diesem Account [Accountname].

Der kann im Kern dasselbe, geht aber besser mit meinen Daten um. Vielleicht denkt auch ihr über einen Wechsel nach. Denn das einzige echte Argument für Whatsapp – hier sind halt alle schon – lässt sich nur entkräften, wenn viele etwas tun.«



Hier findest du die beiden anderen aktuellen Dailys:

Titelbild: freestocks - CC0

von Dirk Walbrühl 
Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.
Themen:  Technik   Internet  

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