15 Links

Jäger sucht Sau

Warum die deutsche Jagd besser ist als ihr Ruf. Was Wildschweine mit Artenschutz und globaler Erwärmung zu tun haben. Und wie man tiergerechter jagen könnte.

9. Februar 2017  14 Minuten

Beim Thema Jagd scheiden sich die Geister.

Ein Beispiel: Neulich hat mein 4-jähriger Neffe ein Foto per Whatsapp verschickt. Vom Handy seiner Mutter. An alle Eltern der »Marienkäfer-Gruppe« seines Waldkindergartens. Meine Schwägerin merkte es erst, als sie ein vorwurfsvolles »?« auf ihrem Handy entdeckte und nach oben scrollte. Das folgende Bild hatte ihr Spross unwissentlich ins digitale Nirwana entlassen (bitte genau betrachten):

Nach der Jagd wird das Wild zeremoniell »verblasen«. Hier zu sehen: 2 Wildschweine und 1 Reh. Im Hintergrund 6 Treiber. Am Rande der »Strecke« außerdem 4 Kinder, denen die toten Tiere nichts auszumachen scheinen. –

Welche Emotionen ruft dieses Bild hervor? Ekel oder Mitleid angesichts der toten Tiere? Befremden oder Empörung, dass Kinder einer solchen Situation ausgesetzt werden? Vielleicht sogar Wut?

Für mich zeigt das Bild eine völlig normale Szene. Im Freundes- und Familienkreis kursieren häufig Bilder erlegter Tiere, die regelmäßig mit einem anerkennenden »Waidmannsheil!« quittiert werden. Mich erinnert das Bild an Heimat.

»Die wenigsten Menschen wollen es wahrhaben, und doch ist es in deutschen Wäldern blutige Realität: 320.000 Jäger bringen jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere ums Leben.« – abschaffung-der-jagd.de

Ich bin wie die Kinder auf diesem Bild aufgewachsen, habe als Jugendlicher auf Jagden mitgetrieben und mit 15 meinen Jagdschein gemacht. Auf dem Land ist die Jagd, der wohl älteste Brauch der Menschheit, für viele ein Selbstverständnis – und gehört auch zum gesellschaftlichen Leben dazu. Das hat mich geprägt.