Don’t call it »Hilfe«!

Jedes Jahr reisen tausende junge Menschen nach Afrika, Asien und anderswo hin, um dort freiwillig zu arbeiten. Hilft das vor Ort?

15. Februar 2017  13 Minuten

Stelle dir folgende Szene vor: Eine Lehrerin steht in einem Klassenzimmer vor 20 Schülern, die ihr still zuhören. Da klopft es, die Tür öffnet sich und 2 junge Leute aus einem anderen Land betreten das Klassenzimmer. Die Kinder sind abgelenkt, springen auf und freuen sich lautstark über den Besuch. Die Lehrerin sorgt noch einmal kurz für Ruhe, verabschiedet sich dann und überlässt den Unterricht den 2 Besuchern. Die schaffen es aber nicht, die Klasse wieder zu beruhigen. Wie auch? Sie haben keine pädagogische Ausbildung, keine Erfahrung im Unterrichten und befinden sich noch dazu in einer ihnen komplett Beispiel aus einer Studie über den Effekt von Kurzzeit-Freiwilligendiensten in Fidschi unbekannten Kultur.

Was würdest du denken, wenn das in einer Schule deiner Stadt Alltag wäre? Irrsinn! Das vielleicht gut gemeinte Engagement der Gastlehrer ist nicht nur nutzlos (es gibt ja eine Lehrerin), sondern stört sogar den wohlgeordneten Schulalltag der Kinder und damit deren Ausbildung. In vielen Ländern des Globalen Südens Mit diesem Begriff sind die Länder gemeint, die früher als »Dritte Welt« oder »Entwicklungsländer« bezeichnet wurden. Da diese Begriffe aber etwas (Ab)wertendes an sich haben, spricht man heute neutral vom Globalen Süden. Das Gegenstück dazu ist der Globale Norden, die »Industrieländer«. sind solche und ähnlich Szenen aber tatsächlich an der Tagesordnung. In der Rolle der wohlmeinenden Gastlehrer finden sich hauptsächlich

Titelbild: Linda Dreisen - copyright

von Isabell Ullrich 

Isabell Ullrich hat in Köln Medienwissenschaften studiert und 4 Jahre lang als Radiojournalistin gearbeitet, bevor sie nach Kamerun reiste. Nach ihrer Rückkehr wechselte sie in die Entwicklungszusammenarbeit zur Romero-Initiative in Münster.

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.