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Eines war in München sicher: Einer ist immer schuld

Egal ob Irakkrieg oder Krim-Annexion: Je nach Weltsicht ist der Sündenbock ein anderer. Begründen lässt sich das immer. Warum die Schuldfrage uns nicht weiterhilft.

23. Februar 2017  12 Minuten

Rafid Ahmed Alwan könnte »schuld« am Tod des 3-jährigen Alan Kurdi sein. Beide Namen kennen die wenigsten. Aber jeder kennt das Foto des ertrunkenen kleinen Alan, wie er leblos am Mittelmeerstrand liegt. Ein Sinnbild für das Versagen der Weltgemeinschaft.

Rafid Ahmed Alwan könnte über dieses Einzelschicksal hinaus für schier Unvorstellbares verantwortlich sein. Er ist möglicherweise »Königsmacher« von Trump, bescherte uns – das ist nicht ausgeschlossen – die Flüchtlingskrise. Mit Gewissheit war er ursächlich dafür, dass am vergangenen Wochenende auf der Website der Münchner Sicherheitskonferenz 53. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) Stephen Erlanger, Londoner Büroleiter der New York Times, über den größten Fehler der jüngeren Geschichte seiner preisgekrönten Zeitung Die New York Times hat mit insgesamt 119 Pulitzer-Auszeichnungen mehr Preise bekommen als irgendeine andere Nachrichtenorganisation. berichtete.

Rafid Ahmed Alwan könnte für Millionen Kriegstote und -verletzte die »Schuld« tragen. Für das Leid von Abermillionen Angehörigen. Für die Furcht und den Schrecken von Milliarden.

Ein Mensch soll all das angerichtet haben? Dieser »Beweis« lässt sich führen. Soweit man den Qualitätsmaßstab an Logik und Argumentation anlegt, der am vergangenen Wochenende auch bei der MSC galt. Dort allerdings im Indikativ, nicht im Konjunktiv.

Im Hotel Bayerischer Hof verfolgte ich vergangenes Wochenende, wie etliche Staatenlenker über Zukunft von EU, Ukraine, Syrien und vor allem über die allgegenwärtige Frage »Was sagen die USA zur NATO?« diskutierten.