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Reportage 

Müssen Terroristen ins Hauptprogramm?

Propaganda, Angst und Schrecken – Terroristen nutzen die Medien als Waffe. Journalisten können diesen Teufelskreis brechen. Aber nicht, indem sie weniger über Terror berichten.

1. März 2017  14 Minuten

Es ist Samstag, der 21. Januar 2017, kurz vor 23 Uhr. Auf den Gehwegen der Großstadt ist kaum ein Durchkommen. Junge Menschen sind auf der Suche nach der nächsten Party. Familien mit schreienden Kleinkindern schieben sich auf dem Nachhauseweg an ihnen vorbei. Aus den Radios der vorbeifahrenden Autos dudeln Folkloregesänge oder Popmusik. In dem Trubel geht ein junger Mann die Hauptstraße entlang. Er will nicht mit Freunden feiern oder essen gehen. Um seine Hüfte hat er einen Sprengstoffgürtel geschnürt. Eine 8-Kilogramm-Bombe, mit Schrapnell gefüllt. Vor einem gut besuchten Café macht er halt. Er hat sein Ziel erreicht.

Carol Malouf vor dem »Costa Coffee« in der Hamra Straße – Quelle: Juliane Metzker copyright

Dasselbe Café, 2 Wochen später: »Im Libanon ist es echt schwer, jemandem zu sagen: Los, spreng dich selbst in die Luft!«, sagt Carol Malouf. Die 38-jährige Journalistin schlürft ihren Kaffee im »Costa Coffee« in Beirut. Ihr Blick wandert zur Tür. Dort stand damals der Selbstmordattentäter, bereit, sich und den Gästen das Leben zu nehmen. Doch die große Katastrophe blieb aus. Soldaten und Polizisten Libanesische Sicherheitskräfte überwältigen Selbstmordattentäter (englisch)überwältigten den Mann, bevor er den Auslöser drücken konnte.

Carol Malouf kennt Terroristen, sogar persönlich. Seit Jahren berichtet sie über Anschläge und Terrororganisationen in der arabischen Welt, interviewte Dschihadisten Der »Dschihad« beschreibt im religiösen Sinne eigentlich die Anstrengung »auf dem Wege Gottes« und ist damit per se gewaltlos. Der »Dschihadismus« hingegen ist eine militante Interpretation des »Dschihads«, die unter anderem auch die Gewaltanwendung gegen Ungläubige rechtfertigt. in Syrien und arbeitete als Beraterin in einem Anti-Terror-Programm der Vereinten Nationen. Und so liest sich ihre Biografie weiter: Ihr Fernsehdebüt war ein Interview mit dem Anführer der radikal-islamistischen Hamas im Gaza-Streifen, das zum Start des arabischen Fernsehsenders »Al Jazeera English« 2006 ausgestrahlt wurde. Nachdem Malouf den Sender verlassen hatte, war sie als freie Journalistin auch im Irak unterwegs. Dort schoss sie ein Scharfschütze des sogenannten Islamischen Staats an. Für ihre Besuche bei Terroristen Für international anerkannte Terrororganisationen gibt es keine offizielle Liste. Die Zur Liste der »Foreign Terrorist Organizations« geht’s hier (englisch)amerikanische Liste ausländischer Terrororganisationen führt aber unter anderem auch die »Al-Nusra Front«, die auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu Grunde legt. erntet sie viel Kritik, aber auch viel Anerkennung über die Grenzen des Libanons hinweg.