Der deutsche Film macht sich frei!

Die jungen Wilden des deutschen Kinos werfen alte Regeln über Bord. Die Bewegung des German Mumblecore improvisiert, rebelliert – und holt das echte Leben zurück auf die Leinwand.

2. März 2017  14 Minuten

Als Kind und Jugendlicher träumte ich häufig – und träume auch heute noch manchmal – filminduziert von einem anderen Leben: Als Held dem Guten zum Sieg verhelfen. Aber diese Traumwelt war stets mit ganz anderen Problemen bestückt als meine eigene, eben mit wirklich gravierenden Problemen. Da ging es um Leben und Tod, um Sieg oder Niederlage und nicht um den schiefen Blick der Schulkameradin, der einen aus der Bahn wirft, oder das Bier zu viel, das den eigenen Blick schief werden lässt. Der Traum von den großen Problemen machte mich hilflos gegenüber den kleinen. Damals dachte ich natürlich, es läge nur an mir, aber heute weiß ich: Es lag auch an den Filmen. Denn ich kenne heute Filme, die die kleinen Probleme auf großartige Weise bearbeiten.

Zum Beispiel die des »German Mumblecore«. Der Ursprung des Namens wird weiter hinten im Text ausführlich erläutert. Seit einigen Jahren zeigt eine Reihe junger Filmemacher Viele der Filmschaffenden sind weiblich. Der Text verwendet aber das generische Maskulinum, um die Lesbarkeit zu erhöhen und weil es so Standard ist auf Perspective Daily. der deutschen Filmbranche, wie man knackige Filme mit geringen Mitteln drehen kann. Dabei setzen sie auf Improvisation und den Fokus auf die First World Problems meist junger Großstädter. Außerdem zeigen sie dem Publikum, wie man eben diese Probleme anders denken kann – anders als es von vielen Mainstream-Filmen gelehrt wird. Mit einigem Recht kann man den German Mumblecore darum als die konstruktivste Bewegung im deutschen Film bezeichnen. Und mit dem Mumblecore-Tatort, der vergangenen Sonntag ausgestrahlt wurde, ist er auch auf der großen

Titelbild: missingFILMs - copyright

von Maximilian Becker 

Maximilian Becker ist am Obenkino in Cottbus beschäftigt. Vorher hat er Mathematik und Physik studiert und beim aka-Filmclub der Uni Freiburg gearbeitet. Er ist auf den Filmfestivals Europas unterwegs und war 2015 Juror in einer Nebensektion der Berlinale.

Themen:  Journalismus   Gesellschaft  

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