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Was die Niederlande über unsere Zukunft verraten

Schon wieder ist uns bang vor einer Wahl. Für mich als Niederländer ist das ein alter Hut.

14. März 2017  8 Minuten

Normalerweise kräht in Deutschland und international kaum ein Hahn danach, wenn in meiner Heimat gewählt wird – dieses Mal ist das anders. Ungezählte, häufig einseitige Artikel Forein Policy schreibt zum Beispiel, dass die Niederländer Angst hätten, dass Amerika sich in den niederländischen Wahlkampf einmische. Capital schreibt unter der Überschrift »Flower Power«, dass die Globalisierung für die niederländische Wirtschaft unverzichtbar sei; das stimmt nur teilweise. Generell fehlt mir in den meisten Artikeln die Einordung: Die große Mehrheit von ca. 85% stimmt nicht für Geert Wilders. wurden in den letzten Wochen über die Wahl in den Niederlanden geschrieben. Schuld daran ist die Faszination für einen der Kandidaten; für den Mann, dem nachgesagt wird, Politico schreibt dazu »The man who invented Trumpism« (englisch, 2017) er habe den Trumpismus erfunden. Ein Mann, der dafür sorgt, dass sich die anderen Parteien in ihrer Rhetorik nach rechts bewegen, und der sich gegen Europa stellt.

Das Phänomen Geert Wilders ist allerdings nicht neu. Als Niederländer, der seit 3 Jahren in Deutschland wohnt, bin ich nur noch selten daheim und hier noch immer Ausländer. Auch wenn das mit der Zugehörigkeit so eine Sache ist, habe ich so eine ungewöhnliche Perspektive sowohl auf meine Heimat als auch auf Deutschland. Jetzt, mit der Wahl in meiner Heimat und der Bundestagswahl in meiner Wahlheimat Deutschland in 6 Monaten im Blick, habe ich das Gefühl, ein Déjà-vu zu erleben: Das »plötzliche« Aufkommen von »Für das Volk, gegen den Populismus?«, fragt sich David Ehl Populismus, die Fokussierung auf Nativismus Häufig werden Nativismus und Populismus durcheinander gebracht. Nativismus beschreibt den Fokus auf die eigene Herkunft: »die Niederländer«, »die Deutschen« usw., die vor fremdem Einfluss geschützt werden muss. In den deutschen Medien vermisse ich diese Einordnung häufig. und ein heiß diskutierter Anti-Islamismus – das alles ist uns Niederländern bekannt. Weil wir das Anfang der 2000er schon einmal erlebt haben, lohnt sich ein Blick zum kleinen Nachbarn. Nicht nur für die Bundestagswahl in 6 Monaten, sondern auch für die Zukunft Deutschlands generell.