Warum denkst du, dass du recht hast?

Mit manchen Menschen lässt sich einfach nicht diskutieren. Ganz klar, du weißt, was Sache ist. Oder gaukelt dir dein Gehirn das nur vor?

21. März 2017  8 Minuten

Halte mal kurz inne und schaue entspannt auf den Bildschirm. Wir wollen eben deine Gedanken lesen und beginnen mit deiner politischen Position. Also:

Du bewertest deine politische Offenheit als angemessen. Du bist gewillt, über andere Positionen zu diskutieren, setzt dich aber stets für deine Werte ein. Bei den meisten politischen Debatten schätzt du Menschen, die links von dir stehen, als etwas naiv, zu idealistisch und realitätsfremd ein; sie tendieren deiner Meinung nach dazu, politisch überkorrekt zu sein. Menschen auf der anderen, rechten Seite deiner eigenen Position siehst du als egoistisch und ein wenig engstirnig. Du denkst, dass es ihnen an Mitgefühl für Menschen mangelt, die anders leben als sie, und dass sie deren alltäglichen Probleme nicht verstehen.

Und? Das Experiment beschreiben die beiden Psychologen Thomas Gilovich und Lee Ross in ihrem Buch »The Wisest One in the Room« (englisch, 2015) Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir in etwa richtigliegen. Wenn das jedoch für alle Leser gilt, haben dann alle Menschen, die diesen Artikel lesen, die gleiche politische Einstellung? Und alle anderen stehen dann links oder rechts? Wohl kaum …

Die Antwort ist viel einfacher. Du stehst mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in der Mitte, sondern irgendwo rechts oder links. In deiner Wahrnehmung bist du aber genau die Person, die vernünftig, objektiv und richtig ist.

Mit Illustrationen von Robin Schüttert für Perspective Daily

von Han Langeslag 

Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.


von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!

Themen:  Psychologie   Politik  

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