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»Möge Gott uns von den Männern erlösen!«

In Saudi-Arabien kämpfen Frauen für ihre Rechte. Dafür brauchen sie aber erst die Erlaubnis ihrer Männer.

23. März 2017  10 Minuten

Ausgerechnet 3 vollverschleierte Frauen sind das Provokanteste, was Saudi-Arabien in diesen Monaten zu bieten hat. Denn sie provozieren allein dadurch, dass sie in einem Musikvideo tanzen, Basketball spielen und Auto fahren. Für all diese Aktivitäten gibt es religiöse Rechtsgutachten, sogenannte Fatwas, die das Komitee für islamische Rechtsfragen erlässt. Eine Fatwa bezeichnet die durch einen islamischen Rechtgelehrten (Mufti) erstellte Hier gibt es Infos dazu, wer um eine Fatwa bitten und wer sie ausstellen kann Rechtsauskunft zu religiös-rechtlichen Streitfragen, die den Alltag von Muslimen betreffen. Das Ständige Komitee für Rechtsfragen ist eine beratende Institution in Saudi-Arabien. Das sunnitische Gremium wurde 1971 eingeführt und hat die Autorität, Fatwas auszusprechen.

Obenrum das schwarze Niqab, Niqab und Burka werden in der öffentlichen Debatte in Deutschland fälschlicherweise in der Regel nicht unterschieden oder verwechselt. Beides bezeichnet Kleidungsstücke zur religiösen Verschleierung von Frauen im Islam. Die Niqab bezeichnet einen Gesichtsschleier mit freiliegendem Augenbereich und wird insbesondere auf der arabischen Halbinsel getragen. Bei der Burka hingegen wird die Augenpartie mit einem engmaschigen Netz bedeckt. Sie ist besonders in Afghanistan verbreitet und dort meistens in blauer Farbe. an den Füßen bunte Chucks, parodieren die Hauptdarstellerinnen im Clip ihr von Männern bestimmtes Leben. Auch Donald Trump bekommt einen Auftritt als Pappfigur. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass das Patriarchat überall auf der Welt zu Hause ist. Deshalb der gesungene, gar nicht so fromme Wunsch: »Gott möge uns von den Männern erlösen!« Ein Internethit in Saudi-Arabien und weltweit, über 10 Millionen Mal wurde das Video mit dem Titel »Hwages« (auf Deutsch: »Bedenken«) bereits angeklickt.

Titelbild: Majedalesa - Hwages - copyright

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

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