Mut zur Grauzone

In »Sanctuary Cities« erhalten auch Menschen ohne Papiere Unterstützung. Könnte, was in Nordamerika bereits funktioniert, auch in deutschen Städten klappen?

14. Juli 2016  13 Minuten

»Nichts wie weg.« Das ist Serafim Manhices erster Gedanke, als das Auto, in dem er sitzt, auf der Petersburger Straße in Berlin angefahren wird. Mit einem verletzten Bein humpelt er von der Unfallstelle davon, bevor die Polizei kommt und seine Papiere prüfen kann. »Wieso läufst du weg?«, ruft ihm sein Chef hinterher, der mit ihm im Auto gesessen hat. Der andere Fahrer hat doch Schuld. Serafim Manhice läuft, weil er kein weiteres Mal in Abschiebehaft landen will, wo er zuletzt 6 Monate verbracht hat. Mehr als 20 Jahre sind seit dem Unfall vergangen.

Zu DDR-Zeiten war er als Vertragsarbeiter aus Mosambik nach Ostberlin gekommen. Bis der Arbeitsvertrag auslief und kurz darauf die Mauer fiel, arbeitete er als Schlosser. Danach lebte er über ein Jahrzehnt ohne Papiere in Berlin. Jeder Kontakt mit den Behörden hätte ihm zum Verhängnis werden können.

Schätzungen zufolge hat sich die Anzahl der Menschen ohne Papiere in Deutschland, auch »irreguläre Migranten« »Irreguläre Migranten« sind illegal in Deutschland, also ohne gültige Aufenthaltserlaubnis, Duldung oder Ähnliches. Dazu zählen auch jene, die die Grenze mit einem Visum passiert haben und nach dessen Ablauf einfach geblieben sind. Manchmal wird auch der Begriff der »illegalen Migration« benutzt, »illegale Migranten« kann es aber schon deshalb nicht geben, weil ein Mensch nicht per se illegal sein kann. genannt, in den letzten Jahren deutlich erhöht. Gut 57.000 Menschen wurden 2014 an bundesdeutschen Grenzen als »unerlaubt eingereist« registriert. Auch wenn die Zahl 1993 ähnlich hoch war (gut 54.000), hatte sich die Zahl seit 1998 fast kontinuierlich verringert; 2013 waren es »nur« etwas mehr als

Titelbild: MiguelRPerez /PD (bearbeitet) - CC0

von Gesche Loft 

Gesche hat Kulturwissenschaft und Amerikanistik studiert und einen Master in Soziokulturellen Studien gemacht. Einen Teil ihrer Studienzeit hat sie in Los Angeles verbracht.

Themen:  Osteuropa  

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