Wir können die Zwei-Klassen-Medizin nicht abschaffen, aber reformieren

Die Private Krankenversicherung steht vor großen Herausforderungen. Diese 4 Ideen könnten sie für die Zukunft stärken.

3. April 2017  13 Minuten

Die Zweiteilung des deutschen Gesundheitssystems in Gesetzliche und Private Krankenversicherung (GKV und PKV) ist in den vergangenen Jahren zunehmend kritisiert worden. Befürworter eines solidarischen Gesundheitswesens bemängeln die »Zwei-Klassen-Medizin«, während überzeugte Marktliberale den »Systemwettbewerb« zwischen GKV und PKV für ineffizient halten.

Eine Abkehr vom dualen Versicherungssystem ist aber nicht von heute auf morgen umzusetzen – weil die PKV einige strukturelle Besonderheiten aufweist. Obwohl beide Versicherungssysteme eigentlich eine ähnliche Funktion im Gesundheitswesen haben, sind sie sehr unterschiedlich organisiert. Somit stehen sie auch vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Privaten Krankenversicherungen sind:

  1. Wer versichert sich privat? Die Versichertenstruktur der PKV hat sich verändert.
  2. Geringe Zinsen fürs Alter: Die Altersrückstellungen, mit denen jüngere Versicherungsnehmer die steigenden Kosten im Alter finanzieren sollen, leiden unter den derzeit niedrigen Zinsen.
  3. Einbahnstraße für Ältere: Das PKV-Modell macht es älteren Versicherten fast unmöglich, den Anbieter zu wechseln.
  4. Fehlende Ausgabensteuerung: Krankheitskosten lassen sich nicht wirksam genug steuern.

Reformen der PKV werden oft als »Luxusproblem für Besserverdiener« betrachtet – ganz so einfach ist es jedoch nicht. Für derzeit fast 9 Millionen privat Versicherte in Deutschland ist die PKV ein bedeutender Zweig der sozialen Sicherung, der auf eine über 100-jährige Versicherungstradition zurückblickt.

Titelbild: Techniker Krankenkasse - copyright

Themen:  Gesundheit   Deutschland   Politik  

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