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Was Menschen im Jemen helfen könnte, kurz beantwortet

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Juliane Metzker

Was Menschen im Jemen helfen könnte, kurz beantwortet

7. April 2017

Weißt du, was im Jemenkrieg wirklich passiert? 10 akute Probleme und 9 Antworten im Faktencheck.

Eine stabile Internetverbindung ist ein Luxusgut im Jemen. Deshalb bricht die Stimme am anderen Ende der Leitung immer wieder ab. Mein Anrufer ist Jemenit und wohnt in der Hauptstadt Sanaa, in der seit 2,5 Jahren die Huthi-Milizen Die Huthis sind eine religiöse Bewegung und gehören der Minderheit des schiitischen Islams im Jemen an. Am 21. September 2014 nahmen Huthi-Milizen die Hauptstadt Sanaa ein und vertrieben die Regierung des Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. An ihrer Seite kämpft auch Ali Abdullah Salih, der ehemalige Präsident des Jemens. an der Macht sind und wo fast täglich Luftschläge der saudisch geführten Koalition niedergehen. Seinen Namen will er nicht öffentlich lesen, aus Gründen der Sicherheit. Für ihn gibt es zurzeit keinen Ausweg aus dem Jemen.

Hier ist es unverändert schlecht. Zivilisten sterben durch Luftangriffe. Es ist verrückt. Gleich hier neben meinem Haus gab es einen Schusswechsel. Meine Autoscheibe ging dabei kaputt. – E-Mail aus Sanaa, kurz vor Redaktionsschluss

Ich will von ihm wissen, wie es den Menschen dort geht. Über den Jemenkrieg habe ich bereits im Januar ein Interview »Viele wissen nicht einmal, ob Jemen ein Land oder etwas zu Essen ist« Interview mit dem Analysten Farea al-Muslimi geführt. Heute, gut 2 Monate später, sprechen die Vereinten Nationen bereits von der Der Welt droht die größte humanitäre Krise nach 1945. Hinweis: Verlinkte Artikel können verstörende Bilder beinhalten größten humanitären Krise weltweit. Was passiert und was kann getan werden? Klicke hier, um zwischen den 2 Versionen zu wechseln:

Was passiert: 10 Probleme

  1. Stimmt es, dass im Jemen eine Hungersnot herrscht?

    Ja, 4 große Hungersnöte haben die Vereinten Nationen für 2017 vorhergesagt, in Somalia, im Südsudan, in Nigeria und eben im Jemen. Im Vergleich zu Peter Dörrie im Interview »Warum wir gegen Hunger nicht mehr machtlos sind« Afrika, wo Zum Artikel »Hungerhilfe in der Krise« der SWP das System humanitärer Hilfen und Notfallreserven teilweise funktioniert, waren selbst die UN nicht auf Den »Yemen: Humanitarian Response Plan 2017« findet ihr hier (englisch) 7 Millionen Menschen im Jemen vorbereitet, denen jetzt der Hungertod droht. Vor allem Kinder leiden unter Mangelernährung, Durchfall und Atemwegsinfektionen. Mehr als 3 von 5 Jemeniten brauchen schon jetzt humanitäre Hilfe und Schutz – bei 27,4 Millionen Einwohnern sind das momentan 18,8 Millionen.

    Du brauchst Glück, um zu überleben. – Sanaa, 28. März 2017

  2. Warum leiden so viele Menschen an Hunger?

    Wer nicht viel hat, muss viel importieren. Über die Golfstaaten und den Seeweg kamen vor dem Krieg Zum Bericht des ThinkTanks »OpenDemocracy« über 2 Jahre Jemenkrieg (englisch) 90% der Grundnahrungsmittel ins Land. Eine Nachdem bei einem saudischen Luftschlag über 140 Jemeniten ums Leben gekommen waren, sollte die Seeblockade gelockert werden (englisch, 2016) Seeblockade durch Saudi-Arabien und die Behinderung von Hilfslieferung durch Kriegsparteien kappte eine wichtige Lebensader der Jemeniten. Außerdem geht den Menschen das Bargeld aus, sodass sie sich kein Essen kaufen können. Viele Löhne werden nicht mehr ausgezahlt, weil die jemenitische Zentralbank kaum noch über Reserven verfügt. Die Staatsreserven sind auf 700 Millionen US-Dollar zusammengeschrumpft. 2014 betrugen sie noch 4,7 Milliarden US-Dollar. Gehälter für Arbeitnehmer im Gesundheits- und Bildungswesen werden nur unregelmäßig ausgezahlt. 1,25 Millionen Staatsangestellte und ihre 6,9 Millionen Mitarbeiter – das sind fast 30% der Bevölkerung – bleiben ohne regelmäßiges Einkommen, während die Lebensmittelpreise um mehr als 30% gestiegen sind.

  3. Warum fliehen die Menschen nicht nach Europa?

    Die Antwort ist einfach: Es gibt kaum einen sicheren Weg in das Land hinein, folglich gibt es auch kaum einen hinaus. Gelegen an der Spitze der arabischen Halbinsel ist Jemen auf der einen Seite umgeben von Wasser. Im Golf von Aden wird manchmal Im März bombardierte ein saudischer Kampfhubschrauber ein Flüchtlingsboot mit somalischen Geflüchteten regelrecht Jagd auf Flüchtlingsboote gemacht. Auf der anderen Seite teilt sich der Jemen die 1.600 km lange Landesgrenze mit Saudi-Arabien, dem Kriegsfeind der Huthi-Milizen. Nach Oman, dem zweiten Anrainerstaat im Osten, sind laut dortiger Behörden nur 2.500 Jemeniten geflohen. 2.500 jemenitische Geflüchtete sollen sich im Oman aufhalten. Die Zahlen sind weitestgehend unbestätigt. Die Grenzen vom Oman sind nicht geschlossen, aber gut bewacht. Seit letztem Jahr wird an einem Zaun am omanischen Grenzübergang gearbeitet. Der kleine Staat hat seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft, um seine gerade einmal 4,4 Millionen Einwohner vor einem Übergreifen der jemenitischen Krise zu schützen. Das könnte auch daran liegen, dass zwischen den großen Städten im Westjemen und dem Oman über 1.000 km Gebirge und Wüste liegen. Innerhalb Jemens sind rund 2 Millionen Menschen auf der Flucht.

    Du kannst nicht vor dem Krieg wegrennen. Jemen fühlt sich wie ein riesiges Freiluftgefängnis an. – Sanaa, 28. März 2017

  4. Gibt es internationale Hilfen für den Jemen?

    2,1 Milliarden US-Dollar bräuchte es laut dem Der »Humanitarian Response Plan« (englisch, 2017) »Humanitarian Response Plan« der UN-Nothilfekoordination Das bestätigt der UN-Nothilfekoordinator (englisch) gerade einmal 8% davon wurden bis März überwiesen. Die benötigte Summe an Hilfsgeldern wird der Jemen voraussichtlich 2017 wie auch im Vorjahr nicht erhalten.

  5. Wer kämpft da überhaupt?

    Das kann hier nur verkürzt dargestellt werden. Wenn du tiefer eintauchen möchtest, dann findest du hier eine Auflistung der Kriegsparteien, die ich zusammengestellt habe. Der Kampf findet auf mehreren Ebenen statt: Angefangen beim Krieg der saudischen Koalition Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition aus afrikanischen und arabischen Staaten fliegt Luftangriffe auf Huthi-Stellungen. Sie verteidigt damit auch die saudisch-jemenitische Landesgrenze, von wo aus Huthi-Milizen Langstreckenraketen Richtung Saudi-Arabien abfeuern. und der jemenitischen Regierung Abed Rabbo Mansur Hadi ist seit dem 25. Februar 2012 das offizielle Staatsoberhaupt des Jemens, doch fehlen ihm Zuspruch aus der Bevölkerung und die Loyalität von Teilen der bewaffneten Kräfte. Nachdem er vor den Huthis aus Sanaa fliehen musste, erklärte er die Hafenstadt Aden im Süd-Jemen zur neuen Hauptstadt. Auch von dort ergriff er 2015 die Flucht und ging mit einem Großteil der jemenitischen Regierung ins Exil nach Saudi-Arabien. Derweil versuchte sein Vorgänger Salih die Macht zurückzuerobern und schloss sich mit den Huthis zusammen. gegen die Huthi-Milizen, die wiederum vom Iran und den Kräften des ehemaligen Präsidenten Salih unterstützt werden. Dabei greift nicht nur Saudi-Arabien die Huthis im Jemen an. Hier findet ihr Videos von Raketenabschüssen der Huthi-Milizen (englisch, arabisch) Die schiitischen Milizen zünden auch immer wieder Langstreckenraketen in Richtung der saudischen Hauptstadt Riad. Darunter liegt ein Bürgerkrieg, in dem verschiedene bewaffnete Gruppen im Land mitmischen.

    Seitdem der Staat in sich zusammengefallen ist, gibt es keine Sicherheit mehr. Du musst vorsichtig sein, wo du hingehst und mit wem du dich triffst. Es gibt viele Kriminelle, die plündern. Neben den Milizen ziehen bewaffnete Gangs umher. – Sanaa, 28. März 2017

  6. Wütet im Jemen ein Stellvertreterkrieg, ähnlich wie in Syrien?

    In Syrien wie auch im Jemen kann man nicht nur von Stellvertreterkriegen sprechen. Sicher ist, dass der Iran als schiitischer Gottesstaat die ebenfalls schiitischen Huthi-Milizen im Jemen unterstützt. Doch ob und wie viele iranische Waffen dorthin verschifft werden, ist nicht dokumentiert. Wie auch? Der Jemen hat eine 2.000 Kilometer lange Küste, an der allerhand Illegales an Land gelangen kann. Saudi-Arabien hat als sunnitischer Gottesstaat natürlich ein Interesse daran, den Einfluss der Schiiten in der Region zu schmälern.

    Dass sich Saudi-Arabien im Jemen einmischt, scheint für die internationale Gemeinschaft okay zu sein. Während der iranische Einfluss auf den Jemen als teuflisch bezeichnet wird. – Sanaa, 28. März 2017

  7. Was hat der Westen damit zu tun?

    Zahlreiche westliche Staaten profitieren vom Waffenimport nach Saudi-Arabien. In den letzten Jahren verkauften die USA und Großbritannien Peter Dörrie darüber, wie wir den Waffenhandel umstrukturieren können Waffen im Wert von 5 Milliarden US-Dollar an Saudi-Arabien. Das ist 10-mal mehr, als beide Staaten für humanitäre Hilfen im Jemen bereitgestellt haben. Wie du in der Grafik sehen kannst, verdient auch Deutschland viel Geld mit solchen Geschäften.

    Dass diese Waffendeals auch kündbar sind, zeigte der ehemalige US-Präsident Obama mit dem Dazu ein Artikel im »The Telegraph« (englisch, 2016) Stopp einer Waffenlieferung an Saudi-Arabien Ende 2016. Donald Trump plant, Dazu ein Artikel im »The Independent« (englisch) den Waffenverkauf wieder freizugeben.

  8. Gibt es im Jemen auch den IS?

    Ja, der sogenannte Islamische Staat verübt auch im Jemen seit 2014 Anschläge. Er befindet sich aber in Gesellschaft einer älteren Terrororganisation. Die sogenannte Al-Kaida in der arabischen Peninsula (kurz: AQAP) ist eine starke, bewaffnete Gruppe und ihre Kämpfer werden von vielen jemenitischen Stämmen respektiert. 2011 beanspruchte die Gruppe eine Region im Südjemen. Auf das Konto der AQAP ging auch Artikel zum Bekennerschreiben in der ZEIT der Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo 2015. Mit dem IS steht sie allerdings auf Kriegsfuß.

  9. Wer bekämpft die Terroristen im Jemen?

    Als Teil des »War on Terror« begannen die USA 2002, Positionen der AQAP im Jemen mit unbemannten Drohnen zu beschießen. Doch häufig treffen diese auch Zivilisten. Während der US-Präsidentschaft von Barack Obama kamen im Jemen bei Das »The Bureau Of Investigative Journalism« dokumentiert die US-Drohnenangriffe in vielen Ländern (englisch) bis zu 178 bestätigten Drohnenangriffen knapp 200 Zivilisten ums Leben. Unter Obama wurden 10-mal mehr Drohnenangriffe in afrikanischen und arabischen Ländern geflogen als unter seinem Vorgänger Georg W. Bush. Seitdem Donald Trump im Amt ist, soll sich die Frequenz der Drohnenangriffe und der Militäreinsätze mit Bodentruppen erhöht haben. Bei der ersten von ihm autorisierten Militäroperation am Erst im Februar räumte das US-Militär die zivilen Opfer ein 29. Januar 2017 sollen über 30 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter Frauen und Kinder. Auch ein US-Soldat war unter den Opfern.

  10. Warum ist so wenig über die Lage im Jemen bekannt?

    In den internationalen Medien wurde lange Zeit kaum über den Jemenkrieg berichtet. Analysten wie Farea al-Muslimi vermuten, dass dies auch an den geringen Flüchtlingszahlen liegt. Außerdem dürfen nur wenige internationale Journalisten in den Jemen einreisen. Sie kommen meist mit UN-Flügen am Flughafen in Aden an, der unter der Kontrolle der jemenitischen und saudischen Regierung steht. Im Januar schrieb mir al-Muslimi, dass Saudi-Arabien Journalisten die Einreise in den Jemen verweigere. Eine der wenigen ausländischen Korrespondentinnen vor Ort ist die britisch-irische Journalistin Iona Craig. Sie berichtete nach dem US-Militäreinsatz am 29. Januar aus der Al-Baida-Region. Hier könnt ihr den bildgewaltigen Artikel auf Englisch lesen: »Death in al Ghayil«.

    Es gibt viele Bürgerjournalisten hier. Aber sie können nicht objektiv sein. Jeder macht seine eigene Propaganda. Ich vertraue den internationalen Medien mehr. – Sanaa, 28. März 2017

Was tun: 9 Antworten

  1. Können mehr Hilfsgelder geschickt werden?

    Theoretisch schon. Das hängt von den Geldgebern, also großen Stiftungen und Regierungen, Die größten Spenden für den Jemen kamen aus Großbritannien, Deutschland, USA, Schweden und Japan. ab. Die Bundesregierung legt jährlich ein Haushaltsbudget für humanitäre Hilfen im Ausland fest, das Auswärtige Amt verteilt die Nothilfen. Soll es jetzt mehr für den Jemen ausgeben, müsste es an anderer Stelle kürzen. Es gäbe aber auch die Chance, einen Nachtragshaushalt zu stellen, also das Budget für Hilfen noch einmal zu erhöhen und 2018 dann zu sparen.

    Die Golfstaaten senden auch humanitäre Hilfen. Aber das reicht bei weitem nicht aus. – Sanaa, 28. März 2017

  2. Und das Geld stecken sich dann bewaffnete Gruppen und korrupte Politiker in die Taschen …

    Ja, das passiert. Es gibt sogar Beweise, dass humanitäre Hilfen auf diese Weise Dazu ein Artikel aus dem ZEIT-Archiv (1992) Konflikte auch länger am Leben halten. Aber der Jemen braucht trotzdem Geld, damit sich die Leute wieder Essen und andere wichtige Dinge kaufen können. Viele Hilfsorganisationen bieten »Cash for Work«-Programme an. Hier das Programm des Welternährungsprogramms »Cash For Work« oder ähnliche Programme funktionieren bereits in Afrika und in Landkarte der deutschen »Cash for Work«-Programme im Nahen Osten Anrainerstaaten zu Syrien, denn sie geben Gelder gezielt und direkt. Die britische Hilfsorganisation OXFAM betreut rund 35.000 Jemeniten in solch einem Programm (englisch) Für verrichtete Arbeit, meist im Entwicklungs- bzw. Bildungssektor als Lehrer oder Bauarbeiter, gibt es Gutscheine oder Bargeld mit der Freiheit, selbst zu entscheiden, was man kauft. Ein Nebeneffekt: Die Wirtschaft wird leicht angekurbelt.

  3. Und woher weiß ich, dass die Hilfsgelder überhaupt im Jemen ankommen?

    Internationale Hilfe habe sich zu einer Milliardendollar-Industrie erhoben, behauptet Die Journalistin Linda Polman kritisiert die Arbeit von Hilfsorganisationen scharf und liefert eine kontroverse Gegenperspektive (2010) die kontroverse Journalistin Linda Polman. Transparenz und die Möglichkeit, Organisationen zur Rechenschaft zu ziehen, sind unerlässlich. Hierfür gibt es Instrumente: Die Initiative Die Datenbank findet ihr unter »IATI DATA« (englisch) »International Aid Transparency« (IATI) oder die Organisation Datenbank »Publish What You Fund« (englisch) »Publish What You Fund« bewerten Hilfsorganisationen nach ihrer Transparenz. Kleiner Auszug aus der Datenbank: UNICEF legt regelmäßig Finanzberichte offen, deshalb haben sie die Note »sehr gut« bekommen. Der UN-Nothilfekoordinator (OCHA), der vor allem im Jemen Nothilfe leistet, schnitt 2016 mit »poor« in Sachen Transparenz ab und wird aufgefordert, bessere Unterlagen zu liefern.

  4. Gibt es sichere Regionen im Jemen?

    Über 2,9 Millionen Menschen leben in aktiven Kriegsgebieten. Es gibt keine offizielle »Schutzzone«, Innerhalb von UN-Schutzzonen dürfen sich keine Armeen und andere bewaffnete Truppen aufhalten. Nur Blauhelme dürfen dort für die Sicherheit und Versorgung von Zivilisten sorgen. Die erste Schutzzone der UN wurde 1992 in Jugoslawien errichtet. Trotz aller Bemühungen für den Schutz der Menschen innerhalb der Schutzzone kam es immer wieder zur Behinderung von Hilfstransporten und Angriffe auf Blauhelme. in die sie fliehen könnten. US-Präsident Trump und der saudische König Salman sollen aber bereits Reuters berichtete darüber (englisch) über militärisch geschützte Zonen im Jemen gesprochen haben. Das hätte die Kehrseite, dass Saudi-Arabien sich damit noch mehr Legitimation von Waffengebrauch im Jemen einräumen würde. Ein anderer Schritt wäre es, Da die Huthis nicht als Terroristen eingestuft werden, kann mit ihnen ein Waffenstillstand ausgehandelt werden (englisch, 2016) Feuerpausen für die Anlieferung von Hilfsgütern auszuhandeln.

    Es gibt einigermaßen sichere Gebiete für jemenitische Binnenflüchtlinge unter Huthi-Kontrolle, obwohl auch dort gebombt wird. Die Bomben treffen Brücken, Wege, die Wasserversorgung, sogar Fußballfelder und Hühnerfarmen. Das macht mich irre. Warum bombardiert man Hühnerfarmen? – Sanaa, 28. März 2017

    Die meisten Hilfen werden an der Westküste des Jemens benötigt. Über 2 Millionen Menschen haben die Vereinten Nationen bisher für die Nothilfe registriert.

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  5. Gibt es denn Wege, den Krieg zu beenden?

    Um den Krieg zu beenden, müssten einige Stellschrauben in Position gebracht werden:

    Mediatoren: Der Oman ist der stille und international unauffällige Vermittler im Nahen Osten. Er unterhält Ein Artikel über die Vermittlerrolle des Omans (2015) gute Verbindungen zum Iran und der schiitischen Huthi-Miliz. Der Oman unterstütze Saudi-Arabien im Kampf gegen den Terror, wie es in diesem Artikel heißt (englisch) Er unterstützt seit 2017 aber auch die saudische Allianz im Jemen, um die Sicherheit für das eigene Land zu gewährleisten. Obwohl er nun proaktiver in den Jemenkrieg eingreift, gilt er noch als potenzieller Vermittler. Das Vertrauen des Irans und der Huthis könnte er aber bald verlieren, wenn der Krieg andauert.

    Friedensverhandlungen: Die Huthi-Milizen (und alle anderen bewaffneten Gruppen) müssten erst Die Entwaffnung der Huthi-Militen ist die Grundbedingung für Friedensverhandlungen (englisch, 2016) ihre Waffen niederlegen, um Verhandlungen beizutreten.

    Auf Frieden vorbereiten: Gleich einem Mosaik setzt sich die ländliche Bevölkerung des Jemens aus vielen verschiedenen Stämmen zusammen. Um die humanitäre Krise abzuschwächen, sollten die Stämme in der Organisation der Hilfen und Entwicklungsarbeit mehr Verantwortung übernehmen. So würden Wie tribale Einrichtungen helfen können, den Jemen wiederaufzubauen, lest ihr hier (englisch, 2016) Stammesmitglieder auch aktiv an Prozessen der Aussöhnung mitarbeiten.

  6. Na dann, weg mit den Waffen!

    Wenn es nur so einfach wäre. Seit April 2015 gibt es ein Waffenembargo vom UN-Sicherheitsrat gegen die Huthi-Milizen. Beliefert sie der Iran, verstößt er gegen internationales Recht. Doch Reuters titelt zwar, dass der Iran mehr Waffen an die Huthis schicken würde, im Artikel werden aber keine klaren Beweise angeführt (englisch) die Quellenlage zum iranischen Waffenexport nach Jemen ist mau. Lägen die Informationen klar auf dem Tisch, könnten dem Iran neue oder die Verlängerung internationaler Sanktionen drohen. Ob das den Waffenschmuggel nach Jemen unterbinden würde, ist fraglich.

  7. Ich meinte, weg mit allen Waffen!

    Dass vorher noch keiner darauf gekommen ist … Wie wäre es mit ein bisschen mehr öffentlichem Druck? Vielleicht geben sie es ungern zu, aber was die Briten im Sommer 2016 aus Saudi-Arabien hörten, hatte Explosionspotenzial – leider im wahrsten Sinne des Wortes. Die saudische Luftwaffe hatte illegale Streubomben über dem Jemen abgeworfen, Hier findet ihr eine Aufstellung der im Jemen eingesetzten Waffen und ihrer Herkunftsländer (englisch) »Made in UK« in den 1970er-Jahren. Britische Journalisten berichteten direkt aus jemenitischen Gebieten, wo Streubomben eingeschlagen waren. Ihre Berichterstattung bekam Zuhause viel Aufmerksamkeit. Nicht nur hat Großbritannien seitdem seine Hilfen aufgestockt und den Verkauf von Präzisionsmunition an Saudi-Arabien gestoppt, im Februar begann In Großbritannien steht eine gerichtliche Überprüfung der Waffenverkäufe nach Saudi-Arabien an (englisch) eine gerichtliche Überprüfung der britisch-saudischen Waffendeals.

    Jemen ist ein Testfeld für neue und alte Waffen. – Sanaa, 28. März 2017

  8. Illegale Bomben, das ist doch ein Kriegsverbrechen. Kann Saudi-Arabien dafür verurteilt werden?

    Ja, die Drahtzieher können angeklagt werden. Aber solche Fälle landen HRW sieht keine Möglichkeit, Kriegsverbrechen im Jemen zu ahnden (englisch) selten vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Doch Überraschung: Wir können ein solches Verfahren tatsächlich auch in Deutschland durchführen. Dazu braucht es zuerst einmal einen Staatsanwalt, der klagt, und einen Richter, der die Klage annimmt. Versucht wird das bereits in In Deutschland haben 6 Anwälte Klage gegen Baschar al-Assad erhoben Deutschland, Ein spanischer Richter hat eine Klage gegen 9 syrische Sicherheitsbeamte angenommen Frankreich und Spanien gegen syrische Sicherheitsbeamte. Dann sollte das auch für saudische Kriegsverbrecher möglich sein. Frederik v. Paepcke erklärt hier, wie wichtig Saudi-Arabien sein Image in der Welt ist Sie könnten dann vor Gericht gestellt werden, sobald sie das Land, in dem geklagt wird, betreten.

  9. Haben wir etwas vergessen?

    Ja, etwas, was fast immer vergessen wird: Die junge Zivilbevölkerung. Vor allem Ein Blick zurück in das Jahr 2011 im Jemen junge Jemeniten hatten 2011 gegen Präsident Salih aufbegehrt, der sich über 30 Jahre an der Macht hielt. Dass damals im Jemen Großdemonstrationen im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings für mehr Demokratie stattfanden, gerät in Vergessenheit. Jemenitische Aktivisten wie die Friedensnobelpreis-Trägerin Karman Tawwakul werden nicht müde, Ein Artikel von Karman Tawwakul in der taz (2016) daran zu erinnern, dass im Jemen nicht nur alles Krieg ist, sondern junge Menschen an die Zukunft glauben. Deshalb ist Bildung und Kommunikation ein wichtiges Instrument, um die jemenitische Jugend zu bestärken.

 

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